• The Wall Street Journal

UBS beerdigt mit Milliardenverlust die Vergangenheit

    Von CHRISTINE BENDERS-RÜGER

Auch die schweizerische Großbank UBS muss für die Sünden aus ihrer Vergangenheit büßen: Die jahrelangen Zinsmanipulationen haben der UBS eine Stange Geld gekostet, und auch Kosten für Rechtsstreitigkeiten belasten die Kasse. Hinzu kommen der teure Konzernumbau und ein Verlust aus eigenen Verbindlichkeiten. Das alles wirkte sich im vierten Quartal negativ aus und bescherte der Bank einen Milliardenverlust.

Dieser Verlust wird angesichts der Fortschritte der Bank aber fast zur Nebensache. Die UBS will nun vor allem nach vorne blicken und das Kundenvertrauen wieder herstellen. Der Aufbau der Kapitalquoten und der Abbau der risikogewichteten Aktiva kommen deutlich voran, erklärte ein Analyst von Sarasin, der auch die Fortschritte beim Effizienzprogramm hervorhob. Gleichzeitig verstärke die UBS die Risikokontrollen und fahre die Bilanzsumme weiter zurück.

Reuters

Die UBS steckt tief in der Verlustzone fest.

Die UBS selbst zeigt sich selbstbewusst und erhöht die Dividende um 50 Prozent. Nun will die Bank auch Schuldtitel zurückkaufen. Damit werden die künftigen Finanzierungskosten der Bank weiter sinken.

Für 2012 wies die Bank einen Verlust von 2,5 Milliarden Schweizer Franken aus, umgerechnet zwei Milliarden Euro. Allein das vierte Quartal schlug wegen Restrukturierungsaufwendungen und der Strafen im Zusammenhang mit der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor mit einem Minus von 1,9 Milliarden Franken zu Buche. Die Investmentbank verzeichnete von Oktober bis Dezember einen Vorsteuerverlust von 557 Millionen Franken. Im Jahr 2011 hatten die Schweizer noch einen Konzerngewinn von 4,1 Milliarden Franken gemeldet.

Im Dezember hatte sich die UBS für 1,4 Milliarden Franken aus den Fängen der Justiz befreit, die die Bank wegen Manipulationen des weltweit wichtigsten Basiszinssatzes Libor im Visier hatte. Die UBS legte sich dafür ein Polster für Rechtsfälle und andere regulatorische Angelegenheiten von etwa 2,1 Milliarden Franken zu. Für die Verfehlungen bei der Libor-Ermittlung musste die UBS deutlich stärker büßen als ihr Wettbewerber Barclays .

Neben der UBS musste auch die Deutsche Bank in der vergangenen Woche hauptsächlich wegen ihrer Altlasten in Form von Prozesskosten und Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte für das Quartal von Oktober bis Dezember einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro melden. Auf Gesamtjahressicht war die Deutsche Bank aber mit 611 Millionen Euro unter dem Strich im Plus.

Mit Hochdruck versuchen derzeit die Banken angesichts der schärferen Vorgaben, ihre Risiken zu senken und so ihre Kapitaldecken zu stärken. Denn je riskanter ein Geschäft ist, desto mehr müssen die Institute dafür Kapital zur Seite legen. Bei der Verbesserung der Kapitalquote sind die Schweizer vorangekommen. Die Kernkapitalquote (Tier 1) nach Basel 2,5 erhöhte zum 31. Dezember auf 21,3 Prozent. Dies entspricht einer Steigerung um 1,1 Prozentpunkte gegenüber dem Stand zum Ende September 2012. Die risikogewichteten Aktiva verringerten sich im Vergleich zum dritten Quartal um 17,8 Milliarden Franken auf 192,5 Milliarden Franken Stand Jahresende, die Bilanzsumme sank um 107 Milliarden auf 1,26 Billionen Franken. Die Kernkapitalquote nach Basel III (Common Equity Tier 1) stieg auf Basis einer vollständigen Umsetzung des Regelwerks um 310 Basispunkte auf 9,8 Prozent zum Jahresende.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank meldete zum Stand Ende Dezember 2012 eine Kernkapitalquote (Tier 1) nach Basel 2,5 von 11,6 Prozent. Dieser Anstieg war laut Institut hauptsächlich auf um 32 Milliarden geringere risikogewichtete Aktiva als auch reduzierte Kapitalkosten für Verbriefungen zurückzuführen. Die Tier-1-Kernkapitalquote nach Basel III betrug 8 Prozent, die Deutsche Bank strebt nun bis zum Ende des ersten Quartals 8,5 Prozent an.

Um ihre Risiken zu minimieren, verkleinert die UBS mit Sitz in Zürich derzeit sein Investmentbanking und gliedert den Anleihehandel aus. Bis 2015 sollen jährlich 5,4 Milliarden Franken eingespart werden, 10.000 Stellen werden gestrichen – ein Großteil davon im Investmentbanking in London und den USA. Zum Stellenabbau hieß es am Dienstag von der Bank, im vierten Quartal seien 1.100 Arbeitsplätze gestrichen worden, davon 800 Stellen bei der Investmentbank. Mit dem Stellenabbau steht die UBS nicht alleine da, auch die Commerzbank, die Deutsche Bank und weitere Wettbewerber drehen an dieser Kostenschraube.

Operativ lief das Geschäft bei den Schweizern gut. Das Vermögensverwaltungsgeschäft, auf das die Bank inzwischen verstärkt ihren Fokus legt, verzeichnete unter dem Strich 2012 Nettoneugeldzuflüsse in Höhe von 46,9 Milliarden Franken, 11,3 Milliarden mehr als im Vorjahr. Vor allem Kunden aus der Region Asien-Pazifik, den Schwellenländern und Superreiche weltweit vertrauten der größten Schweizer Bank ihr Vermögen an.

Analysten äußerten sich erfreut. „Wir gehen davon aus, dass die niedrigen Nettoneugeldzuflüsse im Wealth Management aus Europa sich im weiteren Verlauf verbessern", sagte Teresa Nielsen, Analystin bei Vontobel. „Denn wir gehen davon aus, dass sich die Auswirkungen der Steuerfrage klären", fügte sie hinzu. Der Streit um das Schweizer Bankgeheimnis und um die Versteuerung von in der Schweiz angelegtem Vermögen, unter anderem mit den USA und Deutschland, hatten das Geschäft belastet.

Auch das alte Vergütungsmodell kommt bei den Schweizern auf den Prüfstand: Für 2012 hat UBS ihr Vergütungssystem überarbeitet. Die Veränderungen sollen jetzt den Fokus auf die mittel- und längerfristige Entwicklung richten. Die Veränderungen beinhalten unter anderem eine längere Aufschubdauer und mehrjährige Leistungskriterien auf aktienbasierter aufgeschobener Vergütung.

Beim Ausblick traute sich die UBS mit Blick auf die Unsicherheiten keine konkreten Aussagen zu. Die Euroschuldenkrise, die Probleme im europäischen Bankensystem, die ungelöste US-Haushaltsfrage, die anhaltenden geopolitischen Risiken und der globale Konjunkturausblick könnten die Kundenaktivitäten auch im ersten Quartal 2013 stark beeinflussen.

Zur Senkung des künftigen Zinsaufwands will die Bank nun ausstehende Anleihen im Gesamtwert von etwa 5 Milliarden Franken zurückkaufen. Die UBS warnte allerdings vor möglichen „signifikanten Wertberichtigungen für eigene Verbindlichkeiten" im ersten Quartal, da die Maßnahmen zu einer „Verengung unserer Kreditspreads führen" könnten. Die Angebotsperiode für die Anleihen endet am 5. März 2013.

Kontakt zum Autor: christine.benders-rueger@dowjones.com

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