• The Wall Street Journal

Blackberry verpasst den Touchdown

    Von AL LEWIS

Folgendes ist meine Meinung zum neuen Blackberry: Es ist ein Mobiltelefon. Niemand wird vor einem Eingang zu einem Telekom-Shop oder zu Walmart campen wie Rockstar-Groupies, um eines zu ergattern. Niemand kann wirklich sagen, was das beste Smartphone ist: Blackbery Z10, Apples iPhone 5, das Galaxy S III von Samsung, Nokias Lumia 920 oder doch das Nexus 4 von Google .

Sie alle sind cool. Sie alle haben Apps und Funktionen, die die meisten Kunden niemals nutzen werden. Die Smartphone-Technik hat schnell den Punkt erreicht, an dem die meisten künftigen Verbesserungen nur noch geringer Natur sind. Das bedeutet, dass der Start neuer Smartphones in etwa so spannend ist wie eine neue Version von Microsofts Betriebssystem Windows. Das wiederum bedeutet, dass man sich künftig am ehesten deshalb ein neues Smartphone kaufen wird, weil das alte aus Versehen in die Toilette geplumpst ist.

Lange habe ich gehofft, dass jemand ein Smartphone mit einem eingebauten Taser baut. Wenn ein Gangster versucht Ihre Tasche zu rauben, können Sie ihn tasern – meine Antwort auf die Debatte über die Waffekontrolle. Leider ist der Ansatz etwas mangelhaft, da die meisten Smartphone-Nutzer sich vermutlich selbst tasern würden.

Technik-affine Rezensenten mögen die Smartphones

Blackberry hat vergangene Woche zwei neue Smartphones vorgestellt – allerdings ohne Taser. Das Z10 und das Q10 mit dem neuen Betriebssystem BB10 sind vielleicht das letzte Aufstöhnen eines im Sterben liegenden Konzerns. Die meist technikaffinen Kritiker der Geräte sagen, dass es ziemlich coole Smartphones sind. Die eher börsenorientierten Analysten sagen, dass sie zu spät auf den Markt kommen.

„Erwarten Sie eine gedämpfte Reaktion der Kunden wegen RIMs angeschlagenem Markenimage", schrieben die Analysten von Evercore Partners . Die Blackberry-Aktie ist nach der Präsentation eingestürzt, hat sich danach aber etwas erholt.

Die Umbenennung des Unternehmensnamens von Research In Motion (RIM) in Blackberry erzeugte kollektives Gähnen. Was sind noch mal Blackberrys? Apple hat Blackberrys fast ausgerottet – die Firma hätte sich gleich in Betamax umbenennen können, dem einstigen Konkurrenten des heute fast toten Videokassetten-Standard VHS.

Was den Märkten wirklich sauer aufgestoßen ist, war die Ankündigung, dass die neuen Blackberrys in den USA erst ab März verfügbar sein werden.

Anders als die meisten Analysten und Marktbeobachter möchte ich Blackberry jedoch dafür Applaus spenden, das Comeback wenigstens zu versuchen. Weniger bedeutende Unternehmen hätten längst aufgegeben und wären schon tot. Dennoch glaube ich, die Firma hätte bessere Chancen, wenn ihre neuesten Produkte jetzt in den Tagen nach dem Super Bowl verfügbar wären.

Wie Smartphones kaputt gehen

Der Smartphone-Versicherer SquareTrade veröffentlichte kürzlich eine Studie, nach der 23 Millionen Amerikaner ihre Handys oder Tablets beschädigen, während sie Sport schauen. Das passiert durch Missgeschicke wie diese: Am häufigsten fällt das Gerät aus der Hand (33 Prozent), es kommt mit Flüssigkeiten wie Schweiß oder umgekippten Getränken in Kontakt oder es fällt in die Toilette (18 Prozent). Das Gerät wird aus Ärger oder in Aufregung herumgeworfen (12 Prozent) oder es fällt von Theken oder Tischen (8 Prozent).

Die Fans der Ravens waren in dieser Woche besonders gefährdet – laut der Studie sind sie 14 Prozent ungeschickter als die Fans der 49er, der anderen Mannschaft im Super-Bowl-Finale. Laut der Studie hatten 27 Prozent der Ravens-Fans Handyunfälle in den vergangenen 12 Monaten, bei den 49er-Fans waren es nur 23 Prozent.

Eine großartige Marktchance. Blackberry hat sie verpasst.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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