• The Wall Street Journal

Dell sucht sein Heil abseits der Börse

    Von SAABIRA CHAUDHURI und ARIK HESSELDAHL

Der Computerhersteller Dell sucht sein Heil in der Privatisierung. Der frühere Branchenprimus, dessen Marktkapitalisierung von einstmals 100 Milliarden US-Dollar auf magere 19 Milliarden zusammenschrumpft war, lässt sich von seinem Gründer und Chef Michael Dell gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake aufkaufen. Auch der Software-Gigant Microsoft ist mit an Bord bei der Transaktion, die Dell einen Wert von insgesamt 24,4 Milliarden Dollar beimisst.

13,65 Dollar in bar sollen die Dell-Aktionäre als Gegenleistung dafür erhalten, dass sie den PC-Hersteller ziehen lassen. Das ist ein satter Aufschlag von 25 Prozent auf den Schlusskurs vom 11. Januar von 10,88 Dollar, zu dem die Dell-Aktie vor dem Aufkommen der Buy-out-Gerüchte herumdümpelte.

Reuters

Der Dell-Gründer und aktuelle Chef Michael Dell will den Computerhersteller von der Börse nehmen.

Unternehmensgründer Michael Dell, der rund 14 Prozent der Aktien des Computerkonzerns besitzt, und neben einem Aktienpaket auch einen bedeutenden Geldbetrag in die neue privatisierte Dell einbringen wird, soll den Konzern auch in Zukunft führen. Microsoft wiederum schießt mit einem Kredit über 2 Milliarden Dollar zu.

Gerüchte über einen bevorstehenden Buy-out waren erstmals Mitte Januar aufgekommen. Dell spreche mit Beteiligungsfirmen über deren Einstieg; am Ende könnte die Aktie des Computerkonzerns von der Börse genommen werden, hatten informierte Personen seinerzeit gesagt. Auch Microsoft wurde bereits als Interessent gehandelt.

Microsoft will wegen Windows mitmischen

Eine Beteiligung an dem Dell-Buy-out erscheint für den Software-Giganten durchaus sinnvoll: Dell ist einer der größten Hersteller von PC, auf denen Microsofts Betriebssystem Windows verwendet wird. Der Software-Konzern hat schon häufiger Geld in diverse Kooperationen mit Technologieunternehmen gesteckt, wenn er sich davon strategische Vorteile versprochen hat. 2011 beispielsweise hatte Microsoft viel Geld in die Hand genommen, um Windows Phone, sein Windows-Betriebssystems für Mobiltelefone, auf Nokia -Smartphones zu bekommen.

Der Software-Riese selber machte keinen Hehl daraus, dass sein 2-Milliarden-Dollar-Kredit durchaus eigennützig ist: Microsoft habe ein ureigenes Interesse am langfristigen Erfolg des gesamten "PC-Ökosystems" und sei dementsprechend bereit, Partner zu unterstützen, die Innovationen und Geschäfte mit Geräten und Dienstleistungen vorantrieben, die auf der Microsoft-Plattform basierten.

Dell wiederum beeilte sich, hervorzuheben, dass der Kredit von Microsoft keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft haben werde. Außerdem werde Microsoft keinen Sitz im Dell-Board bekommen. Über Zugeständnisse, die Dell dem Software-Konzern im Gegenzug für den Kredit möglicherweise machen musste, wollte sich Dell hingegen nicht äußern.

PC-Markt schrumpft, Dell braucht eine neue Strategie

Dell ist mit maßgeschneiderten PC auf Kundenbestellung groß geworden, konnte aber mit dem Wandel am Markt nicht Schritt halten. Computer entwickelten sich im Laufe der Zeit zum Allerweltsprodukt. Bereits 2006 musste der einst weltgrößte PC-Hersteller die Spitzenposition an Hewlett-Packard abgeben.

Aufstieg und Fall von Dell:

Zur gleichen Zeit begann der Siegeszug von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-Rechnern. Auf diesem Gebiet ist Dell nur wenig präsent. Noch heute machen klassische PC die Hälfte von Dells Umsatz aus. Aber dieser Markt schrumpft, während die Nachfrage nach Tablets und Smartphones boomt.

Dell ist daher schon seit Längerem bemüht, vom klassischen PC-Geschäft wegzukommen und sich breiter aufzustellen - unter anderem mit Software und IT-Dienstleistungen. Das meiste davon hat der US-Konzern zugekauft - ein Transformationsprozess, der Dell viel Geld gekostet hat: Etwa 13 Milliarden Dollar waren die Zukäufe der vergangenen fünf Jahre wert.

Der Buy-out soll bis zum dritten Quartal des Dell-Geschäftsjahres 2014 unter Dach und Fach sein. Dann würde die Aktie des einstigen Platzhirsches auf dem PC-Markt endgültig vom Kurszettel verschwinden.

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