• The Wall Street Journal

Trennbanken-Pläne treffen Deutsche Bank härter als erwartet

    Von MADELEINE NISSEN

Die Pläne für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte treffen die Deutsche Bank härter als bislang angenommen. Es zeichnet sich immer stärker ab, dass Deutschland keine Kompromisse macht und im Geschäft mit Hedgefonds besonders strenge Maßstäbe anlegen will. Wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen aus Regierungs- und Aufsichtskreisen sagten, soll auch das besicherte Geschäft mit Hedgefonds von den Kundengeldern abgetrennt werden. Als besichert gelten Kredite, wenn sie mit einer Sicherheit, etwa Wertpapieren, hinterlegt werden. Die Vorschläge Frankreichs gehen dagegen nicht ganz so weit und verlangen nur eine Trennung des unbesicherten Geschäfts mit Hedgefonds.

Der Gesetzesentwurf, über den das Kabinett am Mittwoch berät, deutet bereits eine harte Haltung Deutschlands an, lässt aber letztlich offen, welche „Kredit- und Garantiegeschäfte mit Hedgefonds" genau untersagt werden sollen.

Agence France-Presse/Getty Images

Logo der Deutschen Bank auf dem Hauptgebäude in Frankfurt: Dem deutschen Branchenprimus droht Ungemach von der Politik.

Damit läuft das geplante Gesetz zu den Trennbanken doch auf eine Lex Deutsche Bank hinaus, die hierzulande bei weitem am stärksten betroffen wäre. In einer Umfrage der größten Hedgefonds zählt die Bank weltweit zu den meistgenannten Banken, mit denen die Fonds Geschäfte machen. Laut den Tabellen der Fachpublikation „Global Custodian" spielt die Deutsche Bank in einer Liga mit JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS . Andere deutsche Institute tauchen unter den Top-Playern nicht auf.

Deutsche Bank baute Hedgefonds-Geschäft aus

Die Deutsche Bank gibt keine Zahlen zum Umfang des Hedgefonds-Geschäfts heraus, Analysten verschiedener Brokerhäuser jedoch sprechen von einem „signifikanten" Anteil am Investmentbanking des Instituts. Die Deutsche Bank habe in der Krise Marktanteile übernommen, als andere Instituten ausgestiegen sind, sagte ein Analyst. Eine Abtrennung des Geschäfts könnte die Bank daher teuer zu stehen kommen.

Die Deutsche Bank kämpft an allen Ecken und Enden mit Kosten, und das zu einer Zeit, in der sie wegen der hohen Anforderungen an das Eigenkapital jeden Cent zweimal umdrehen muss. Unter der Führung von Anshu Jain und Jürgen Fitschen soll die Bank deutlich effizienter und kostengünstiger aufgestellt werden, Boni- und Stellenkürzungen inklusive. Vor allem die Milliardenkosten für Prozesse sind eine hohe Belastung, die es dem Führungsduo erschwert, Erfolge sichtbar zu machen.

Aus der Bank selbst verlautete, dass bei einer Abtrennung des Risikogeschäfts mit „hohen" Kosten zu rechnen sei und letztlich auch die Produkte für die Kunden dadurch teurer würden. Doch hier schalten die Regulatoren auf taub. Ihr Argument: Es gibt keine belastenden Studien, die belegen, warum das Kundengeschäft wesentlich teurer werden sollte.

Das Volk ruft nach härteren Regeln

Der Aufsicht und Politik scheint es ernst. Beide Seiten wollen die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufholen. In einer Zeit, in der eine Ausnahmesituation die andere jagte, kamen sie bei der Regulierung kaum hinterher. Vielmehr taumelten sie von einer Banken- und Staatenrettung zur nächsten.

Als es an den Finanzmärkten besonders turbulent herging, wurde zudem noch gern die Einschätzung von Bankenvorständen wie Josef Ackermann hinzugezogen, auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das hat sich nun geändert. Zwar hat die Bankenlobby immer noch eine starke Präsenz in Berlin und Brüssel, doch in Zeiten des Wahlkampfs bekommt sie weniger Gehör. Die Gesellschaft, so sagen Politiker, habe kein Verständnis mehr. Das Volk rufe nach härteren Regeln. Haftstrafen eingeschlossen.

Auch die Zeiten, in denen die Finanzaufsicht als zahnloser Tiger galt, sind vorbei. Welches Geschäft letztlich als zu riskant gilt, um zusammen mit dem Kundengeschäft geführt zu werden, solle die BaFin entscheiden, sagte eine Person aus Regierungskreisen. Die Aufsicht in Bonn wurde bereits personell aufgestockt. Weitere Verstärkung sei geplant, sagte die Person, ohne Zahlen zu nennen.

Mitarbeit: Laura Stevens und Andreas Kissler

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen