• The Wall Street Journal

Bankenaufsicht in China begrenzt Kreditvergabe

    Von GRACE ZHU

PEKING – Angesichts der wieder steigenden Ausgabe von Krediten hat die chinesische Bankaufsicht in den vergangenen Wochen begonnen, die Banken zu bremsen. Das berichten mit den neuen Restriktionen vertraute Personen. Es wäre ein Signal dafür, dass sich die politische Führung um die Auswirkungen der Geldflut in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sorgt.

Zwei der größten chinesischen staatlichen Banken wurden im vergangenen Monat von der chinesischen Zentralbank gewarnt, dass sie ihre vorgegebenen Kreditvergabequoten im Januar überschritten hätten, sagten direkt damit befasste Insider. Die Bank of China soll laut der Warnung der Volksbank Chinas ihr Limit um mehr als 30 Milliarden Yuan, etwa 3,55 Milliarden Euro, überzogen haben, berichten einige der Insider. Das könnte dem Institut Schwierigkeiten bereiten, ihr Kredit-Einlagen-Verhältnis unter dem gesetzlich erlaubten Niveau zu halten.

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Das Institut habe auch eine Warnung von der chinesischen Bankenaufsichtskommission erhalten, dass sie die gesetzliche 75-Prozent-Grenze beim Verhältnis von Krediten zu Einlagen erreicht habe, so die Insider.

Unterdessen habe die Konkurrenz von der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) ihre erlaubte Kreditquote für Januar bereits in den ersten 20 Tagen aufgebraucht und musste deshalb die Kreditausgabe in den verbleibenden Tagen des Monats einstellen, sagen damit vertraute Personen. Vertreter der ICBC und der Bank of China wollten dies ebenso wenig kommentieren wie Sprecher der Bankenaufsicht und der Zentralbank.

Banken legen ihre jeweiligen Kreditbücher nicht offen, aber Analysten bestätigen, dass chinesische Finanzinstitute mit der Konjunkturerholung die Kreditvergabe im Januar nach oben gezogen hätten. Die vier großen staatlich kontrollierten Banken – ICBC, Bank of China, China Construction Bank und Agricultural Bank of China – gaben in den ersten 20 Januartagen insgesamt neue Kredite über 340 Milliarden Yuan aus, heißt es in einer Studie des chinesischen Wertpapierhauses Shenyin Wanguo. Das liegt bereits deutlich über den 317 Milliarden Yuan, die im Vorjahr im gesamten Monat verliehen wurden. Der Januar ist in China traditionell der stärkste Monat für Kreditvergaben, weshalb starke Zahlen nicht so ungewöhnlich sind.

Drohende Inflation macht Peking vorsichtig

Die großen Vier vergeben normalerweise rund 30 Prozent aller Bankkredite in China. Nach einer Umfrage des Wall Street Journal unter zwölf Volkswirten sehen diese das Gesamtvolumen im Januar im Schnitt bei 1,025 Billionen Yuan.

Reuters

Der Pudong Lujiazui Finanzdistrikt in Schanghai, am 16. Januar wie zuletzt häufig im Smognebel. Die Banken dürfen offenbar nicht so viele Kredite ausgeben wie sie wollten oder könnten.

In ihren Hinweisen an die Banken haben die Aufsichtsbehörden keine Gründe für ihre Sorgen ausgeführt, die sie zu ihren Schritten veranlasst hatten. Aber die Vergabebeschränkungen könnten darauf hindeuten, dass die Aufsicht die Rückkehr der Inflation befürchtet, die bis vor kurzem noch als gezähmt galt.

„Die Arbeitskosten steigen in China und die Behörden werden in diesem Jahr mit Inflationsdruck zu kämpfen haben, was sie angesichts des Kreditwachstums vorsichtig macht", sagt Jin Lin, Analyst bei Orient Securities.

Im Oktober vergangenen Jahres war der Verbraucherpreisanstieg mit 1,7 Prozent auf den vorläufig tiefsten Stand gefallen, hat sich seitdem aber wieder etwas beschleunigt. Im Gesamtjahr 2012, in dem die Konjunktur langsam wieder anzog, belief sich die Inflation auf noch immer erträgliche 2,6 Prozent.

Jin sagt, dass die Zentralbank auch besorgt darüber sein könnte, dass die Bankkredite die Immobilienspekulation wieder antreibt. Peking hat in einer dreijährigen Kampagne gegen immer weiter steigende Häuserpreise die Zahl der Wohnungskäufe und die Kredite an Bauherren beschränkt. Tatsächlich sind die Immobilienpreise im vergangen Jahr zumeist kaum gestiegen, aber in den großen Städten gab es in den vergangenen Monaten mit der anziehenden Konjunktur bereits Zeichen für eine Erholung.

Staatliche Vorgaben sind nicht starr

Auch aus den Banken hört man, dass die Nachfrage nach Krediten in den vergangenen Monaten zugenommen habe. „Aber angesichts der Ende 2012 eingeführten Beschränkung beim Kredit-Einlagen-Verhältnis stapelten sich die Kreditanträge und konnten erst im neuen Jahr abgearbeitet werden", sagt ein Bankvertreter.

Bankenkredite sind nur ein Faktor in einer breiter angelegten Kreditkennzahl der Behörden, die sie "gesamtgesellschaftliche Finanzierungen" nennen. Dazu gehören dann auch Gelder aus Emissionen von Anleihen, Wertpapieren, weniger regulierten Investmentpapieren und andere Quellen. Aber auch diese Kennziffer stieg im Dezember auf 1,63 Billionen Yuan von 1,14 Billionen im Vormonat. Im Gesamtjahr beliefen sie sich laut Zentralbankdaten auf 15,76 Billionen Yuan, knapp 3 Billionen mehr als im Vorjahr.

Dabei sind die Bankquoten in China nicht völlig unflexibel. Die Zentralbank gibt den Instituten lediglich eine Spanne für die Kreditvergabe vor. Wenn diese aber ignoriert wird, kann die Notenbank Strafen verhängen wie etwa den Zwang, Geldmarktpapiere mit niedrigen Zinsen zu kaufen, oder einen größeren Teil der Einlagen in die Reserven zu verschieben. Die Bankenaufsicht überprüft das Kredit-Einlagen-Verhältnis in der Regel monatlich, es sei denn es gibt spezielle Sorgen, dass ein Institut seine Grenzen überschreitet.

1998 hatte China die jährlichen Kreditquoten für jede einzelne Bank abgeschafft – dieses Vorgehen stammte noch aus den Zeiten der zentralen Planwirtschaft. Aber eine leicht modifizierte Version des Systems wurde nach den Kreditexzessen der Jahre 2009/10 wieder eingeführt. „Die Zentralbank kann jetzt einen schnellen Kreditanstieg bremsen, indem es ihre Vorgaben anpasst", sagte Jin von Orient Securities. Er fügt hinzu, dass er nicht glaubt, dass sie das in der nächsten Zeit tun wird.

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