• The Wall Street Journal

Auf Chinas Immobilienmarkt geht es wieder nach oben

    Von ESTHER FUNG und SHEN HONG
dapd

Potenzielle Käufer sehen sich bei einer Immobilienmesse in Peking Modelle an: Die Preise in China ziehen wieder an. Der Immobilienmarkt könnte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Aufschwung geben.

Auf dem chinesischen Immobilienmarkt tut sich etwas: Die Preise stiegen im November schneller an als im Vormonat, wie Zahlen der Regierung zeigen. Nachdem es lange bergab ging, wächst nun die Hoffnung, dass der Markt die Kurve kriegt.

Der Immobilienmarkt könnte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Aufschwung geben. Verkäufe und Investitionen hätten in den vergangenen Wochen zugenommen, berichten Analysten. Die meisten gehen davon aus, dass die Talsohle erreicht ist. Laut einer Studie der Chinesischen Zentralbank nimmt die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit hohen Immobilienpreisen ab.

Seit drei Jahren versucht Chinas Führung mit verschiedenen Maßnahmen, die Preise herunterzubringen. Nun deutete sie an, dass sich das ändern könnte. Bei einem Treffen am Wochenende versprachen Abgeordnete zwar wiederholt, dass sie hart gegen spekulative Geschäfte durchgreifen wollen, von der Notwendigkeit, die Preise herunterzubringen war aber keine Rede mehr.

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Der Markt für Wohnimmobilien ist seit langem ein Wachstumsmotor für die chinesische Wirtschaft. Er trägt 12 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, schätzt der Internationale Währungsfonds. Er sorgt für eine große Nachfrage für viele Waren – von Zement über Autos bis hin zu Möbeln – und hat Auswirkungen auf ausländische Märkte.

Seitdem Peking den heißgelaufenen Markt durch strenge Beschränkungen bei Verkäufen und Hypotheken herunterkühlt, fürchtet man weltweit einen Zusammenbruch des Immobiliensektors. Die chinesische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal so langsam wie seit drei Jahren nicht mehr. Allerdings deuten mehrere Faktoren darauf hin, dass sie am Jahresende wieder Fahrt aufnimmt.

Weil viele meinen, dass die Talsohle nun erreicht ist, könnte das Interesse an dem Sektor wieder wachsen – und damit die Bautätigkeit steigen. „Die Regierung könnte zu dem Schluss gekommen sein, dass sich die Immobilienpreise korrigiert haben und dass sie die Preise nicht weiter nach unten drücken kann", sagt Johnson Hu, Analyst bei CIMB Securities.

Die Immobilienpreise in 70 Städten sind im Durchschnitt im November um 0,24 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Das zeigen Berechnungen des Wall Street Journal, die auf Daten des Staatlichen Amts für Statistik basieren. Im Oktober waren sie um 0,05 Prozent nach oben gegangen. Die Preise lagen aber immer noch 0,6 Prozent unter denen vom Vorjahr (minus 1 Prozent im Oktober). Auch die Preise für Neubauten waren in 53 der 70 Städte im November höher als im Vormonat.

Die Daten wurden veröffentlicht, nachdem die chinesische Führung bei einer Wirtschaftskonferenz am Wochenende angedeutet hatte, dass sie ihre Politik in Sachen Immobilien ändern könne. Sie werde an den Maßnahmen festhalten, mit denen sie die Preise in Zaum hält, heißt es in einer Erklärung. Ein Halbsatz aber, der im Statement aus dem vergangenen Jahr stand, fehlte aber: „um die Immobilienpreise wieder auf ein vernünftiges Niveau zu bringen". Das hatte der scheidende Ministerpräsident Wen Jiabao in seinen Reden auch mehrfach betont.

Bauunternehmer hoffen, dass die Regierung die Maßnahmen im kommenden Jahr ein wenig lockern könnte. „Um Chinas Immobilienmarkt einzuschätzen, ist es am besten, auf die gesamte Wirtschaft zu blicken", sagt William Kwok, der bei der Cheung Kong Holdings zuständig für das Immobiliengeschäft in Shanghai und Peking ist. „Ich bin recht zuversichtlich, was die wirtschaftliche Lage in China im nächsten Jahr betrifft."

Laut der am Dienstag veröffentlichten Umfrage, die die Chinesische Zentralbank alle drei Monate erhebt, empfinden 66,6 Prozent der Befragten die Preise als zu hoch. Zu Beginn des Jahres waren es 67,6 Prozent und im Vorjahr 72,8 Prozent. Die Zahl derer, die davon ausgehen, dass die Preise im ersten Quartal 2013 anziehen, stieg auf 29 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es 17,7 und im Vorjahr 19 Prozent.

dapd

Ein Gebäudekomplex in Hangzhou: In den kommenden Jahren soll die Zahl der Sozialwohnungen für Geringverdiener steigen.

Die Zeichen mehrten sich, dass die Beschränkungen für Hausbesitzer gelockert werden, sagt Tim Condon, Asienanalyst bei ING. Ob und wann die Regierung zu diesem Schritt bereit sein wird, ist noch unklar. Der Druck auf die Behörden dürfte abnehmen, da in den kommenden Jahren die Zahl der stark geförderten Sozialwohnungen steigen wird. Sie richten sich an Geringverdiener und sollen ihren Unmut über die hohen Preise besänftigen.

Die Regierung dürfte im kommenden Jahr auch die in zwei Städten bereits eingeführte Immobiliensteuer weiter ausweiten und sie schließlich dazu benutzen, die Beschränkungen auslaufen zu lassen. Die neue Steuer wird den lokalen Regierungen helfen, die in den vergangenen drei Jahren unter sinkenden Einnahmen aus zäh laufenden Landverkäufen gelitten haben – und die meisten sind stark darauf angewiesen.

Unterdessen sind ausländische Investitionen in China im November um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ein Vertreter des Handelsministeriums warnt davor, dass China im kommenden Jahr Probleme haben könnte, Auslandsinvestitionen anzuziehen, weil die steigenden Löhne andere Länder für Investoren attraktiver machen könnten. „Das weltweite Wirtschaftswachstum ist noch schwach, und seit der weltweiten Finanzkrise fließen mehr Investitionen in andere Schwellenländer", sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag.

Am gleichen Tag versicherte die chinesische Kommission für Entwicklung und Reform, ein Registrierungssystem voranzutreiben. Es soll Landbewohnern, die in die Stadt ziehen, dabei helfen, Zugang zur Gesundheitsversorgung oder zum Bildungssystem zu bekommen. Für die neue Führung der Kommunistischen Partei, allen voran der designierte Premierminister Li Keqiang, ist die Urbansierung ein wichtiger Prozess, um das Wachstum voranzutreiben. Wenn Chinesen vom Land in die Stadt ziehen, steigen ihre Löhne – und damit können sie auch mehr Geld ausgeben.

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