• The Wall Street Journal

Der militärische Albatross von Airbus soll bald fliegen

    Von DANIEL MICHAELS
[image] Associated Press

Der Militärtransporter A400M als Testmaschine der Bundeswehr auf der ILA in Berlin. Jahrelang verzögerte sich die erste Auslieferung wegen technischer Schwierigkeiten. In Kürze sollen die Probleme jetzt aber überwunden sein.

Nach vielen Rückschlägen setzt Airbus bei einem schwergewichtigen Militärprojekt auf Auftrieb. Fünf Jahre kämpfte die EADS -Tochter mit technischen Problemen und Kinderkrankheiten beim Militärtransporter A400M. Vier Jahre liegt Airbus mittlerweile hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück und zugleich mehrere Milliarden Euro über dem Budget.

Der behäbige Transporter mit seinen charakteristischen Propellern ist mittlerweile zu einem Sinnbild für die Probleme von Airbus im Verteidigungsbereich geworden, dem erst jüngst eine Großfusion mit BAE Systems misslang.

Jetzt sehen Airbus-Manager das Prestigeprojekt aber auf gutem Weg, von einer finanziellen Bürde zu einem vermarktbaren Produkt zu werden. Schon in den nächsten Wochen rechnen sie mit der Verkehrszulassung für die A400M. Bis zum Sommer sollen die ersten vier Maschinen an die französische Luftwaffe übergeben sein.

Militärtransporter sind ein hart umkämpfter Markt

Technische Probleme sind aber nur ein Teil des Kampfes, den Airbus mit der A400M auszustehen hat. Der Militärtransporter muss sich in einem hart umkämpften Markt gegen die Konkurrenz von Boeing und Lockheed behaupten.

The A440M Atlas, Airbus's first foray into military aircraft, has been delayed for years due to problems with its engines. Now the aircraft is almost ready to enter service as Airbus aims to compete with Boeing and Lockheed-Martin for military contracts. WSJ's Daniel Michaels reports.

EADS-Vertreter räumen deshalb ein: Es wird mehrere Jahren dauern, bis das Flugzeug seine Kosten decken wird - falls das überhaupt geschieht. EADS hat auf das 20 Milliarden Euro teure Projekt bereits gut 4 Milliarden Euro abgeschrieben.

Airbus liegen Lieferaufträge für 170 Exemplare des Militärtransporters aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, der Türkei und drei weiteren europäischen Staaten vor. Ist das Flugzeug erst einmal bei den Militärs im Dienst, will Airbus es aggressiv in Asien, im Nahen Osten und in Lateinamerika vermarkten. „Wir haben dort bereits einige Länder, die uns nach festen Angeboten fragen", sagte Marketing-Vizechef Antonio Rodriguez Barberan von Airbus Military.

Das Projekt A400M könnte profitabel werden, falls es Airbus gelingt, genügend Aufträge an Land zu ziehen und Größenvorteile in der Produktion zu realisieren. Airbus-Manager äußern sich sehr optimistisch, was die Aussichten der A400M auf dem Weltmarkt anbelangt. Sie erwarten, dass in den nächsten 30 Jahren bis zu 400 Militärfracht- und Truppentransporter bestellt werden.

A400M muss für Airbus ein Erfolg werden

Von der A400M hängt für EADS sehr viel ab. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern hinkt mit seiner Rüstungssparte den Konkurrenten BAE Systems, Boeing und Lockheed hinterher. Militärtransporter und Tankflugzeuge zählen zu den stärksten Produkten des Konzerns in diesem Bereich.

Der Marketing-Vizechef gründet seinen Optimismus auch darauf, dass sich immer mehr Schwellenländer an humanitären Einsätzen und friedensschaffenden Missionen beteiligen wollen. Die A400M könnte ihnen dabei bessere Dienste leisten und sei kostengünstiger als Modelle der Konkurrenz, argumentiert er.

Reuters

Ein Militärtransporter vom Typ Airbus A400M wird auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin im September auf die richtige Position gebracht.

Die A400M kann zwar fast doppelt so viel Fracht aufnehmen wie die C-130 Hercules von Lockheed, dessen frühe Versionen schon in den fünfziger Jahren flogen. Aber Lockheed modernisiert die C-130 fortwährend und Hunderte Exemplare sind weltweit im Einsatz. „Kein Flugzeug, egal ob in der Produktion oder noch in der Entwicklung, kommt an die Flexibilität der C-130 Hercules heran", sagte ein Lockheed-Sprecher. Die anhaltende Nachfrage garantiere der C-130 Hercules „eine robuste Zukunft".

Boeing ist mit dem C-17 Globemaster III am Markt. Erstmalig hob er im Jahr 1991 ab, kann rund doppelt so viel transportieren wie der A400M, kostet dafür aber auch mindestens 20 Prozent mehr. Nur wenige Länder außer der USA brauchen so viel Transportkapazität oder können sie sich leisten. Boeing rechnet trotzdem bald mit einer Reihe neuer Aufträge und sieht den A400M nicht als ernsthafte Konkurrenz. „Die C-17 kann alles", erläutert Boeing-Vizepräsident Tommy Dunehew.

Airbus: A400M ist für alle Einsätze geeignet

Airbus kontert: Die A400M biete genau die richtige Mischung von Kapazität und Wendigkeit. Propellermaschinen könnten unter härteren Bedingungen eingesetzt werden als Jets, weil Turboprop-Triebwerke robuster seien. Die C-17 von Boeing versorgt in der Regel Truppen weit hinter der Frontlinie, während die C-130 von Lockheed auch in Gefechten zum Einsatz kommt. Laut Airbus kann die A400M beides.

Darüber hinaus ist die A400M mit computerbasierten Kontrollsystemen und einem High-Tech-Cockpit ausgestattet, ähnlich dem Großraumflieger A380. Dadurch lässt sich der Transporter in Gefechten oder bei schwierigen humanitären Einsätzen besser manövrieren.

„Militärische Fracht wird immer größer und schwerer", sagte Verteidigungsanalyst Sash Tusa von Echelon Research & Advisory aus London. Die A400M habe das Zeug zu einem sehr erfolgreichen Programm.

Doch viele Regierungen können sich das Flugzeug, das rund 170 Millionen US-Dollar kostet, nicht leisten. Südafrika hat vor drei Jahren einen Auftrag für acht A400M-Transporter storniert und dies mit den Kosten begründet. „Die A400M tritt in einen unglaublich wettbewerbsintensiven Markt ein - und das zu einer schweren Zeit", gibt Verteidigungsanalyst Guy Anderson vom Beratungsunternehmen IHS zu bedenken.

EADS selbst hat sich dem Prestigeprojekt vor einem Jahrzehnt selbst in finanzielle Nöte gebracht. Airbus-Manager erklärten sich damals bereit, das Flugzeug zu einem fixen Preis zu bauen - eine Praxis, wie sie bei Verkehrsflugzeugen Gang und Gäbe ist. Bei großen Verteidigungsaufträgen tragen üblicherweise auch Regierungen einen nicht unbedeutenden Teil der Entwicklungslasten.

Probleme in der Entwicklung zeigten sich 2006

Airbus bemerkte den Fehler im Jahr 2006, als die Entwicklung der A380 zunehmend Probleme machte. Das Großraumflugzeug verschlang immer mehr Entwicklungs- und Managementkapazitäten, und die Kosten liefen aus dem Ruder. Das habe auf das A400M-Programm übergegriffen, sagten frühere Airbus-Manager. Auch der Zeitplan für die Entwicklung des A400M-Triebwerks war nicht mehr einzuhalten.

2009 zog EADS die Reißleine und stellte seine Kunden vor die Wahl: Entweder sie würden mehr als die vereinbarte Summe zahlen, oder Airbus würde die Arbeit an dem Projekt einstellen. Deutsche Politiker entrüsteten sich über die Mehrkosten und das kompromisslose Vorgehen des damaligen Airbus-Chefs Thomas Enders.

Das rächte sich in diesem Sommer, als Enders - inzwischen Chef von EADS - in Berlin um die Erlaubnis für eine Fusion von EADS mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems nachsuchte. In Berlin war man noch immer verschnupft und räumte Enders nicht den gewünschten Spielraum für einen Deal mit den Briten ein.

„Seine schlechten Beziehungen zur deutschen Hauptstadtpolitik gehen zurück auf den A400M", sagte eine Person, die mit den geplanten Rüstungsdeal vertraut ist. Für EADS-Vertreter ist der A400M inzwischen aber auch diesbezüglich ein Hoffnungsträger: Wenn der Militärtransporter erst einmal im Dienst ist, soll er helfen, das angeschlagene Firmenimage wieder aufzupolieren.

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