• The Wall Street Journal

Deutschland braucht 2013 weniger Geld von den Märkten

    Von EMESE BARTHA

Deutschland wird im kommenden Jahr den Kapitalmarkt weniger stark in Anspruch nehmen als 2012. Der Löwenanteil der avisierten Fremdmittel wird zur Rückzahlung von fälligen Schulden verwendet werden und nur ein kleiner Teil zur Deckung des Haushaltsdefizits. Das Bundesfinanzministerium hatte bereits Anfang des Monats verlautbart, dass der Gesamthaushalt der Bundesrepublik 2012 ausgeglichen sein werde, so wie dies im Maastricht-Vertrag der EU festgelegt worden sei. Damit erreicht Deutschland das selbst auferlegte Ziel ein Jahr früher als geplant. Hintergrund sind die sprudelnden Steuereinnahmen und die sinkende Neuverschuldung.

Die Finanzagentur nannte am Donnerstag eine Gesamtsumme von 250 Milliarden Euro, die die Behörde am Kapital- und am Geldmarkt 2013 einsammeln will. 2012 waren es 255 Milliarden Euro und damit 5 Milliarden mehr als zu Beginn des Jahres 2012 angekündigt. Dabei entfallen jeweils 65 Milliarden Euro auf das erste und das zweite Quartal, 63 Milliarden Euro auf das dritte und 57 Milliarden Euro auf das Schlussquartal.

Nicht berücksichtigt in diesen Zahlen sind inflationsindexierte Schuldtitel. Über diese Papiere plant Deutschland 2013 einen Kapitalaufnahme von 8 bis 12 Milliarden Euro nach 9 Milliarden im abgelaufenen Jahr. Bei entsprechenden Marktbedingungen sollen diese Papiere im kommenden Jahr grundsätzlich monatlich ausgegeben werden mit Ausnahme von August und Dezember.

Auf Kapitalmarkttitel entfallen von den 250 Milliarden Euro 173 Milliarden, was im Rahmen der Analystenschätzungen von 172 bis 177 Milliarden Euro liegt. Über Geldmarktpapiere wie Schatzwechsel will die Finanzagentur insgesamt 77 Milliarden Euro erlösen. Nach Angaben der Finanzagentur will die Bundesrepublik Deutschland insgesamt sechs neue Serien von Staatsanleihen auflegen, je drei neue Serien 5-jähriger und 10-jähriger Anleihen.

Im vergangenen November hatte der Deutsche Bundestag die Neuverschuldung 2013 auf 17,1 Milliarde Euro reduziert. Diese Summe lag unter den im August vorläufig veranschlagten 18,8 Milliarden Euro. Allerdings hatte die Bundesbank jüngst ihre Wachstumsprognose drastisch reduziert. Für 2013 rechnet die deutsche Zentralbank nur noch mit einem Wachstum in Deutschland von 0,4 nach zuvor 1,6 Prozent. Zugleich warnte die Bundesbank, Deutschland könne im Winter in die Rezession abgleiten. Vor diesem Hintergrund gelten die deutschen Pläne zur Neuverschuldung als ambitioniert.

Schulden- und Eurokrise hatten die deutschen Renditen 2012 auf Rekordtiefs geschickt. Anleger sehen innerhalb Europas nirgends so sehr wie in deutschen Schuldpapieren einen Hort der Sicherheit, der gerade in unsicheren Zeiten besonders gefragt ist. Bei kürzer laufenden Finanzmarktpapieren stellten sich sogar negative Renditen ein. Anleger waren und sind damit bereit, Gebühren für die sichere Verwahrung ihrer angelegten Gelder zu zahlen.

In jüngster Zeit war allerdings ein kleiner Anstieg der deutschen Renditen zu beobachten. Die Risikobereitschaft an den Rentenmärkten ist wieder etwas gestiegen und höher rentierende Anleihen aus Italien und Spanien sind wieder mehr in der Gunst der Investoren. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Europäische Zentralbank (EZB), die den Markt mit Kapitalspritzen von mehr als einer Billion Euro über langfristige Tender geflutet hatte. Auch die geplanten EZB-Käufe von Staatsanleihen sorgten für ein wachsendes Vertrauen von Anlegern in Anleihen aus den Krisenstaaten.

Kontakt zum Autor: emese.bartha@dowjones.com

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