• The Wall Street Journal

Goldene Zeiten für Schweizer Uhren

    Von JOHN REVILL

ZÜRICH – Die Schweizer Uhrenindustrie erlebt ein Rekordjahr. Noch nie hat das Land mit dem Export edler Zeitmesser so viel Geld umgesetzt wie 2012 – und das trotz einer wirtschaftlichen Verlangsamung in China, einer Rezession im krisengeplagten Europa und Stagnation fast überall anderswo.

Aber das kommende Jahr wird wohl schwieriger. Die Nachfrage aus Groß-China, dem wichtigsten Markt der Branche, bleibt fragil. Zudem sind die Warenlager weiter gut gefüllt, berichten Analysten. Die Uhrenhersteller werden wahrscheinlich auf Touristen aus dem Nahen Osten und Indien setzen, um die schwächere Nachfrage aus Ostasien auszugleichen.

dapd

Noch nie hat die Schweiz mit dem Export edler Uhren so viel Geld umgesetzt wie 2012.

Die Schweizer Uhrenexporte 2012 lagen bis Ende November bei 19,64 Milliarden Franken (etwa 16,3 Milliarden Euro). Das sind 12,6 Prozent mehr als im Jahresvergleich und schon jetzt mehr als der Gesamtwert 2011 von 19,3 Milliarden Franken. Diese Zahlen legte die Schweizer Zollbehörde am Donnerstag vor. Analysten hatten für das Gesamtjahr 2012 ein Wachstum von 5 bis 9 Prozent vorhergesagt.

Allein der November war der stärkste Monat der Geschichte. Die Exporte steigen hier im Jahresvergleich um 4,5 Prozent auf 2,15 Milliarden Franken. Vor allem das Geschäft in den USA und Europa glich die schwache Nachfrage in Asien aus.

Uhren sind nicht das einzige Luxusgut, das in den vergangenen Jahren mit spektakulären Wachstumsraten glänzen konnte. Die globale Oberschicht scheint immun gegen die wirtschaftliche Abkühlung. Das Unternehmen Compagnie Financière Richemont, zu dem exklusive Marken wie Jaeger-LeCoultre und Cartier gehören, meldete im ersten Halbjahr eine Gewinnsteigerung von 53 Prozent.

Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie, erwartet, dass die Exporte in diesem Jahr die Schwelle von 20 Milliarden Franken übersteigen und das Wachstum weitergeht: „Wir sehen eine Wertsteigerung, vor allem am oberen Ende, und eine stabile Entwicklung bei den Volumen, auch wenn es am unteren Ende leicht nachgibt.

Jeder vierte Luxuskauf geht auf das Konto von Chinesen

Analysten sehen die Zahlen als Beleg dafür, dass die Industrie deutlich immuner gegen die Schwankung des China-Geschäfts ist, als bisher vermutet wurde. Touristen aus dem Nahen Osten und Indien stützen die Absätze in Europa; die Exporte in die USA sind in den ersten elf Monaten um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

„Groß-China ist immer noch fragil, aber Europa und die USA schlagen sich ziemlich gut"; sagt Jon Cox, Analyst bei Kepler Capital Markets. Die Exporte in die Volksrepublik China stiegen im November um 1,7 Prozent, nachdem sie im Oktober um 12 Prozent eingebrochen waren. Nach Hongkong dagegen sanken die Ausfuhren um 13, 5 Prozent.

Aber 60 Prozent der gesamten Ausgaben für Luxusartikel durch Chinesen werden im Ausland getätigt, zeigen Zahlen der Beraterfirma Bain. Demzufolge geht jeder vierte Luxuskauf weltweit auf das Konto von Chinesen, mehr als von jeder anderen Nation.

Jon Cox von Kepler sagt, er erwarte keine Erholung in China bis zum Ende des ersten Quartals 2013. Analysten sorgen sich vor allem, dass besonders die Händler in Hongkong ihre Warenlager gut gefüllt haben. Die Sonderverwaltungszone ist der größte Markt für Schweizer Uhren weltweit.

Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank, ist da optimistischer. „Das Schlimmste liegt hinter uns", sagt er. „Schweizer Uhren sind immer noch sehr begehrt. Und am oberen Ende gibt es keine echte Konkurrenz."

Aus der Schweiz kommen Zeitmesser der Marken Cartier, IWC und Vaceron Constantin, die allesamt zu Richemont gehören. Die Swatch Group vertreibt die Marken Omega, Tissot und Longines, dazu kommen unabhängige Marken wie Patek Philippe und Rolex.

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