• The Wall Street Journal

Eike Batista sinkt immer tiefer

    Von JEFF FICK und LUCIANA MAGALHAES

RIO DE JANEIRO – Der brasilianische Geschäftsmann Eike Batista will Aktien seiner in Schwierigkeiten geratenen Werft zu verkaufen, um frisches Kapital einzutreiben. Gleichzeitig enttäuschte sein Öl-Unternehmen OGX, eigentlich das Prunkstück seines Firmenimperiums, ein weiteres Mal die Erwartungen der Anleger.

Batista kündigte an, er werde 50 Millionen Aktien der Werft OSX Brasil verkaufen und die Erlöse komplett der Firma zukommen lassen. Diese hat zu kämpfen, seit das Schwesterunternehmen OGX Petróleo e Gás Participações eine Reihe von Aufträgen für Öl-Plattformen zurückziehen musste. Batista hat zugesagt, bis März 2014 insgesamt 330 Millionen Dollar in OSX zu investieren.

Reuters

Eike Batista und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff bei einer OGX-Veranstaltung im vergangenen Jahr.

OGX ist der wichtigste Pfeiler von Batistas Firmenimperium, der EBX Group. OGX steckt jedoch in einer schweren Vertrauenskrise, weil es seine Ziele für die Ölproduktion verfehlt hat. Batista, einst der reichste Mann Brasiliens, war gezwungen, Anteile an Firmen zu verkaufen, um die Liquidität der verbleibenden Teile seines Imperiums zu sichern.

Erschwert wird die Situation bei OSX dadurch, dass sich die Werft verpflichtet hat, dem spanischen Infrastrukturunternehmen Acciona 300 Millionen brasilianische Real, knapp 95 Millionen Euro, als Kompensation für den Abbrauch eines Werftenbaus im Staat Rio de Janeiro zu zahlen. OSX hatte Acciona mit dem Bau der Werft beauftragt, diesen Auftrag jedoch zurückgezogen, als OGX im Mai seine Produktionspläne offenlegte.

Kurse der Batista-Firmen brechen ein

Zum Vertragsvolumen wollten sich weder Acciona noch OSX äußern. Eine Person, die mit der Situation vertraut ist, bezifferte den Wert aber mit etwa einer Milliarde US-Dollar. Ein weiterer Vertrag zwischen Acciona und OXS sowie deren Schwesterfirma LLX Logistica sei nicht betroffen, sagte eine Acciona-Sprecherin. Dieser dreht sich um einen Damm, den die Spanier im Hafen von Açu bauen – ein Projekt mit einem Volumen von 535 Millionen Dollar.

Batista hatte jüngst angekündigt, dass er die Kontrolle über LLX an den amerikanischen Finanzinvestor EIG Global Energy Partners abgeben werde, der im Gegenzug 560 Millionen Dollar in das Unternehmen investieren werd.

Der Aktienkurs von OSX brach am Dienstag an der brasilianischen Börse um 21 Prozent auf 0,99 Real ein. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als 90 Prozent seines Werts verloren.

Kaum besser erging es am Dienstag den Aktien des Batista-Ölkonzerns OGX: Diese stürzten um 15 Prozent auf 0,69 Real. Grund waren zwei weiterer Rückschläge: Malaysias staatliches Öl-Unternehmen Petroliam Nasional, besser bekannt als Petronas, erklärte, dass es keinen Anteil an den Ölfeldern von OGX kaufen werde, wenn das Unternehmen seine Finanzen nicht in den Griff bekomme. Petronas hatte ursprünglich eingewilligt, 850 Millionen Dollar für einen 40-Prozent-Anteil an dem Ölfeld Tubarão Martelo zu zahlen, das Ende dieses Jahres die Produktion aufnehmen soll.

Im Gespräch mit Journalisten erklärte Petronas-Vorstandschef Shamsul Azhar Abbas jetzt aber, dass OGX erst seine Umschuldung vollenden müsse. Das Unternehmen hat insgesamt Anleihen im Wert von rund 3,6 Milliarden Dollar ausstehen. Diese werden derzeit zu Kursen von lediglich rund 16 Prozent des Nennwerts gehandelt, weil Anleger jeglichen Glauben verloren haben, ihr Geld jemals wieder zu sehen. OGX hat die Blackstone Group beauftragt, ihre Kapitalstruktur zu analysieren.

Angespannte Finanzlage

Das Tubarão-Martelo-Feld und das Geld von Petronas werden zunehmend als Schlüssel für das Überleben von OGX gesehen. „Die Einnahmen aus dem Verkauf sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Haupt-Finanzierungsquelle für OGX", schrieb Marcus Sequeira, Analyst bei der Deutschen Bank, in einer Studie. „Ohne die Einnahmen… dürfte OGX im dritten Quartal 2013 das Geld ausgehen."

Einen weiteren Schlag versetzte OGX seinen Anlegern am Dienstag mit der Mitteilung, dass man neun Konzessionen für die Suche nach Öl und Erdgas in Brasilien zurückgegeben habe, die das Unternehmen bei einer Regierungsauktion im Mai erstanden hatte. Auf diese Weise sollen 284 Millionen Real gespart werden. Im Gegenzug muss OGX 3,4 Millionen Real Strafe zahlen.

Die Entscheidung sei allerdings „keine große Überraschung, wenn man die angespannte Finanzlage und den Druck auf das Unternehmen betrachtet, dessen Geld immer knapper wird", sagte Ruaraidh Montgomery, Branchenanalyst des Beratungsunternehmens Wood Mackenzie.

Schon bei der Auktion hatten sich Analysten über das aggressive Vorgehen von OGX gewundert. Damals war die Finanzlage bereits wegen Produktionsproblemen auf dem einzigen Ölfeld des Unternehmens, Tuabarão Azul, kritisch. Mittlerweile hat OGX angekündigt, Tubarão Azul im kommenden Jahr zu schließen, da die Produktion nicht die Erwartungen erfülle.

Unterstützung von Staatsbank

OGX wird Anteile an vier Gemeinschaftslizenzen behalten, die man gemeinsam mit dem US-Konzern Exxon Mobil, der französischen Total und dem lokalen Unternehmen Queiroz Galvão Exploração e Produção erstanden hat. Dafür werden etwa 86 Millionen Dollar fällig.

Etwas Unterstützung erhielt Eike Batista am Dienstag vom Präsidenten der staatlichen brasilianischen Bank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung, kurz Bndes. Dieser verteidigte die Investitionen der Bank in Batistas EBX Group und erklärte, die Firma verfüge über genügend Sicherheiten, um ihre Kredite zurückzuzahlen.

Bndes habe Unternehmen der Gruppe etwa sechs Milliarden Real ausgezahlt. Insgesamt seien Darlehensanträge über 10 Milliarden Real bewilligt worden, erklärte Luciano Coutinho zu Journalisten, nachdem einer Anhörung vor einem Ausschuss des brasilianischen Senats.

„Bndes hat bisher keine Verluste erlitten und wir gehen davon aus, dass die Umschuldung der [EBX] Gruppe die Probleme lösen wird", sagt Coutinho.

—Mitarbeit: Paul Trevisani

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