• The Wall Street Journal

Deutschland und Frankreich steuern auf EADS-Kompromiss zu

    Von ANDREAS KISSLER

Deutschland und Frankreich steuern auf einen Kompromiss beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zu. Spätestens in der nächsten Woche wollen sich die beiden Länder über die künftige Eigentümerstruktur einigen, heißt es in Verhandlungskreisen. Dabei sind offenbar mehrere Varianten im Spiel, die einen niedrigeren, aber gleich hohen Anteil beider Länder vorsehen. Eine Vereinbarung könnte schon in den nächsten Tagen erreicht werden, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen dem Wall Street Journal Deutschland.

Dem Vernehmen nach werden in laufenden Gesprächen zwischen Berlin und Paris noch mehrere Varianten diskutiert. Eine der beteiligten Personen sagte, als wichtigste Möglichkeit werde eine neue Aktionärsstruktur mit jeweils rund 12 Prozent der Anteile für Deutschland und Frankreich und weiteren 5 Prozent für Spanien diskutiert.

dapd

EADS: Das Geschacher um die künftige Anteilsstruktur könnte bald zu Ende sein.

Der derzeitige Aktionärspakt garantiert den beteiligten Staaten zusammen noch eine knappe Mehrheit der Anteile an EADS. Die französische Regierung war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Der französische Staatspräsident Francois Hollande hatte am letzten Freitag angekündigt, eine Neuaufstellung des EADS-Aktionärsbündnisses werde „in den kommenden Wochen" geschehen. Auch in Berlin war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Bei den Gesprächen kann es laut Verhandlungskreisen jetzt recht schnell gehen. Die Vereinbarung werde "innerhalb relativ kurzer Zeit über die Bühne gehen", sagte eine andere mit den Verhandlungen vertraute Person. Die Einigung werde "in jedem Fall die Parität wahren", betonte die Person.

Eine der Varianten sieht demnach vor, dass Deutschland dem französischen Staat direkt Anteile abkauft. Dabei würde die staatseigene Förderbank KfW im Auftrag Deutschlands von Frankreich etwa 3 Prozent der EADS-Anteile abkaufen. Berlin würde zudem die bei einem Bankenkonsortium geparkten 7,5 Prozent an EADS übernehmen und bräuchte dann nur noch etwa 1,5 Prozent Aktien von Daimler zu erwerben, um die geplanten 12 Prozent Gesamtanteile zu erreichen, sagte die Person.

Eurokrise könnte Umdenken in Paris bewirkt haben

Daimler hält aktuell 15 Prozent an EADS und möchte diesen Anteil um die Hälfte reduzieren. Eine Sprecherin von Daimler wollte den Stand der Gespräche nicht kommentieren.

Dass Paris möglicherweise jetzt bereit ist, einen Teil seiner EADS-Anteile zu verkaufen könnte eine Folge der Eurokrise und des Sparzwangs sein, der auf Frankreich drückt. Insidern zufolge hatte die Regierung in Paris offenbar erwoge, ihren Anteil sogar noch aufzustocken. Sollte Paris im Zuge der Euro-Schuldenkrise seinen Anteil weiter abbauen wollen, werde Deutschland dabei gern mitmachen, hieß es aus Berliner Kreisen. Deutsche Wirtschaftspolitiker haben sich jüngst kritisch über die Staatsbeteiligung geäußert.

Die Einigung auf einen geringeren Staatsanteil bei EADS könnte dann die Basis für erneute Fusionsgespräche zwischen dem Konzern und dem britischen Rüstungskonzern BAe sein. Das von EADS-Chef Tom Enders betriebene Fusionsvorhaben war jüngst gescheitert, was die Konzerne vor allem auf deutsche Einwände zurückgeführt hatten. Hauptstreitpunkt waren offenbar Bedenken über den hohen staatlichen Einfluss gewesen.

„Wenn EADS und BAe Systems eine Fusion weiterhin für sinnvoll halten, spricht nichts gegen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen", sagte David Reeths vom Beratungsunternehmen IHS Jane`s. Die fundamentalen Daten hätten sich in der Zwischenzeit nicht verändert. BAe nahestehende Personen hatten allerdings direkt nach der gescheiterten Fusion erklärt, für ein Wiederaufleben der Gespräche müssten sich die Voraussetzungen grundlegend verändern.

Mitarbeit: Kirsten Bienk und Dan Michaels

Kontakt zum Autor: andreas.kissler@dowjones.com

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