• The Wall Street Journal

Wie Israels Abwehrsystem dem Beschuss aus den eigenen Reihen trotzte

    Von CHARLES LEVINSON und ADAM ENTOUS
Reuters

Der Bau dauerte Jahre, das Abfeuern geht im Minutentakt: Israelische Soldaten beobachten, wie eine Iron-Dome-Batterie in der Nähe von Aschdod eine Abfangrakete abfeuert. Sie soll die Raketen der Hamas aus der Luft holen.

TEL AVIV - In den vergangenen zwei Wochen hat Iron Dome - die "Eiserne Kuppel" - ganze Arbeit geleistet. Das israelische Raketenabwehrsystem holte erfolgreich die Flugkörper vom Himmel, die die Palästinenserorganisation Hamas auf Israel abgefeuert hatte. Viele der Raketen explodierten in dramatischem Feuerschein am Nachthimmel - ohne Schaden anzurichten. In nur sieben Tagen war der jüngste Ausbruch der Gewalt zwischen Israel und der Hamas beendet. Der Kampf um den Bau von Iron Dome hat allerdings Jahre gedauert. Und er brachte ganz eigene Eruptionen mit sich.

Bevor am vergangenen Mittwoch der Waffenstillstand in Kraft trat, hatte das neue Bollwerk 421 Raketen unschädlich gemacht, die vom Gaza-Streifen aus auf israelische Städte gelenkt worden waren. Über eine Erfolgsquote von 84 Prozent berichtet das israelische Militär. Mit Hilfe des Schutzschirms konnte die Zahl der israelischen Todesopfer auf sechs Menschen begrenzt werden, die während des sieben Tage andauernden Beschusses ums Leben kamen. Der politische Druck auf die israelischen Entscheidungsträger, in den Gaza-Streifen einzumarschieren, fiel auch aufgrund des Erfolgs von Iron Dome beträchtlich geringer aus.

"Wenn wir Iron Dome nicht gehabt hätten, wäre es ganz sicher zu einem aggressiveren Vorgehen in Gaza gekommen, aus der Luft und am Boden", sagt ein israelischer General und Mitglied des Vereinigten Generalstabs Israels.

Für die Hauptfeinde Israels – der Iran, die Hisbollah und die Hamas - könnten sich ihre bevorzugten Angriffswaffen, nämlich Raketen und Lenkflugkörper, bald als nahezu überholt erweisen. Und damit könnten sich die strategischen Kalkulationen sowohl für Israel als auch für seine Gegner ändern.

Auch wenn das amerikanische Verteidigungsministerium anfänglich skeptisch war, hat US-Präsident Barack Obama seit 2010 rund 275 Millionen Dollar für das Abwehrprojekt locker gemacht. Die Bedrohung durch Raketen soll durch die „Eiserne Kuppel" gemindert werden und damit eine Annäherung zwischen Israel und den Palästinensern ermöglichen. Israel soll sich so sicher fühlen, dass es vielleicht sogar bereit wäre, über Gebietskonzessionen zu verhandeln und sich einem Friedensabkommen zu nähern.

Zwei Israelis setzen sich durch

Jahrelang hatten Experten des Pentagon behauptet, Iron Dome sei zum Scheitern verurteilt. Sie wollten Israel stattdessen dazu überreden, einen weniger kostspieligen US-Verteidigungsansatz zu verfolgen. Und auch in Israel selbst hagelte es Kritik an dem Vorhaben. Doch ein israelischer Mathematiker, zugleich General, und ein Verteidigungsminister, der früher als Gewerkschafter vor allem Arbeitskämpfe organisiert hatte, überwanden die Widerstände einiger der einflussreichsten Vertreter des israelischen Militärs. Die zwei Männer setzten sich durch.

Im Jahr 2004 wurde der damalige Brigadegeneral Daniel Gold zum Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung im israelischen Verteidigungsministerium ernannt. Damit fiel ihm die Aufgabe zu, die Entwicklung neuer Waffensysteme zu beaufsichtigen. Gold, der einen Doktortitel in Mathematik hält, habe sich der Raketenabwehr mit Feuereifer gewidmet, berichten an dem Projekt Beteiligte.

Im August 2004 informierte er verschiedene Rüstungsunternehmen, dass Israel ein Anti-Raketensystem benötige. In Verteidigungskreisen blieb sein Vorstoß weitgehend unbemerkt.

Hisbollah feuert als erstes Kurzstreckenraketen auf Israel ab

Die gegen Israel gerichtete libanesische Organisation Hisbollah war die erste, die Mitte der neunziger Jahre Kurzstreckenraketen einsetzte. Die Hamas feuerte erstmals Anfang 2001 eine Rakete aus den palästinensischen Gebieten auf Israel ab. Die schwerfälligen Geschosse trafen zwar selten ihre beabsichtigten Ziele. Doch mit den Jahren regneten tausende Projektile auf Israel herab - rund 4.000 waren es bis 2008.

Fast keiner der israelischen Militärs von Rang und Namen glaubte daran, dass eine Raketenabwehr funktionieren könnte. Palästinensische Geschosse aus Gaza schlagen meist eine unberechenbare Flugbahn ein und sie können israelische Gemeinden binnen weniger Sekunden treffen. Die meisten sind nur wenige Meter lang und einige Zentimeter breit.

März 2005: Die Planung beginnt

General Gold feilte unterdessen mit seinem Team unbeirrt an den Plänen weiter. Im unterirdischen Labyrinth des Verteidigungsministeriums mitten in Tel Aviv prüften sie ihre Optionen. Sie zogen Laser und gigantische Gewehre in Betracht. Im März 2005 einigten sie sich schließlich auf ein Konzept für die Raketenabwehr, aus dem Iron Dome hervorging. Drei israelische Rüstungsunternehmen steuerten dazu ihre Technologie-Ideen bei.

Gold rief bei Rafael Advanced Defense Systems an und trug dem israelischen Waffenhersteller die Leitung des Vorhabens an. Diesen Schritt kritisierte im Jahr 2008 der unabhängige Rechnungshof Israels, der die Regierungsausgaben überprüft. Gold habe damit die erforderlichen Genehmigungen durch den Generalstab des Militärs, den Verteidigungsminister und die israelische Regierung umgangen.

Gold wurde zwar nicht formell des Fehlverhaltens angeklagt, aber der Bericht des Rechnungshofs setzte eine jahrelange hitzige politische Debatte über das Projekt und seine Unterstützer in Gang. Fast wäre die Idee des Iron Dome frühzeitig an diesen erbitterten Streitigkeiten gescheitert.

Der Rechnungshof habe in seinem Bericht einige Tatsachen falsch dargestellt, verteidigt sich Gold in einem Interview, ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen. Vorwürfe, er habe die Regeln missachtet, weist er rundweg zurück. Er habe nur die bürokratischen Wege abgekürzt, sagte Gold. „Ich habe nur all die unnötige Bürokratie umgangen", sagte der General. „Ich habe nur die allernotwendigste Bürokratie belassen, die für den Erfolg nötig war."

Nach Golds eigener Aussage und dem Bericht des Rechnungshofs zufolge habe er Ilan Biran, dem Vorsitzenden von Rafael, damals das Problem dargelegt, dass niemand in der Regierung zugestimmt habe, für das Projekt zu zahlen. Auch Biran bestätigt dies.

Er habe Biran fünf bis sechs Millionen Dollar aus seinem Forschungsetat in Aussicht gestellt, um das Vorhaben auf den Weg zu bringen, wenn Rafael den gleichen Betrag investiere, sagt Gold im Interview. Biran erzählte, er habe eingewilligt. Er habe das Risiko eingehen wollen, nachdem ihm seine Ingenieure die Machbarkeit der Aufgabe versichert hätten.

Schwierige Bedingungen für die Entwicklung von Iron Dome

Einfach war sie allerdings nicht. Gefordert war ein System, das den gesamten Gazastreifen permanent absuchen und eine Rakete im Augenblick ihres Abschusses aufspüren kann, egal wie groß oder klein sie auch ist. Gleichzeitig muss das wahrscheinliche Einschlagsgebiet genau berechnet werden. Und schließlich muss die Rakete, falls sie Ziel auf eine Stadt nimmt, mit einem Flugkörper vom Himmel geschossen werden. All dies muss innerhalb von rund 15 Sekunden über die Bühne gehen.

Gold machte zudem die Vorgabe, dass die Abfangraketen nur rund ein Zehntel dessen kosten dürften, was für Luft-Luft-Raketen sonst im Schnitt zu berappen ist. Ansonsten, so Gold, wären die Raketen werfenden Feinde Israels in der Lage, den Staat in den Ruin zu treiben. Außerdem räumte er den Entwicklern keine zehn Jahre oder mehr ein, wie sie sonst bei der Entwicklung neuer Waffensysteme üblich sind. Die Eiserne Kuppel müsste vielmehr in der Hälfte der Zeit zur Verfügung stehen.

August 2006: Gold informiert den Verteidigungsminister über Abwehrsystem

Im Sommer 2006 brach in Israel der Krieg mit der libanesischen Hisbollah aus. Über 33 Tage hinweg beschoss die Hisbollah Nordisrael mit mehr als 4.200 Raketen, 44 Israelis starben. Und plötzlich machte die Regierung das Abfangen von Raketen zur ihrer Priorität.

Im August 2006 informierte General Gold zusammen mit seiner Mannschaft den damaligen israelischen Verteidigungsminister Amir Peretz über das Projekt Iron Dome. Peretz hatte sich während seiner Karriere vor allem als Gewerkschafter profiliert. Als Zivilist mit geringer militärischer Erfahrung galt er nicht gerade als der Prototyp eines israelischen Verteidigungsministers. Er stammt aus Sderot, einer Stadt im Süden Israels in Grenznähe zum Gaza-Streifen, die immer wieder palästinensischem Raketenfeuer ausgesetzt ist.

Blutiger Konflikt um Gaza

Peretz füllte das Amt des Verteidigungsminister nicht lange aus. Seine Amtszeit währte von Mai 2006 bis Juni 2007. Dann musste er wegen seiner Strategie im Libanon-Krieg zurücktreten. Das wohl bekannteste Bild von Peretz stammt aus jenen Kriegstagen. Zu sehen ist der Verteidigungsminister, wie er durch ein Fernglas ein Schlachtfeld absucht. Leider hat er dabei vergessen, die Objektivdeckel von den Gläsern zu entfernen. Nach seinem Rücktritt schien da Ende seiner politischen Karriere besiegelt.

In den Wochen nach dem Libanon-Krieg wurde der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert zum ersten Mal von der Eisernen Kuppel in Kenntnis gesetzt. Fast alle Militärberater im Raum machten das Vorhaben herunter, erinnert sich Peretz. Ihm zufolge wollte Olmert keine Regierungsmittel für das Projekt frei geben. Olmert reagierte nicht auf Kommentaranfragen, lobte allerdings in einem Interview mit der israelischen Zeitung "Yediot Ahranot" die Hartnäckigkeit, mit der Peretz sich für das Abfangsystem eingesetzt habe.

Gewagter Schritt von General Gold – Verstoß gegen Vorschriften

Einer setzte sich über diese Kritik hinweg: Statt das Programm zurückzufahren, legte General Gold noch einmal nach. Im November 2006 „wies er Rafael an, in großem Stil mit der Entwicklung des Projekts Iron Dome zu beginnen, während Rafael dazu keinen Auftrag hatte", ist im Bericht des israelischen Rechnungshofs zu lesen. „Zu dieser Anweisung war er nicht befugt", heißt es dort weiter.

„Ich kann nicht sagen, dass der Bericht falsch ist", sagt Yossi Drucker, der bei Rafael das Team leitete, das die Entwicklung des Systems beaufsichtigte. „Aber wenn Du etwas in sehr kurzer Zeit erreichen willst, dann musst Du manchmal die Bürokratie umgehen."

Der gewagte Schritt zahlte sich aus. Anfang 2007 stellte sich Peretz mit der ganzen Machtfülle, die ihm sein Ministeramt verlieh, hinter den Plan. Um das Projekt am Leben zu erhalten, teilte er ihm weitere zehn Millionen Dollar aus dem Etat des Verteidigungsministeriums zu. Der Rechnungshof bescheinigte auch ihm später, gegen Vorschriften verstoßen zu haben, indem er die Mittel gewährt habe, ohne dass eine Genehmigung des Projekts durch das Militär oder die Regierung vorlag.

Israel bittet USA um hunderte Millionen Dollar

Doch wenn die Regierung hoffen wollte, eines Tages über genug Iron-Dome-Batterien zu verfügen, um die Bevölkerung wirksam gegen den Raketenbeschuss schützen zu können, würde sie mehr Geld brauchen. Der israelische Verteidigungsminister wendete sich also an die US-Regierung unter Präsident George W. Bush und bat um mehrere hundert Millionen Dollar für das System. Im Pentagon sei sein Ansinnen frostig aufgenommen worden, berichten amtierende und ehemalige Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums.

The Israeli Iron Dome missile defense system intercepts an incoming rocket on November 14, 2012. Courtesy Associated Press.

Mary Beth Long, die als stellvertretende Abteilungsleiterin im US-Verteidigungsministerium mit dem Überprüfungsprozess des Projekts betraut war, schickte ein Team von amerikanischen Militäringenieuren nach Israel. Die Experten sollten sich dort mit den Entwicklern treffen. Nach dem Besuch äußerte sich das Team bei einem Treffen in ihrem Büro skeptisch über die Technologie, die zum Einsatz kommen sollte, erzählt Long in einem Interview. Die ersten Tests hätten miserable Ergebnisse erbracht, führten sie an. Entwickler Drucker von der Firma Rafael erinnert sich an noch kritischere Töne der US-Ingenieure. "Das geht überhaupt nicht", hätten ihnen die US-Spezialisten beschieden.

Einige US-Militärvertreter argumentierten, Israel solle stattdessen die Nutzung einer Version des amerikanischen Vulcan-Phalanx-Systems in Erwägung ziehen, das die US-Armee in Irak aufstellte. Damit sollten herannahende Raketen unschädlich gemacht werden, berichten amtierende und ehemalige Beamte aus dem US-Verteidigungsministerium. General Gold und sein Team hatten sich allerdings mit dem Phalanx-System bereits beschäftigt und seinen Einsatz verworfen.

Bis Ende 2007 hatten sich Olmert und Ehud Barak, der Nachfolger von Peretz im Amt des Verteidigungsministers, schließlich vom Projekt Iron Dome überzeugen lassen. Im Dezember verabreichte die Regierung dem Vorhaben die erste große Liquiditätsspritze über rund 200 Millionen Dollar.

Rüstungsfirmen wittern nun großes Geschäft

Als klar wurde, dass Israel Abermillionen für den Raketenschirm ausgeben würde, kam Leben in die Firmen der Rüstungsindustrie. Die Konkurrenten von Rafael bedrängten die Verantwortlichen, sie sollten sich ihre Vorschläge noch einmal ansehen.

Der israelische Rechnungshof trat auf den Plan und untersuchte das Projekt. General Gold wurde in dem nachfolgenden Bericht herausgegriffen und beschuldigt, ein milliardenschweres Rüstungsvorhaben ohne die erforderlichen Genehmigungen in Angriff genommen zu haben. „Brigadegeneral Gold entschied sich für die Entwicklung von Iron Dome, legte die Fristen fest und wies die verschiedenen Entwicklungsphasen an, bevor die zuständigen Behörden das Projekt gebilligt hatten", heißt es in dem Report.

Doch das Vorhaben machte jetzt blitzschnelle Fortschritte. Ein Team von Top-Ingenieuren, die aus Rüstungsfirmen von ganz Israel stammten, arbeitete rund um die Uhr. Rentner wurden aus dem Ruhestand zurückgeholt. Im Wettbewerb um den Entwurf des Sprengkopfs der Abfangrakete standen sich eine 25-jährige, frisch gebackene Universitätsabsolventin und ein langjähriger Branchenveteran mit dreißig Jahren Berufserfahrung bei Rafael gegenüber.

Und im Jahr 2009 gelang es einem Prototyp des Iron Dome beim ersten Feldversuch, eine heranfliegende Rakete erfolgreich außer Gefecht zu setzen.

Obama treibt Projekt voran – Widerstand der US-Militärs löst sich auf

Das System erhielt einen weiteren beträchtlichen Schub, nachdem US-Präsident Obama 2009 sein Amt angetreten hatte. Obama hatte als Präsidentschaftskandidat die vom Dauerbeschuss geplagte Stadt Sderot besucht. Seinen Beratern hatte er daraufhin gesagt, es müsse ein Weg gefunden werden, wie sich Israel besser gegen diese handgefertigten Geschosse schützen könne. Im Pentagon war man allerdings immer noch skeptisch, dass Iron Dome zum Ziel führen werde.

Nach seinem Amtsantritt bestimmte Obama Colin Kahl zum Leiter des Pentagon-Büros für die US-Militärpolitik im Nahen Osten. Kahl fand die Anfrage zu Iron Dome auf seinem Schreibtisch, schaute sich die Vorschläge genauer an - und hatte ein Aha-Erlebnis. "Zack, zack, zack, das ergab alles Sinn", beschrieb er seinen Erkenntnisprozess später.

Während des Jahres 2009 hatte der Friedensprozess Priorität in der Außenpolitik Obamas. Die US-Regierung forderte allerdings einen israelischen Siedungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten. Es kam zu ernsten Spannungen zwischen der amerikanischen Seite und dem rechtsgerichteten israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Hochrangige US-Regierungsberater sahen in der Unterstützung des Iron Dome eine Chance, die politischen Reibereien auszugleichen und die Beziehungen zwischen den USA und Israel in Sicherheitsfragen zu verbessern.

Im September 2009 schickte das Pentagon eine Mannschaft von Raketenabwehrspezialisten nach Israel. Sie sollten auf Betreiben einer Arbeitsgruppe im Weißen Haus unter der Führung von Dan Shapiro, des damaligen leitenden Beamten des Nationalen Sicherheitsrats und heutigen US-Botschafters in Israel, das Projekt Eiserne Kuppel noch einmal prüfen.

Bei einigen Pentagon-Mitarbeitern kam diese Entscheidung nicht gut an. Die „Eiserne Kuppel" wurde schließlich immer noch als Konkurrenz zum Phalanx-System erachtet. Und frühere Prüfungsteams hatten das Abfangsystem als weniger leistungsfähig eingestuft.

Besser als das US-Raketenabwehrsystem

Das Spezialisten-Team kam in seinem Abschlussbericht, der dem Weißen Haus im Oktober vorgelegt wurde, allerdings zu dem Schluss, Iron Dome sei ein Erfolg und in vielerlei Hinsicht dem Phalanx-System überlegen. In Tests habe man jetzt eine Trefferquote von 80 Prozent. Sie liege nicht mehr im unteren Zehnprozentbereich, wie in früheren US-Bewertungen aufgeführt. „Die kamen herein und sagten im Grunde: 'Das sieht weit viel versprechender aus als unser System'", erinnert sich Dennis Ross, der damals zu den führenden Nahostberatern Obamas gehörte.

Über den Sommer hatte das Büro von Kahl ein Strategiepapier entworfen, in dem empfohlen wurde, dass die US-Regierung der Bitte Israels um Gelder zur Finanzierung des Systems über rund 200 Millionen Dollar nachkommen sollte.

In die Überlegungen zu den Investitionen in die Eiserne Kuppel sei auch die Bedrohung durch Iran eingeflossen, berichtet Ross. Indem die US-Regierung zeigte, wie ernst sie das Sicherheitsbedürfnis Israels nimmt, habe man gehofft, dass Israel "uns Zeit und Raum einräumt, um auszuloten, ob es einen diplomatischen Ausweg aus der Iran-Frage gäbe", sagt Ross.

Im März 2011 geht Iron Dome in Betrieb

Das System ging im März 2011 in Betrieb. Am 7. April holte es seine erste palästinensische Rakete vom Himmel. Innerhalb von drei Tagen schoss es acht weitere ab. Doch das neue Abwehrsystem drang erst so richtig ins Bewusstsein der israelischen Bevölkerung, nachdem die jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Hamas aufgeflammt waren.

Anfang der Woche besuchte Peretz eine Bar-Mitzwa-Feier. Als der einstige politisch Ausgestoßene die Empfangshalle betrat, erhoben sich die 200 Gäste spontan und klatschten ihm stehend Beifall, berichten seine Mitarbeiter. General Gold befindet sich mittlerweile im Ruhestand. Als er am vierten Tag des Kriegs in der Innenstadt von Tel Aviv in einem Kaffee saß, traten zwei Frauen an seinen Tisch. Sie wollten sich unbedingt zusammen mit ihm auf einem Foto verewigen.

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