• The Wall Street Journal

Finanzminister beschwören Optimismus bei Griechen-Hilfe

    Von MATINA STEVIS und CHRISTIAN GRIMM
dapd

Die Uhr tickt: Griechenland ist dringend auf die nächste Milliardentranche des griechischen Rettungspakets angewiesen.

BRÜSSEL - Vor Beginn ihres dritten Treffens zur Griechenland-Hilfe binnen drei Wochen haben die Finanzminister der Eurozone ihren Willen zur Einigung beschworen. Auf ihrem Weg in den Sitzungssaal waren die Mitglieder der Eurogruppe allesamt optimistisch, die Probleme vom Tisch zu räumen und die nächste Kreditrate für das Sorgenkind freizugeben. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, er und seine Kollegen seien alle gut vorbereitet. "Wir haben gut gearbeitet. Wir sind bereit, zu einer Lösung zu kommen und ich glaube, dass das auch gelingt."

Für Schäubles griechischen Amtskollegen Yiannis Stournaras ist es essentiell, nicht wieder mit leeren Händen nach Hause fahren. Er erinnerte eindringlich daran, welche Opfer sein Land gebracht hat: "Griechenland hat seinen Beitrag vollständig geliefert, jetzt erwarten wir von unseren Partnern, dass sie liefern." Aber auch er war sich sicher, dass bei den Verhandlungen endlich der Knoten durchschlagen werden kann.

Griechenland braucht nächste Tranche dringend

Das Kabinett in Athen wartet dringend auf die Auszahlung der aufgelaufenen Kreditraten aus dem Rettungsprogramm. Insgesamt könnten so in den nächsten Wochen 44 Milliarden Euro auf die Konten des klammen Euromitglieds fließen.

Strittig war noch bis zum Schluss, wie sichergestellt werden kann, dass Griechenland langfristig von seinem Schuldenberg wieder herunterkommt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sorgt sich, dass die Schuldenlast bis 2020 nicht wie ursprünglich vereinbart auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken wird. Das ist aber eine Bedingung dafür, dass der IWF weiter Geld nach Athen überweist. Ihm ist es verboten, Kredite an Länder zu vergeben, die langfristig nicht wieder auf die eigenen Beine kommen.

Im nächsten Jahr wird der Schuldenberg des Euro-Sorgenkindes auf 190 Prozent der Wirtschaftsleistung anwachsen. "Wir werden versuchen, an einer glaubhaften Lösung für Griechenland zu arbeiten", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei ihrer Ankunft in Brüssel. Sie war die einzige, die sich reservierter gab, was ein Abkommen angeht.

Die Financial Times Deutschland hatte am Morgen berichtet, dass die Euroländer aus einem Hilfsmenü auswählen sollen, wie die Belastung für Griechenland erleichtert werden kann. Nach Informationen von Diplomaten sollen die Mitglieder der Eurozone die zu Hause am leichtesten durchsetzbaren Mittel wählen dürfen. Deutschland will zum Beispiel seine Garantien für den Rettungsfonds EFSF um 10 Milliarden Euro erhöhen. Im Angebot befinden sich auch Zinssenkungen und mehr Zeit für die Rückzahlung der Kredite. Einen Schuldenerlass, der die Bürde am stärksten mildern würde, lehnen die Eurostaaten ab, weil dieser erstmals zu realen Verlusten für die Steuerzahler führen würde. Das hatte der IWF gefordert, konnte sich aber damit nicht durchsetzen.

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