• The Wall Street Journal

US-Kunden reißen sich um Wii U von Nintendo

    Von IAN SHERR

SAN FRANCISCO – In der ersten Woche nach dem Verkaufsstart ist die neue Spielekonsole von Nintendo kaum noch zu bekommen. Die Wii U ist in den USA in den meisten Geschäften ausverkauft. Das Unternehmen erklärte am Montag, man habe seit dem 18. November laut internen Erhebungen mehr als 400.000 Geräte abgesetzt.

Reggie Fils-Aime ist verantwortlich für die Geschäfte von Nintendo in Amerika. Er sagt, sein Unternehmen würde weitere Spielekonsolen an die Einzelhändler versenden, doch die Nachfrage sei einfach zu groß. „Sobald die Wii U in die Regale kommt, ist sie schon wieder ausverkauft." Nintendo erklärt, die Verkaufszahlen seien mit denen von vor sechs Jahren vergleichbar, als die erste Wii vorgestellt wurde.

dapd

Nintendo-Mitarbeiter demonstrieren Nintendos neue Spielekonsole Wii U in New York.

Nintendo profitierte dabei auch vom „Black Friday" in der vergangenen Woche, dem traditionellen Auftakt des Weihnachtsgeschäfts, bei dem die Kunden aufgrund von hohen Rabatten die Läden stürmen. In Europa kommt die Wii U am 30. November in den Handel.

Analysten und Branchenkenner hatten sich zuvor verhalten geäußert. Sie waren sich nicht sicher, ob eine neue Spielkonsole, deren Hauptmerkmal ein Controller mit integriertem Touchscreen-Tablet ist, auf so fruchtbaren Boden fällt, wie es die erste Wii getan hatte.

Laut Daten der Marktforscher von der NPD Group hat die Branche in den USA seit fast einem Jahr mit fallenden Verkaufszahlen sowohl bei Spieltiteln aber auch bei Konsolen zu kämpfen. Der Mangel an überzeugender neuer Hardware, das Fehlen neuer Spiele und die wirtschaftliche Unsicherheit lassen die Konsumenten zögern. Hinzu kommt, dass immer mehr Smartphone- und Tablet-Besitzer ihre Geräte zum Spielen verwenden und nicht mehr zusätzlich in eine Konsole investieren.

Nintendo will dem Traum entgegenwirken

Nintendo ist der erste große Spieleproduzent, der in dieser Umgebung eine neue Konsole auf den Markt bringt. Damit will das Unternehmen dem eigenen Trend entgegenwirken. Denn auch die Verkaufszahlen der Wii sind in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Weltweit wurden über 100 Millionen Geräte verkauft, teilte Nintendo mit. Auf eine Konsole kamen im Schnitt acht abgesetzte Spiele.

Doch die Konkurrenz ist nicht weit entfernt. Sony und Microsoft verfügen mittlerweile ebenfalls über bewegungsgesteuerte Kontrollgeräte, was lange das Verkaufsargument von Nintendo und seiner Wii war. Beide Unternehmen werden vermutlich schon im kommenden Jahr neue Generationen ihrer Konsolen vorstellen – das wird jedenfalls angenommen.

Nintendo erklärte, man sei mit den Verkaufszahlen der Wii U bislang sehr zufrieden, und auch die Nachfrage nach den etwa 30 Spielen, die bislang für die neue Konsole erhältlich sind, sei groß. So gibt es neben dem eigenen „New Super Mario Bros. U" auch „ZombiU" von Ubisoft Entertainment, ein Spiel, bei dem man auf die Jagd nach Untoten geht. Der Verkauf von Spielen ist für Nintendo besonders wichtig. Die Firma hat zugegeben, dass man die Konsole mit einem Verkaufspreis von 299 US-Dollar unter den Herstellungskosten verkauft – ein Minusgeschäft.

Beobachter blicken gespannt auf Nintendo. Das Unternehmen dürfte zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrzehnten einen Jahresverlust einfahren. „Es ist für uns besonders wichtig, dass wir Software verkaufen, um die Kunden an die Konsole zu binden", sagt Fils-Aime und fügt hinzu, dass es Nintendos Ziel sei, bei allen Konsolen die Verkaufszahlen der Spiele zu verbessern. „Das ist der zentrale Punkt unseres Geschäftsmodells."

Die beliebtesten Konsolen-Klassiker von Nintendo

Evan Amos/CC 3.0

Im Vorfeld des Verkaufsstartes hatte Nintendo darum auch das Angebot an neuen Spielen für die Wii U groß beworben. Dazu gehören Bestseller, die es ebenfalls für Microsofts Xbox 360 und Sonys Playstation 3 gibt. Doch auch exklusive Titel und Weiterentwicklungen erfolgreicher Franchise-Reihen wie „Super Mario Bros." und „Legend of Zelda" sind im Angebot.

Ein Punkt, der für Nintendo ebenfalls wichtig sein dürfte, sind zusätzliche Angebote. So ist es jetzt möglich, auf die Netflix-Bibliothek mit tausenden von Filmen und Fernsehserien zuzugreifen. Und spezielle Netzwerk-Features von Nintendo gibt es auch – zum Beispiel das Miiverse, ein soziales Netzwerk, das in der vergangenen Woche an den Start ging.

Insgesamt hat Nintendo in der vergangenen Woche mehr als 1,2 Millionen Spielekonsolen verkauft. Die alte Wii ging mehr als 300.000 Mal über die Ladentheke, die mobilen Konsolen wie die 3DS verkauften sich mehr als 250.000 Mal.

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