• The Wall Street Journal

Experten sehen Gelder für Athen nicht in Gefahr

    Von HANS BENTZIEN und STEFFEN GOSENHEIMER
Associated Press

Zuversichtlich, dass eine Einigung zu weiteren Griechenland-Hilfen bald gelingt: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (links) und Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Brüssel.

Die schuldengeplagten Griechen haben gute Chancen, einen dringend benötigten Kredit noch vor dem Jahresende zu bekommen. Am Dienstag platzierten sie erfolgreich Schuldverschreibungen am Markt und können damit am Freitag fällige Schulden von 5 Milliarden Euro überrollen. Einen drohenden kurzfristigen Zahlungsausfall kann das Land damit aus eigener Kraft abwenden.

Volkswirte sind überdies der Ansicht, dass die EU und der Internationale Währungsfonds ihren Streit über den langfristig richtigen Umgang mit Griechenlands Schuldenlast rechtzeitig beilegen werden. Damit stünde einer Auszahlung von weiteren 31,5 Milliarden Euro Kredit nichts mehr im Wege.

Die griechische Schuldenverwaltung konnte am Morgen vier- und 13-wöchige T-Bills für 4,096 Milliarden Euro absetzen. Sie ist ihrem Ziel, am Freitag Papiere über 5 Milliarden abzulösen, einen deutlichen Schritt näher gerückt. Bei einer noch anstehenden Zuteilung ohne Bietungsverfahren am Donnerstag dürfte der Staat den erforderlichen Restbetrag einnehmen.

EZB hat Kurzfristlösung ermöglicht

Dass der Staat seine T-Bills überhaupt überrollen kann, hat er maßgeblich der Europäischen Zentralbank zu verdanken. Die hat der griechischen Zentralbank nach Aussage informierter Personen erlaubt, T-Bills für 3,5 Milliarden als Sicherheit im Repo-Geschäften zu akzeptieren. Damit war die Nachfrage nach diesen Papieren unter griechischen Banken abgesichert.

Den Restbetrag können die Banken voraussichtlich aufbringen, weil sich ihre Liquiditätslage im Zuge von Kursgewinnen auf griechische Papiere verbessert hat. Banken und Staat sind in Griechenland stark aufeinander angewiesen.

Auch die Aussichten für eine mittelfristige Rettung der Griechen stehen nicht schlecht. Zwar konnten sich die Euro-Finanzminister noch nicht auf alle Details einigen, aber eines ist klar: Griechenland erhält mehr Zeit, seine mittelfristigen Haushaltsziele zu erreichen. Noch unklar ist, ob die Verschiebung der mittelfristigen Ziele auch zu einer entsprechenden Verlängerung des gesamten Programms führen wird und wer die dadurch entstehenden Zusatzkosten tragen soll.

Maßgebliche Teilnehmer des EU-Finanzministertreffens äußerten sich aber optimistisch, dass es zu einer Einigung kommen wird. „Es sind noch einige Maßnahmen zu treffen, aber ich bin zuversichtlich, dass das der Fall sein wird", sagte der französische Finanzminister Pierre Moscovici auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Schäuble fügte hinzu, die Gläubiger müssten sicherstellen, dass Griechenland seine Versprechen einhalte, womit er auf den Vorschlag eines Sperrkontos anspielte, auf dem das Geld für Griechenland geparkt werden könnte. „Wir brauchen einen verlässlichen Mechanismus, um sicherzustellen, dass die Vereinbarungen auch umgesetzt werden", sagte der Minister.

Experten glauben an baldige Einigung

Bankvolkswirte sind zuversichtlich, dass auch IWF und EU-Kommission ihre Differenzen über den richtigen Umgang mit Griechenland beilegen werden. Am Montag hatten IWF-Chefin Christine Lagarde und Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker ihre Meinungsverschiedenheiten über eine Verlängerung des Programms in einer Pressekonferenz offen ausgetragen. Während Lagarde darauf bestand, dass Griechenland seinen Schuldenstand bis 2020 auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung senken müsse, will Juncker den Griechen bis 2022 dazu Zeit geben.

Das Problem: Der IWF darf den Griechen nur dann weiteres Geld geben, wenn er deren Verschuldung für tragbar hält. Derzeit wird dies für eine Verschuldungsquote von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 attestiert. Die aktuellen Prognosen deuten darauf hin, dass die Quote nicht vor 2022 erreicht wird. Bankvolkswirte erwarten aber, dass der IWF letztlich nachgeben wird.

„Frau Lagarde kann das nicht allein entscheiden, sie muss dafür im IWF-Board eine Mehrheit kriegen", sagte Commerzbank -Volkswirt Christoph Weil. Seiner Einschätzung nach wird der IWF am Ende aber zustimmen. „Der Board muss die Fristverlängerung entweder genehmigen, oder er muss aus dem Programm aussteigen, und das ist keine wirkliche Option", sagte Weil. Denkbar sei, dass der IWF die Fristverlängerung mittrage, sich aber nicht an den Kosten, rund 33 Milliarden Euro, beteilige.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht das ähnlich: „Ich erwarte, dass die Eurogruppe bei ihrem Sondertreffen [am 20. November] zusehen wird, wie sie die für die Fristverlängerung erforderlichen 33 Milliarden Euro zusammenkriegt, und dass dann am 22. November bei EU-Gipfel die Unterschrift geleistet wird. Und ich denke, dass der IWF das am Ende auch mittragen wird", sagte er.

Wann genau Griechenland seine nächste Kredittranche über 31,5 Milliarden erhalten wird, ist noch immer nicht klar. Einige Beobachter erwarten, dass das nicht vor Anfang Dezember der Fall sein wird.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com und steffen.gosenheimer@dowjones.com

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