• The Wall Street Journal

Apple nach Jobs- die Normalität zieht ein

    Von JESSICA E. LESSIN

Apple is taking new steps to keep employees from jumping ship, amid questions about whether the company is losing its shine. Jessica Lessin has details on The News Hub. Photo: Ramsay de Give for The Wall Street Journal.

Apple kopiert Google. Zumindest, wenn es um die Zufriedenheit der Mitarbeiter geht. Vor ein paar Monaten informierte das Unternehmen einige Angestellte über eine Initiative namens „Blue Sky". Die soll es einer kleinen Gruppe erlauben, einige Wochen abseits ihrer normalen Tätigkeiten mit anderen Dingen verbringen zu können. Das berichten drei Personen, denen von dem Programm berichtet wurde.

Es ist eine eingeschränkte Version ähnlicher Programme, mit denen im Silicon Valley bereits seit langer Zeit nach neuen Ideen gesucht wird. Am bekanntesten dürfte wohl Googles „20% time"-Initiative sein. Angestellte des Suchmaschinenriesen können bis zu einem Fünftel ihrer Arbeitszeit auf andere Projekte verwenden, die nicht in ihren regulären Aufgabenbereich fallen.

Bisher war diese Idee Apple ein Dorn im Auge. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino ist dafür bekannt, seine Teams straff um einige wenige Projekte herum zu organisieren. Diese Projekte werden in der Regel von oben vorgegeben. Die Mitarbeiter haben sich in der Vergangenheit schon häufiger über einen Mangel an Freiräumen beschwert.

Wenn es um die Kultur bei Technologiefirmen geht, dann ist Apple immer noch ein Sonderfall. Die Verantwortlichen haben die sonst im Silicon Valley üblichen Sonderleistungen wie kostenlose Verpflegung lange ignoriert. Sie waren überzeugt, dass die Arbeit bei Apple und an besonders beliebten Produkten als Argumente ausreichten, um Mitarbeiter zu halten.

Während einer Veranstaltung anlässlich eines internen Managerprogramms kamen Apple-Verantwortlich im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass das Unternehmen in bestimmten Punkten eher ans Militär erinnere, als an ein traditionelles Unternehmen. Das erzählt eine Person, der von der Präsentation berichtet wurde. Doch unter Tim Cook, der den Chefposten vor einem Jahr von Apple-Mitgründer Steve Jobs übernommen hatte, ist Apple mitarbeiterfreundlicher geworden.

Cook hat kleine Bonusprogramme ins Leben gerufen, an denen Jobs nie viel Interesse zeigte. So bekommen Mitarbeiter Nachlässe auf Apple-Produkte. Außerdem jede Summe, die sie für gemeinnützige Zwecke spenden vom Unternehmen verdoppelt. Cook hat sich große Mühe gegeben, die Apple-Angestellten auf Presseevents des Unternehmens zu loben. Er legt sich mehr ins Zeug als sein Vorgänger und spricht davon, dass die Mitarbeiter „die beste Arbeit ihres Lebens" abliefern würden.

Cook nimmt sich auch langjährigen Beschwerden von Mitarbeitern an. Zum Beispiel der Forderung danach, sich aussuchen zu können, woran man arbeitet. Der Apple-Chef zeigt sich auch toleranter gegenüber Sabbatjahren, berichtet ein Angestellter, der mit ihm darüber gesprochen hat.

"Bisherige Schritte vor allem symbolisch"

Der Status von „Blue Sky" ist noch unklar. Apples iPhone-Chef Scott Forstall soll in das Programm involviert gewesen sein. Doch er verließ das Unternehmen im vergangenen Monat. Einige Apple-Mitarbeiter erklärten, die bisherigen Schritte seien vor allem symbolisch und es hätte noch keine großen Veränderungen gegeben. Trotzdem kommen sie zu einem Zeitpunkt, da sich die Firma Gedanken darüber macht, wie sie ihre Mitarbeiter halten kann.

Apple geht aggressiver mit verbesserten Vertragsangeboten auf Angestellte zu, die darüber nachdenken, das Unternehmen zu verlassen. Das berichten zwei leitende Angestellte von Firmen im Silicon Valley, die erst kürzlich versucht hatten, Apple-Mitarbeiter abzuwerben.

Und Apple verweist auch immer stärker auf die Attraktivität seiner Gesamtvergütung. Während der Jahresgespräche im vergangenen Monat wurden die Aktienpakete nicht mehr in der Anzahl an Anteilen, sondern nach dem Wert in Dollar aufgelistet. Das habe das Angebot attraktiver aussehen lassen, sagen mit der Sache vertraute Personen.

Mitarbeiter von Apple waren schon immer ein ungewöhnlich loyaler Haufen. Sie hatten sich der Mission verschrieben, weltverbessernde Produkte herzustellen. Ihr Glaube an die Weisheit von Steve Jobs war kaum zu erschüttern. Laut Branchenkennern unterscheiden sich die Löhne kaum von denen anderer großer Technologieunternehmen.

Wertvollster Konzern der US-Geschichte

So war der rasante Anstieg von Apples Börsenkurs für die Mitarbeiter ein willkommener Grund zu bleiben. Im September war das Unternehmen 658,05 Milliarden US-Dollar wert. Schon zuvor hatte man den Rekord als wertvollster Konzern der US-Geschichte gebrochen.

Doch einige dieser Dynamiken haben in der Vergangenheit nachgelassen. Apple muss sich immer stärker gegen Rivalen wie Google und Samsung wehren. Der Druck auf die Gewinnspannen steigt. Das iPhone ist reif geworden, und es stellt sich die Frage, ob die Firma mit einem neuen großen Produkt wieder überzeugen kann. Und was genau das sein wird.

Apples Aktien haben seit dem Hoch von 702,10 Dollar im September um 23 Prozent nachgegeben. Am Montag schloss der Kurs bei 542,83 Dollar. Und das, obwohl das Unternehmen in den Wochen zuvor zwei wichtige neue Produkte vorgestellt hatte: das iPhone 5 und das iPad mini.

Der fallende Aktienkurs könnte einen psychologischen Effekt auf die Angestellten haben. Als zwei Mitarbeiter gefragt wurden, ob sie sich nach Alternativen umsähen, sagten diese zu Freunden: Fragt erneut, sobald wir unsere Aktienoptionen sicher haben.

Apple-Angestellte gehen heute ans Telefon, „wenn ich sie anrufe", sagt Umesh Ramakrishnan von CTPartners. „Vor ein paar Jahren wurde nur gemauert." Und obwohl er bislang niemanden von Apple abgeworben habe, sei die Veränderung in den vergangenen sechs bis neun Monaten doch deutlich spürbar.

Mike Huskins, Technologie-Headhunter bei InSearch Management Consultants, sagt, die sich verändernde Kultur bei Apple würde am Ende den Ausschlag geben, warum Mitarbeiter das Unternehmen verließen – nicht der Preis der Aktie.

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