• The Wall Street Journal

Brad Pitt, der Scheich und die deutschen Architekten

    Von ASA FITCH
dapd

Dubai im Sommer 2009, als der Bauboom in der Wüste ein jähes Ende nahm. Auf großen Werbetafeln prangte damals das Bild des Herrschers von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktoum. Die Investmentfirma seines Sohns wird jetzt von deutschen Architekten verklagt.

DUBAI—Ein deutsches Architektenbüro hat die Investmentfirma des Kronprinzen von Dubai verklagt. Sie soll Honorare für ein geplantes Luxushotel, für das der US-Schauspieler Brad Pitt Pate stand, nicht bezahlt haben.

Die Berliner Architektengruppe Graft fordert mit Hilfe eines Anwalts in Dubai rund 1,8 Millionen US-Dollar an angeblich nicht überwiesenen Honoraren von Zabeel Investments, dem privaten Investmentarm des Kronprinzen von Dubai, Scheich Hamdan bin Mohammed Al Maktoum. Er ist der Sohn von Mohammed bin Raschid Al Maktoum, dem Herrscher über das Wüstenemirat.

Wie viele andere Bau- und Anlagegesellschaften in Dubai musste Zabeel im Jahr 2009, als der Bauboom in der Wüste ein jähes Ende nahm, eine langwierige Umschuldung vornehmen. In einigen Gegenden waren Immobilien plötzlich nur noch halb so viel wert.

Dienstleistungen genehmigt, aber nicht bezahlt

Die deutschen Architekten hätten einen Teil der versprochenen Honorare für ihre Entwürfe immer noch nicht bekommen, sagt Anwältin Ludmila Yamalova, die das Architekturbüro Graft vor Gericht vertritt. „Dienste wurden geleistet und genehmigt und nur zum Teil bezahlt", sagt sie.

Bei dem Streit geht es um einen Hotelkomplex in einem neuen Vergnügungsviertel namens Dubailand, dessen Bau seit Jahren brach liegt. Im Sommer 2007, als der Bauboom in Dubai noch voll im Gange war, hatte Zabeel das Architekturbüro Graft engagiert und angezahlt. Zabeel habe zugebilligt, den Architekten für ihre Designarbeit rund 34 Millionen Dirham der Vereinigten Arabischen Emirate (etwa 7,3 Millionen Euro) zu zahlen. Bisher aber hat Graft nach Auskunft der Anwältin erst rund 27,5 Millionen Dirham erhalten. Mazen Boustany, ein Anwalt der Investmentfirma hat Anfragen nach einer Stellungnahme über Telefon und Email bisher nicht erwidert.

Das Projekt klang nach Glanz und Ruhm: „Hotel America" hieß der Megabau in den Plänen, die mehrfach geändert wurden, bevor sie irgendwann komplett in der Schublade verschwanden. In der letzten Fassung aus dem Jahr 2008 war in Pressemitteilungen von einem Fünf-Sterne-Hotel mit 800 Zimmern die Rede, dessen Design-Thema „Amerika" sein sollte. Ziel war den Investoren zufolge auch, eine spezielle Auszeichnung für besonders umweltfreundliches Bauen zu bekommen.

Zaabels Coup: Schauspiel-Beau Brad Pitt sollte das Architektenteam als Berater unterstützen. Das verkündeten die Investoren vollmundig und zig Zeitungen in Dubai druckten es im Jahr 2008 nach. Es sei ihm leicht gefallen, ausgerechnet dieses Vorhaben „als mein erstes großes Bauprojekt" auszuwählen, wurde Pitt in einer Pressemitteilung zitiert. „Es wird nicht nur meine Wertschätzung für umweltfreundliche Architektur unterstreichen, sondern auch meine Karriere im Entertainment aufgreifen."

Anwältin Yamalova wollte nicht genau sagen, ob Pitt bei der Klage der Architekten eine Rolle spielt. Ein Anwalt des Schauspielers war weder per Telefon noch per Fax zu erreichen. Graft lehnte einen Kommentar ab.

"Graft und Brad sind seit Jahren gute Freunde"

Pitt und das Architekturbüro Graft haben nach Auskunft der Anwältin schon zuvor bei zahlreichen Projekten weltweit eng zusammengearbeitet. Auch das Wohnhaus von Pitt in Los Angeles gehört dazu. Der Schauspieler engagiert sich seit Jahren im Bereich Design und Architektur und baute unter anderem mit Star-Architekt Frank Gehry nachhaltige Häuser in den von Hurrikan Katrina zerstörten Gebieten von New Orleans. Anfang des Monats erst brachte er eine eigene Möbelserie heraus. „Graft und Brad sind seit vielen Jahren gute Freunde und enge Geschäftspartner", sagt Yamalova.

Als in Dubai der Bauboom tobte, war es durchaus üblich, dass Stars ihren prominenten Namen für Großprojekte hergaben. Auch Immobilienmogul Donald Trump und Formel-Eins-Rennfahrer Michael Schumacher versprachen damals, in Dubai zu bauen oder Projekten ihren Namen zu geben.

Inzwischen zeichnet sich auf dem Hotelmarkt in Dubai eine Trendwende ab, weil das Emirat von den Unruhen in anderen Touristenzielen im Nahen Osten profitiert. In diesem Jahr werden nach Angaben der Immobilienberater Jones Lang Lasalle rund 5.000 neue Hotelzimmer fertiggestellt werden – mehr als doppelt so viele wie die rund 2.300 im vergangenen Jahr.

Die Arbeiten an dem geplanten Vergnügungsviertel am Rande Dubais, in dem das Hotel America errichtet werden sollte, liegen allerdings nach wie vor auf Eis. Zu den fertiggestellten Projekten von Zabeel gehören das Resort Jumeirah Zabeel Saray und die Tiara Residence auf der künstlichen Luxusinsel Palm Jumeirah.

Die Anhörungen in dem Rechtsstreit zwischen dem Architekturbüro Graft und der Investmentfirma haben noch nicht begonnen. Die Klage wurde bereits am 24. Oktober eingereicht, aber erst jetzt öffentlich gemacht.

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