• The Wall Street Journal

Infineon kämpft gegen sinkende Margen

    Von URSULA QUASS

Infineon hat die Krise auch im vierten Geschäftsquartal zu spüren bekommen. Mit weiteren Sparmaßnahmen will der Chiphersteller jetzt gegen die drastisch sinkenden Margen ankämpfen. Für das neue Geschäftsjahr rechnet Infineon damit, dass der konjunkturelle Gegenwind noch stärker wird. Bereits Ende September hatte der Dax-Konzern die Investoren zum zweiten Mal in Folge mit einer Gewinnwarnung auf schwierigere Zeiten eingestimmt. Nun ist der Konzern noch etwas pessimistischer.

Im laufenden ersten Quartal soll der Umsatz um „einen niedrigen Zehner-Prozentsatz gegenüber dem vierten Quartal" sinken. Dadurch soll die Marge auf 4 bis 6 Prozent einbrechen. Bislang hatte Infineon mit einem Umsatzrückgang von bis zu 10 Prozent gegenüber dem Vorquartal und einer Marge zwischen 5 und 7 Prozent gerechnet.

[image] dapd

Die Krise beim Chiphersteller Infineon war auch im vierten Geschäftsquartal zu spüren. Das Unternehmen will nun mit weiteren Sparmaßnahmen gegen die drastisch sinkenden Margen ankämpfen.

„Der schon zuvor verhaltene Ausblick ist nochmal gesenkt worden", kommentierte ein Händler. „Die Kombination aus schwächerem Margen- und gleichzeitig schwächerem Umsatz-Ausblick ist eigentlich nichts anderes als eine Gewinnwarnung."

Auch für das gesamte Geschäftsjahr ist ein Umsatzrückgang bereits einkalkuliert. Die Marge soll als Folge in jedem Fall unter die 10-Prozent-Schwelle zurückfallen. Langfristig hält Infineon aber an seinem Margenziel von 15 Prozent fest.

Um die Rentabilität zu sichern, will Infineon das Sparprogramm verschärfen. Die Investitionen werden um 100 auf 400 Millionen Euro zusammengestrichen und damit weniger als die Hälfte des Vorjahresbudgets ausmachen. Weitere Einsparungen sollen sich alles in allem auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen.

Dazu setzt Infineon auch weiter beim Personal an. Der Personalstand wurde in etwa auf dem Niveau per Ende September eingefroren, bestimmte Gehaltserhöhungen werden verschoben. Der Einsatz von Zeitarbeitern wird verringert, selektiv soll weitere Kurzarbeit eingeführt werden. Seit Oktober wurden bereits die Arbeitszeiten von 720 Mitarbeitern am Standort Warstein um 10 bis 30 Prozent gekappt. Beim ebenfalls in Warstein beheimateten Siemens -Joint-Venture Infineon Technologies Bipolar wurden weitere 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Alles in allem sind in Warstein 1.750 Mitarbeiter beschäftigt.

Schlechtes Geschäft im Automobilbereich

Außerdem werden nicht ausgelastete Produktionsanlagen vorübergehend abgeschaltet. Bei Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb und Verwaltung sollen Projekte verschoben oder gestrichen sowie die Kosten externer Dienstleister reduziert werden.

Marktteilnehmer waren aber offenkundig bereits auf schlechte Nachrichten vorbereitet. Der Kurs der Infineon-Aktie stieg am Mittwochvormittag zwischenzeitlich um über Prozent und führte die Gewinnerliste im Dax klar an.

Im abgelaufenen Quartal schlugen sich die schlechter laufenden Geschäfte bereits entsprechend in der Marge nieder. Zwar sank der Umsatz zwischen Juli und September nur um 1 Prozent auf 982 Millionen Euro und damit weniger stark als erwartet. Da das Segmentergebnis mit 8 Prozent auf 116 Millionen Euro aber deutlich stärker zurückging, sackte die Marge auf 11,8 Prozent ab. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor.

Besonders schlecht lief es für Infineon im Automobilbereich – dem wichtigsten Geschäftsfeld. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorquartal um 3 Prozent und das Segmentergebnis um 13 Prozent zurück. Der Konzern macht dafür vor allem saisonale Effekte verantwortlich. Mit Komponenten für Windräder und zum Antrieb von Zügen und im Geschäft mit elektronischen Ausweisdokumenten, Gesundheits- und Bezahlkarten waren die Margen trotz wachsender Umsätze rückläufig. Gut lief es dagegen mit Schaltkonsolen und Beleuchtungsapplikationen. Hier konnte die Marge dank eines höheren Umsatzes und Segmentergebnisses gesteigert werden.

Als Zulieferer für viele Branchen ist die Halbleiterindustrie besonders anfällig für Konjunkturschwankungen. So verzeichnete der US-Chiphersteller Texas Instruments im dritten Quartal zwar einen kräftigen Gewinnanstieg, allerdings beruhte dieser auf einem Sondereffekt. Der Umsatz ging dagegen zurück und soll im laufenden Quartal weiter sinken.

Wenig besser erging es dem US-Konkurrenten Intel . Bei ihm waren Umsatz und Gewinn rückläufig. Der Chiphersteller Advanced Micro Devices reagiert mit einer drastischen Restrukturierung auf die anhaltende Misere. Der Konzern wird 1.800 Stellen streichen, das sind etwa 15 Prozent der gesamten Belegschaft. Die schwache Nachfrage nach PCs hat das Unternehmen aus dem Silicon Valley im dritten Quartal in die roten Zahlen gedrückt. Stmicroelectronics aus der Schweiz konnte zuletzt zwar seinen Umsatz minimal steigern, kündigte aber gleichzeitig an, bis Ende nächsten Jahres 150 Millionen US-Dollar einsparen zu wollen.

Kontakt zum Autor: ursula.quass@dowjones.com

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