• The Wall Street Journal

Japan-Besuch des Dalai Lama erzürnt China

    Von WILLIAM SPOSATO

TOKIO – Ein Besuch des Dalai Lama in Tokio hat die Spannungen zwischen Japan und China wieder verstärkt. Mehr als hundert Parlamentsabgeordnete hatten am Dienstag das im Exil lebende Oberhaupt der Tibeter empfangen. In China sieht man so etwas nicht gerne.

Vor Parlamentariern aller Fraktionen, unter ihnen auch der ehemalige Ministerpräsident Shinzo Abe, forderte der Dalai Lama die Abgeordneten auf, sie sollten nach Tibet reisen, um den Selbstverbrennungen der letzten Zeit dort auf den Grund zu gehen. Zwei Tibeter hatten sich unabhängig voneinander am Montag angezündet, sie starben an ihren Verletzungen. Sieben weitere Menschen hatten in den vergangenen Wochen auf diese Weise gegen die chinesische Führung demonstriert.

Agence France-Presse/Getty Images

Der Dalai Lama wurde am Dienstag von japanischen Abgeordneten begrüßt.

Der Dalai Lama erklärte, die Regierung in Peking verstehe nicht, was in Tibet vorgehe. „Einige engstirnige kommunistische Funktionäre glauben, dass die tibetische Kultur und der buddhistische Glaube eine Quelle für Separatismus darstellen." Shinzo Abe, dem große Chancen auf eine Rückkehr als Regierungschef bescheinigt werden, kündigte an, Japan wolle im Tibet-Konflikt eine stärkere Rolle spielen. Abe ist für seine harte Linie gegenüber China bekannt.

„Wir werden unser Möglichstes tun, um die Unterdrückung der Menschenrechte zu beenden", sagte Abe. Seine Liberaldemokratische Partei ist haushoher Favorit in den Umfragen. Die nächsten Wahlen dürften im Januar stattfinden. Er war bereits von 2006 bis 2007 Ministerpräsident. Seine Aussagen weichen deutlich von der offiziellen japanischen Linie zu Tibet ab. „Tibet ist eine innere Angelegenheit Chinas", erklärte das Außenministerium zuletzt im November 2011.

Prompt hagelte es auch Kritik aus Peking. Die Regierung wirft dem Dalai Lama vor, für die Unabhängigkeit des Landes im Himalaya zu kämpfen. „Wir sind gegen jede Unterstützung der separatistischen Aktivitäten des Dalai Lama durch andere Länder oder Personen", sagte Regierungssprecher Hong Lei laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. „Der Dalai Lama ist ein politischer Exilant, der seit langem unter dem Deckmantel der Religion antichinesische Aktivitäten betreibt." Tibet sei ein Teil Chinas.

Die scharfen Kommentare sind nur der jüngste Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen den beiden Staaten. Im September hatte sich der Streit um einige Inseln auf eine ganze Reihe von Themen ausgeweitet und das Klima vergiftet. Der Absatz von japanischen Produkten ist in China eingebrochen, was die exportabhängige Wirtschaft hart trifft. Auch die meisten diplomatischen Kontakte wurden abgebrochen, in japanischen Ferienregionen bleiben die chinesischen Touristen aus. Selbst bei wichtigen internationalen Terminen wie dem Treffen von Internationalem Währungsfonds und der Weltbank im Oktober in Tokio sagten die Vertreter aus Peking in letzter Minute ab.

Video auf WSJ.com

During a lecture to Japanese lawmakers in Tokyo on Nov. 13, the Dalai Lama called on Beijing to investigate the causes behind recent self-immolations by Tibetans protesting Chinese rule. (Video: AP/Photo: Getty Images)

Japan hält sich üblicherweise beim Thema Dalai Lama bedeckt. Der Tibeter ist zwar oft im Land, tritt aber in der Regel nur bei privaten Veranstaltungen auf und trifft sich nicht mit Regierungsvertretern.

Noch vor seiner möglichen Rückkehr ins Amt des Ministerpräsidenten hat Shinzo Abe also für neuen Sprengstoff im Verhältnis zu China gesorgt. Bereits am 17. Oktober hatte er den Yasukuni-Schrein in Tokio besucht, wo die Kriegstoten des Landes verehrt werden. Darunter sind auch verurteilte Kriegsverbrecher aus dem 2. Weltkrieg. Der obligatorische Protest aus Peking folgte sofort.

Im Mai hatten japanische Nationalisten für Ärger gesorgt, weil sie in Tokio eine Konferenz von Separatisten aus der Volksgruppe der Uiguren ausgerichtet hatten. China betrachtet diese als Terroristen.

—Mitarbeit: Yuka Hayashi

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Peking Auto Show 2014

  • Exklusiv für Abonennten Preview lesen

    [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer aber mit besonderen und limitierten Editionen, sowie mit neuen Modellen den Markt weiter zu erobern. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.