• The Wall Street Journal

Indianer streiten sich über neue Kasinos

    Von JOEL MILLMAN
[image] Leah Nash for The Wall Street Journal

Eine Croupière im Seven Feathers Casino Resort in Canyonville, Oregon. Die Eigentümer, die Cow Creek Band of Umpqua, sind gegen das geplante Kasino eines anderen Indianerstammes.

MEDFORD, Oregon—Die Besitzer einer Kegelbahn und einer einstigen Imbissstube in Medford wollen ihr Geschäft in ein Kasino verwandeln. Für die wirtschaftlich angeschlagene Stadt würde das neue Arbeitsstellen bedeuten. Für zwei kleine indianische Stämme jedoch könnte das zum Grabenkampf führen.

Die Kasinopläne kommen vom Indianerstamm der Coquille, deren etwa 900 Mitglieder zumeist gut 200 Kilometer entfernt an der Küste Oregons leben. Doch der Stamm der Cow Creek Band of Umpqua glaubt, dass das neue Kasino Kunden von ihrem eigenen Seven Feathers Casino Resort gut 100 Kilometer nördlich von Medford weglocken könnte.

„Sie sind ein benachbarter Stamm und bisher hat es nie Feindseligkeiten gegeben", sagt Wayne Shammel, vorsitzendes Ratsmitglied der Cow Creek, einem Stamm mit 1.600 Mitgliedern. „Doch jetzt greifen sie unseren Lebensunterhalt an."

Solche Streitigkeiten brechen nicht nur in Oregon aus. Viele Indianerstämme wollen ihr Einkommen erhöhen, indem sie auch außerhalb ihrer Reservate Kasinos eröffnen. Doch dazu brauchen sie die Genehmigung des Amts für Indianische Angelegenheiten (BIA), das zum US-Innenministerium gehört.

Unter Präsident George W. Bush waren solche Genehmigungen rar. Von 2005 bis 2008 genehmigte das BIA nur zwölf solcher Kasinos außerhalb von Reservaten. Unter Barack Obama wurden wieder mehr Genehmigungen verteilt. 2010 erlaubte das BIA sechs Stämmen, Kasinos außerhalb ihrer Reservate zu bauen.

Indianer wollen immer mehr Kasinos bauen

Derzeit liegen von 20 Stämmen in zehn Bundesstaaten Anträge vor. Die Manzanita-Indianer von Diegueño Mission zum Beispiel wollen ein Kasino außerhalb ihres Reservats in Calexico (Kalifornien) bauen, 80 Kilometer von ihrem Reservat entfernt. Vor allem Stämme aus ländlichen Gebieten wollen Kasinos bauen, die näher an den städtischen Kunden sind. Doch das kann Konflikte mit anderen Stämmen zur Folge haben.

2010 erlaubte das BIA den Cowlitz-Indianern in Washington State, ein Kasino zu bauen, das weniger als eine Autostunde von Oregon entfernt sein würde. Die Vereinigten Stämme von Grand Ronde in Oregon, die ein Kasino in Salem (Oregon) betreiben, verlangten eine gerichtliche Verfügung, da das Land der Vorfahren der Cowlitz weiter nördlich, nahe Longview (Washington), läge.

Macao oder Las Vegas – Wer ist die Kasino-Hauptstadt?

„Dort gehören sie hin. Unser Stamm muss seine Interessen verteidigen", sagt Siobhan Taylor, eine Sprecherin für Grand Ronde. William Iyall, Vorsitzender des Cowlitz-Stamms, sagt, das neue Kasino liege auf dem historischen Territorium des Stammes. Die Regierung habe die „historische Bindung der Cowlitz an diese Gegend bestätigt".

Bis vor kurzem herrschte noch Frieden unter den neun Stämmen in Oregon, vor allem, weil keiner von ihnen ein Kasino nahe der Großstadt Portland unterhält. Insgesamt nehmen die neun Stämme mit ihren Kasinos jährlich etwa 500 Millionen Dollar ein. Das größte dieser Kasinos, das Spirit Mountain, verbucht jährlich einen Gewinn von 50 Millionen Dollar und bezahlt davon eine Dividende von 3.000 Dollar pro Kopf an 5.000 Mitglieder des Stammes.

Streit unter Indianern geht erstmals vor Gericht

„Die Stämme waren einst sehr einig", sagt Steven Light, Co-Direktor des Institute for the Study of Tribal Gaming Law and Policy an der University of North Dakota. "Ihre Streitigkeiten regelten sie untereinander. Neu ist, dass das jetzt vor Gericht stattfindet."

Anfang des Jahres hatten die Coquille mit den Cow Creek noch kein Problem, da ihre Kasinos über 150 Kilometer auseinander lagen. Doch im September gaben die Coquille bekannt, dass sie 2,2 Millionen Dollar für die Roxy Ann Lanes Kegelbahn und das angrenzende Kim's Restaurant ausgegeben hätten. Derzeit arbeiteten sie an den Anträgen an das BIA, um im Gebäude der Kegelbahn elektronische Bingospiele anbieten zu dürfen. Spielautomaten und anderes Glücksspiel müssen von staatlichen Aufsehern gebilligt werden.

Führer der Cow Creek befürchten nicht nur, dass ihre Kunden verschwinden könnten, sollte das BIA die Genehmigung erteilen, sondern auch, dass andere Stämme in Oregon daraufhin ebenfalls in der Nähe neue Kasinos eröffnen würden. „Eine solche Übersättigung des Marktes wäre für alle schlecht", warnt Dan Courtney, Vorsitzender der Cow Creek.

„Der Vorschlag der Coquille soll keinem anderem Stamm schaden", sagt Judith Shapiro, die in Washington, D.C., die Coquille als Anwältin vertritt. „Der Stamm will sein Einkommen erhöhen, da er nicht genug Sozialleistungen zahlen kann."

Während die Indianerstämme in Oregon noch stritten, versuchten auch andere Glücksspielanbieter, sich dort anzusiedeln. In dieser Woche entschieden sich die Wähler in zwei Volksentscheiden gegen neue Kasinos von nicht-Indianern. Die Indianer glauben, dass das nicht die letzte Abstimmung dieser Art gewesen ist. Doch das Interesse wird sich irgendwann legen, sagt Courtney, der Vorsitzende der Cow Creek: „Dieser Kasinoboom wird nicht ewig dauern."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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