• The Wall Street Journal

Blutigste Eskalation des Nahostkonflikts seit vier Jahren

    Von CHARLES LEVINSON und JOSHUA MITNIK
dapd

Paälistinenser in Gaza Stadt betreuen den Tod des militärischen Hamas-Führers Ahmed Dschabari.

TEL AVIV – Israel hat am Donnerstag den Gazastreifen am zweiten Tag in Folge mit Luftbombardements und Artilleriefeuer beschossen. Die Hamas reagierte Raketenangriffen auf Israel. Es ist die blutigste Eskalation des Nahostkonflikts seit vier Jahren.

Zahl der Todesopfer steigt

Die Zahl der Todesopfer stieg am Donnerstag auf beiden Seiten weiter an. In Israel schlug eine palästinensische Rakete in einem Wohngebäude der Stadt Kirjat Mal'achi ein und tötete drei Bewohner, sagte die israelische Polizei. Sie sind die ersten israelischen Todesopfer des Konflikts, die durch eine der 130 Raketen getötet wurden, die Palästinenser auf Israel gefeuert haben. Auf palästinensischer Seite stieg die Zahl der Toten auf 13, mehr als Hundert wurden in den zwei Tagen des Bombardements verletzt, erklärten die Gesundheitsbehörden in Gaza.

dapd

Am Donnerstag steigt Rauch über Gaza Stadt nach einer israelischen Attacke auf.

Am Donnerstagvormittag versammelten sich einige Hundert Palästinenser in den Straßen von Gaza, um in einem Trauermarsch den Tod von Ahmed Dschabari zu betrauern den von Israel getöteten Kommandeur der Qassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas.

Der in die grüne Fahne der Hamas eingehüllte Leichnam Dschabaris wurde unter „Wir werden Rache nehmen"-Rufen durch die Straßen von Gaza-Stadt getragen.

Israels Parlament sollte am Donnerstagnachmittag zusammentreten, um über die Bitte des Verteidigungsministeriums, weitere Armee-Reservisten einzuziehen, zu entscheiden. Israel hat inzwischen mehr als 100 Ziele im Gazastreifen angegriffen, sagte das Militär. Israels oberster Militärsprecher, Brigade-General Yoav Mordechau sagte am Donnerstagmorgen, dass das Militär noch vor Sonnenuntergang ein Dutzend weitere Angriffe auf Gaza genehmigt hätte.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte am Mittwoch, dass die israelische Offensive weitergehen wird und noch ausgeweitet werden könne, wenn Palästinenser Israel weiter mit Raketen beschießen sollten. „Wenn nötig ist das Militär darauf vorbereitet, seine Operation noch auszuweiten", sagte er in einer Fernsehansprache. „Wir werden keine Situation akzeptieren, in der israelische Zivilisten durch Terrorangriffe mittels Raketen bedroht werden."

Flugblätter warnen Bewohner

Am Donnerstagmorgen wurden Flugblätter über dem Himmel von Gaza abgeworfen, in denen die Bewohner gewarnt wurden, sich von Hamas-Gebäuden fernzuhalten. Die Luftschläge wurden am Donnerstag durch israelische Panzer unterstützt, die Granaten auf Ziele im Küstengebiet warfen.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas verkürzte seinen Besuch in europäischen Hauptstädten, in denen er um Unterstützung für seinen Plan warb, die Palästinensergebiete von den Vereinten Nationen als Staat anerkennen zu lassen.

Die USA verurteilten die Attacken der Hamas auf Südisrael. „Wir unterstützen Israels Recht sich zu verteidigen und ermuntern Israel dazu alle Maßnahmen fortzuführen, um zivile Opfer zu vermeiden", sagte Regierungssprecher Mark Toner.

Obama spricht mit Ägyptens Präsident Mursi

US-Präsident Barack Obama sprach am Mittwoch mit Israels Premier Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohammed Mursi über den jüngsten Gewaltausbruch. „Angesichts Ägyptens zentraler Rolle für die Sicherheit in der Region", so das Weiße Haus, hätten Obama und Mursi „darin übereingestimmt, dass es wichtig ist, daran zu arbeiten die Situation so schnell wie möglich zu deeskalieren." Beide Seiten hätten vereinbar dazu in den kommenden Tagen einen engen Austausch zu pflegen.

Die aktuelle Eskalation begann am Mittwochnachmittag mit einem israelischen Bombardement im Herzen von Gaza Stadt um etwa 16 Uhr Ortszeit. Dabei wurde der Pkw von Dschabari und seinem Assistenten getroffen.

Israels Militär veröffentliche schnell danach Luftvideoaufnahmen, die angeblich den Luftschlag auf Dschabari zeigen. Das Video zeigt einen Pkw der durch eine schmale Straße fährt und eine darauf folgende heftige Explosion. Die israelische Armee bestätigte den Angriff auf Twitter. Die Hamas bestätigte, dass Dschabari getötet wurde.

Wie stellt sich Ägypten?

Nun stellt sich die Frage, wie die neu gewählte ägyptische Regierung mit der Gewalt zwischen Israel und der Hamas umgehen wird. Fraglich ist auch, wie sich der offene Bruch der Hamas mit dem syrischen Regime - einem langjährigen Verbündeten - auf die politische Lage auswirken wird.

Die von Islamisten geführte ägyptische Regierung, die Gazas Südgrenze kontrolliert und ideologisch enge Bande zur Hamas pflegt, verurteilte die Attacke auf Ahmed Dschabari und warf Israel vor, die Region zu destabilisieren. Ägyptens Regierung zog erstmals seit mehr als zehn Jahren aus Protest gegen den Angriff ihren Botschafter aus Israel ab. Sie drohte zudem damit, den Antrag der Palästinensischen Autonomiebehörde bei den Vereinten Nationen zu boykottieren, mit dem Palästina auf die Anerkennung als internationaler Staat hofft.

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