• The Wall Street Journal

BP muss für Ölpest 4,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen

    Von TOM FOWLER und SELINA WILLIAMS
[image] Reuters

Löschboote versuchen im April 2010, das Feuer auf der Ölplattform Deepwater Horizon vor der US-Küste zu löschen. BP wird dieser Unfall zig Milliarden Dollar kosten.

Der britische Ölkonzern BP muss als Mitverursacher der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine Rekordstrafe zahlen. Mit den US-Behörden hat sich das Unternehmen auf die Summe von insgesamt 4,5 Milliarden US-Dollar geeinigt - die mit Abstand höchste Strafe, die je in den USA verhängt wurde. Damit ist der strafrechtliche Teil der Aufarbeitung der Ölpest für den Konzern weitestgehend abgeschlossen. Ausgestanden sind die Folgen der Katastrophe für BP aber noch nicht.

Größte Ölpest in der Geschichte der USA

Bei der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon im April 2010 waren elf Arbeiter getötet worden, das ausfließende Öl - insgesamt 4,9 Milliarden Barrel Rohöl - verursachte die größte Ölpest in der Geschichte der USA. Sie bescherte der Fischerei und dem Tourismus in der Region Milliardenausfälle. Drei Monate dauerte es, bis das Leck in der explodierten Ölplattform gestopft war.

Eine in New Orleans angesiedelte Arbeitsgruppe der US-Regierung hat den Unfall in den vergangenen 29 Monaten untersucht. Die Ermittlungsbehörden haben Tausende von Dokumenten überprüft und Dutzende Befragungen durchgeführt.

BP hat sich in mehreren Punkten für schuldig bekannt. So gestand BP Fehlverhalten und Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit den Todesfällen ein. Außerdem bekannte sich das Unternehmen dazu, den US-Kongress über die Menge des austretenden Öls falsch informiert zu haben. Ferner gestand BP die Verletzung von Umwelt- und Tierschutzgesetzen ein.

Zusätzlich wurden drei frühere Angestellte von BP am Donnerstag vor Gericht angeklagt, das Unglück mitverantwortet zu haben. Zwei von ihnen wird vorgeworfen, kritische Sicherheitstest nicht anständig ausgeführt zu haben. Ihnen drohen Gefängnisstrafen von bis zu 10 Jahren.

„Wir entschuldigen uns für unsere Rolle bei dem Unfall", sagte BP-Chef Bob Dudley. „Aber wie unsere Einigung mit der US-Regierung zeigt, haben wir die Verantwortung für unsere Handlungen übernommen."

Noch laufen zahlreiche Zivilklagen gegen den Ölriesen

Abgeschlossen ist die Ölkatastrophe damit für BP aber noch längst nicht, da noch zahlreiche Zivilklagen anhängig sind. Nach Angaben des vorsitzenden Generalstaatsanwalts Tony West werde die Regierung diese nun weiterverfolgen und insbsondere Vorwürfe prüfen, nach denen das Unternehmen „grob fahrlässig" gehandelt habe, als es zuließ, dass fast fünf Millionen Barrel Erdöl aus dem Unterwasserleck ins Meer flossen.

Sollte sich dieser Vorwurf erhärten, könnte BP weitere 20 Milliarden Dollar Strafe zahlen müssen - vier Mal mehr, als wenn es statt wegen grober Fahrlässigkeit nur wegen Fahrlässigkeit verurteilt würde. Die Endsumme dürfte sich nach Verhandlungen aber auf um 10 Milliarden Dollar reduzieren, vermutet Tom Claps, Analyst bei der Susquehanna Financial Group. Eine außergerichtliche Einigung im Zivilverfahren blieb bislang erfolglos. Im Februar geht der zivilrechtliche Fall in New Orleans vor Gericht.

Grobe Fahrlässigkeit beinhaltet eine „bewusste und willentliche Missachtung", aber BP - nach wie vor der größte Ölproduzent im Golf von Mexiko - sieht diesen Tatbestand für nicht gegeben. Der Konzern kündigte an, sich gegen solche Vorwürfe im Zivilverfahren „energisch" zu wehren.

Ein großer Teil der bereits verhängten Geldstrafe fließt nun an die staatliche amerikanische Naturschutzorganisation National Fish and Wildlife Foundation. Sie erhält über die kommenden fünf Jahre allein knapp 2,4 Milliarden Dollar von BP. Weitere 525 Millionen Dollar zahlt BP, um die Anklage der Börsenaufsicht SEC beizulegen. Sie hatte dem Konzern vorgeworfen, mit seinen Falschaussagen über die ausgetretene Ölmenge die Investoren in die Irre geführt zu haben.

Reuters

Nach der Ölkatastrophe waren Arbeiter lange damit beschäftigt, die amerikanische Küste von Ölklumpen zu säubern. Hier ein Bild vom Strand in Waveland, im US-Bundesstaat Mississippi vom Juli 2010.

Für die nächsten vier Jahre werden die Bohraktivitäten von BP vor der US-Golfküste zudem von zwei unabhängigen Aufsehern beaufsichtigt. Ein Richter muss der Gesamtvereinbarung noch zustimmen, damit sie in Kraft treten kann.

„Es ist gut, dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Stephen Stone, der an jenem verhängnisvollen Tag auf der explodierten Bohrplattform gearbeitet hatte und in der Folge einen Teil seines Gehörs verloren hat. Er hoffe, BP werde „nicht nur die Leute aus dem mittleren Management zu Fall bringen und dann an der Sicherheitskultur im Konzern doch nichts ändern", sagte er.

Millionen-Rückstellungen gebildet

Die Strafzahlungen werden sich in der Bilanz zum vierten Quartal bei BP deutlich bemerkbar machen. Der Konzern erhöht die Rückstellungen für die Deepwater-Horizon-Katastrophe um 3,85 Milliarden Dollar. Bis Ende September 2012 hatte BP schon 38,1 Milliarden Dollar zurückgestellt.

Bislang haben die Briten rund 14 Milliarden Dollar für die Aufräumarbeiten gezahlt und mehr als 9 Milliarden Dollar an Unternehmen und Einzelpersonen, die von der Ölpest betroffen waren. Mindestens weitere 7,8 Milliarden werden für eine kürzlich erzielte Einigung mit tausenden weiteren Unternehmen und Personen fällig.

Nach dem Unglück hatten die zuständigen Behörden ihre Vorschriften zur Vergabe von Bohrlizenzen verschärft. Die Behörde selbst wurde umstrukturiert. Umweltexperten untersuchen immer noch, welche langfristigen Schäden die Ölpest hinterlassen hat.

Die Ölindustrie selbst aber hat sich seit dem Unglück wieder rasch erholt. Nach jüngstem Stand gibt es heute wieder 47 Ölbohrplattformen im Golf von Mexiko - 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und fast so viele wie vor der Katastrophe.

—Mitarbeit: Angel Gonzalez, Keith Johnson, Russell Gold und Daniel Gilbert

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Peking Auto Show 2014

  • Exklusiv für Abonennten Preview lesen

    [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer aber mit besonderen und limitierten Editionen, sowie mit neuen Modellen den Markt weiter zu erobern. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen