• The Wall Street Journal

Henkel-Ausblick enttäuscht die Märkte

    Von NATALI SCHWAB

Bei Henkel laufen die Geschäfte weiter rund. Die Eurokrise und ihre negativen Auswirkungen auf die Kauflaune der Konsumenten weltweit können den Düsseldorfern bislang noch wenig anhaben, weil der Hersteller von Persil, Schwarzkopf und Pritt in den Schwellenländern mehr verkauft und damit die Rezession in Südeuropa ausgleicht. Henkel steht damit vor einem neuen Rekordjahr. Auch für die nächsten vier Jahren setzt Henkel-Chef Kasper Rorsted ehrgeizige Ziele. Der Aktie hilft dies nicht: Sie verliert zum Auftakt fünf Prozent - Marktbeobachter hatten sich noch bessere Margenziele erhofft.

Neue Produkte, die Konzentration auf die Top-Marken und vermehrte Geschäfte mit den Schwellenländern sollen helfen, die Wachstumsziele für 2016 zu erreichen. Die seit vier Jahren laufende Bereinigung des Markenportfolios, bei der schon Hunderte von Marken eingestellt wurden, soll dabei weitergehen. Geplant sind kleinere und mittlere Zukäufe, im Gegensatz sollen "nicht-strategische Aktivitäten" im Volumen von etwa 500 Millionen Euro verkauft werden. Mit seinen wichtigsten Marken will Henkel künftig immer höhere Erlöse erzielen. Bis 2016 sollen die Top-10-Marken rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuern - in diesem Jahr werden es rund 46 Prozent werden.

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Beim Konsumgüterkonzern Henkel läuft das Geschäft weiter rund. Die Eurokrise und ihre negativen Auswirkungen auf die Kauflaune der Konsumenten können den Düsseldorfern bislang wenig anhaben.

Der Umsatz soll bis 2016 auf 20 Milliarden Euro steigen. Das würde - die Divestments mit einbezogen - ein Wachstum von ungefähr fünf Prozent bedeuten. Dabei sollen die starken Wachstumsländer wie etwa China und Indien bis 2016 die Hälfte zum Umsatz beitragen. Und der Gewinn soll weiter überproportional steigen: Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll durchschnittlich um jährlich zehn Prozent gesteigert werden. Nur einen Wermutstropfen gab es für die Analysten: Die mit Spannung erwartete Prognose für die bereinigte operative Marge vor Zinsen und Steuern, mit der der Hersteller von Persil, Schwarzkopf und Pritt seine Profitabilität misst, gab es zunächst nicht.

Hier waren die Erwartungen im Vorfeld sehr hoch gewesen. Analysten hatten eine operative Marge von "mindestens" 16 Prozent erwartet, zwei Prozentpunkte mehr als in diesem Jahr. Manche Optimisten hatten sogar 18 Prozent erhofft. Jetzt hofft man darauf, dass Konzernchef Rorsted Details auf einer Pressekonferenz in London preisgibt.

Die Wachstumsmärkte erhalten einen noch stärkeren Stellenwert. Um neue Produkte auf die Kunden in den Schwellenländern auszurichten, plant Henkel sieben neue Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Indien, Korea, Russland, Südafrika, Brasilien und Mexiko. Bis 2016 sollen unter Henkels 20 umsatzstärksten Ländern zwölf aus den Schwellenländern sein.

Prozesse sollen standardisiert werden

Aber nicht nur bei den Marken und Märkten soll der 2008 gestartete Konzernumbau weiter gehen. Prozesse sollen standardisiert und damit noch schneller werden, um Kosten zu sparen. Die sogenannten Shared Service Centern, in denen Konzerndienstleistungen wie etwa das Rechnungswesen zusammengefasst sind, sollen um zwei auf sechs erweitert werden. Zudem setzt Henkel auf eine integrierte globale IT-Plattform sowie die Steuerung des Einkaufs über seine globalen Zentren. Außerdem soll die Zahl der Lieferanten um rund 40 Prozent gesenkt werden.

[image] dapd

Bei Henkel bleibt die Nachfrage nach Marken wie Persil, Schwarzkopf, Pritt oder Loctite weiter ungebrochen.

Es ist das zweite Mal, dass Rorsted dem Unternehmen einen ehrgeizigen Vierjahresplan verpasst. Die 2008 ebenfalls in London verkündeten Ziele für Ende 2012 haben die Düsseldorfer nach neun Monaten des laufenden Jahres beinahe erreicht. Damit konnte der Konsumgüterhersteller zu wichtigen Mitbewerbern aufschließen. Diese kämpfen zur Zeit mit erheblichen Problemen: Branchenprimus Procter & Gamble oder Colgate-Palmolive haben wegen des rückläufigen Geschäfts Sparprogramme in Milliardenhöhe aufgelegt.

Dass das Konzept von Henkel bislang aufgeht, zeigte sich auch im dritten Quartal. Dabei müssen sich auch die Düsseldorfer einem schwieriger werdenden Umfeld stellen. "Der Umsatz blieb leicht unter unseren Erwartungen", gab Rorsted zu. Die Rezession in Südeuropa machte sich auch hier bemerkbar, der Umsatz in Westeuropa stagnierte daher. Weltweit legten die Erlöse im dritten Quartal um 6,6 Prozent auf knapp 4,3 Milliarden Euro zu. Dabei profitierte Henkel von Preiserhöhungen, während das Volumen insgesamt stagnierte.

In der Profitabilität zu Mitbewerbern aufgeschlossen

Das Ergebnis legte erneut überproportional zu. Netto verdiente Henkel 397 Millionen Euro, 90 mehr als im Vorjahr. Die bereinigte EBIT-Marge stieg auf 14,7 Prozent und liegt damit über der Zielrendite von 14 Prozent, die Henkel für 2012 ausgegeben hat - das Unternehmen hat damit bei der Profitabilität zu Mitbewerbern wie L'Oreal aufgeschlossen.

Nach neun Monaten liegt Henkel damit über dem eigenen Plan. "Wir sind auf einem sehr gutem Weg und fest überzeugt, unsere Ziele für das Gesamtjahr 2012 zu erreichen", kommentierte Rorsted. Der Umsatz soll organisch um drei bis fünf Prozent zulegen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird etwa 15 Prozent höher gesehen. Diese Kennziffer hatte das Unternehmen erst im Sommer erhöht.

Dem Aktienmarkt ist dies angesichts der hohen Erwartungen im Vorfeld offensichtlich zu wenig: Die Aktie verlor im frühen Handel mehr als fünf Prozent auf 58,16 Euro. Analysten der DZ Bank bemängelten das Fehlen eines Margenziels. Allerdings ist die Aktie in diesem Jahr bereits seht gut gelaufen. Henkel legten seit Jahresbeginn um fast 32% zu und ließen damit den Dax deutlich hinter sich. Das deutsche Börsenbarometer kletterte nur um 19,5%. Selbst der Stoxx-Index der europaweiten Hersteller von Haushaltsgütern (Stoxx-Index Personal & Household Goods) konnte da nicht mithalten. Er schaffte nur magere 16,2% Prozent.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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