• The Wall Street Journal

Royal Bank of Scotland droht die Zerschlagung

    Von DAVID ENRICH und MAX COLCHESTER

Der Royal Bank of Scotland (RBS) droht die Zerschlagung. Wie der britische Schatzkanzler George Osborne am Mittwoch mitteilte, werde das Finanzministerium „dringlichst prüfen", ob die Großbank, die seit der Finanzkrise zu 81 Prozent verstaatlicht ist, in einen gesunden Teil und in eine sogenannte „Bad Bank" aufgespalten werden sollte. Die mögliche Radikalkur zeigt, wie frustriert die britischen Politiker sind, dass sie die Bankenkrise im Land auch nach fünf Jahren nicht hinter sich gelassen haben.

Reuters

Der britische Schatzkanzler George Osborne sprach beim feinen 'Lord Mayor's Dinner to the Bankers and Merchants of the City of London' am Mittwochabend offen über die mögliche Zerschlagung der Royal Bank of Scotland.

„Wir werden uns anschauen, ob es für Großbritannien sinnvoll ist die Royal Bank of Scotland aufzuspalten", sagte Osborne in seiner jährlichen Rede vor der Londoner Finanzgemeinde.

Die britische Regierung prüft gerade die Gesamtfinanzlage der Bank und dürfte damit im Herbst fertig sein. Ob die RBS tatsächlich aufgespalten werde, hänge letztlich aber davon ab, ob sich dadurch die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatleute verbessern würde und die Bank schneller wieder in Privathand überführt werden könne.

Zur Diskussion steht, einen relativ kleinen Teil der RBS in eine staatliche Gesellschaft zu überführen. Zu diesem könnte etwa die angeschlagene irische RBS-Tochter und ein großes Bündel gewerblicher Immobilienkredite gehören.

Osborne gestand in seiner Rede am Mittwoch auch Fehler ein. Er und andere führende Regierungsmitglieder hätten den gesunden Teil der Bank schon vor Jahren von maroden Teilen trennen müssen, sagte er. 2008 hatte die britische Regierung 45,8 Milliarden Pfund (rund 53 Milliarden Euro) Steuergeld in das Kreditinstitut gepumpt und damit größtenteils verstaatlicht. Vorerst sei jedoch nicht absehbar, dass die RBS wieder an private Eigentümer übergehen könnte.

Zudem signalisierte Osborne, dass die Bank aus Regierungssicht den Verkauf ihres US-Geschäfts Citizens Financial beschleunigen sollte. „Die Regierung hat kein strategisches Interesse daran, dass RBS eine der größten regionalen Banken in den USA besitzt", sagte er. RBS hatte Anfang des Jahres erklärt, sie wolle binnen zwei Jahren 25 Prozent ihrer US-Sparte verkaufen. Osborne forderte am Mittwoch jedoch, die Bank solle aus Citizens „aussteigen".

Zeitgleich zu Osbornes Rede bereitet sich die britische Finanzaufsicht Prudential Regulation Authority gerade auf die Veröffentlichung eines neuen Prüfberichts zur Gesundheit von acht britischen Banken vor. Sie wird am Donnerstagmorgen anprangern, dass bei den britischen Banken eine Kapitallücke von 25 Milliarden Pfund (rund 29 Milliarden Euro) klafft, für die nach Auskunft von Branchenvertretern vor allem die RBS und die Lloyds Banking Group verantwortlich sind.

Die Behörde hatte im März damit begonnen, die Banken einzeln zu bewerten, um sicher zu gehen, dass sie auch einer schwachen Konjunktur und weiteren Krisen in der Eurozone standhalten.

Die RBS benötige über 10 Milliarden Pfund, um die Vorgaben der Regulierungsbehörde zu erfüllen, sagte eine der informierten Personen. Lloyds habe einen Kapitalbedarf von bis zu 9 Millionen Pfund, sagte eine weitere Person. Die Bank habe diese Lücke aber schon zu drei Vierteln geschlossen und müsse in diesem Jahr nur noch rund 2 Milliarden Pfund an frischem Kapital aufbringen.

Lloyds, die während der Finanzkrise im Jahr 2009 ebenfalls vom Staat gerettet werden musste und nun zu 39 Prozent in Regierungshand ist, steht nach einem geschäftlichen Richtungswechsel wesentlich besser da als die RBS. Die Gewinne und Aktienkurse erholten sich wieder und liegen nun ungefähr auf Höhe des Preises, den die Regierung Anfang 2009 bezahlte.

Wie Schatzkanzler Osborne am Mittwoch mitteilte, überlege die Regierung beeits „aktiv", einige ihrer Lloyds-Aktien zu verkaufen. Es gebe allerdings noch keinen Zeitrahmen.

Kritik an exzessiver Einmischung des Staates

Über das Schicksal der RBS reden sich in Großbritannien viele die Köpfe heiß. Politiker und Volkswirte werfen der Bank vor, nicht genügend Kredite an Briten auszugeben, was in ihren Augen die wackelige britische Wirtschaft nur weiter belastet.

Auch sei Osborne immer stärker mit dem Vorstandschef der RBS, Stephen Hester, aneinandergeraten, weil sich die Bank von der Krise so langsam erholt, sagen Leute, die es wissen. Vergangene Woche hatte Hester seinen Rücktritt erklärt. Osborne erwiderte es mit einer Stellungnahme, in der er dessen Rückzug begrüßte.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss kritisierte jedoch am Mittwoch in einem neuen Bericht, dass sich die britische Regierung exzessiv in die internen Geschäfte der RBS eingemischt habe und forderte die Aufhebung einer unabhängigen Regierungsbehörde, welche die Bankenanteile der Regierung verwaltet.

Lange hatte sich die britische Regierung weitgehend aus dem Tun der RBS und Lloyds herausgehalten aus Angst, dass ihre politische Einmischung eine Rückführung in Privathand erschweren könnte.

Im vergangenen Jahr aber hätten Osborne und seine Mitarbeiter eine zunehmend aktive Rolle eingenommen und einen engeren Kontakt zum Management der Bank gepflegt, sagen Personen, die an den Gesprächen beteiligt sind. Demnach machte das Finanzministerium erfolgreich Druck auf Hester, das Investmentbanking der RBS noch zügiger zu verkleinern und einen Teil der US-Sparte Citizens zu verkaufen.

Trotzdem blieb der Frust über die stockende Erholung der RBS und den dahindümpelnden Aktienkurs groß. Der scheidende Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, bezeichnete den Umgang der Regierung mit RBS jüngst als „Unsinn" und forderte eine Zerschlagung der Bank. Bis vor kurzem aber sorgten sich Regierungsvertreter noch, dass ein solcher Schritt zu komplex sein würde.

—Mitarbeit: Margot Patrick

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