• The Wall Street Journal

Die neue Redseligkeit von Apple

    Von JESSICA E. LESSIN

Apple hat seine PR-Maßnahmen in letzter Zeit deutlich ausgeweitet – zumindest bisher. Vergangene Woche veröffentlichte das US-Unternehmen eine Pressemitteilung, in der man ankündigte, dass ein Update für das mobile Betriebssystem iOS ab sofort zum Herunterladen zur Verfügung stehe. Es war das erste Mal seit 2010, dass Apple eine offizielle Pressemitteilung für ein kleineres Software-Update herausgab.

Gleichzeitig haben Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung von Apple kürzlich damit begonnen, Journalisten mit Berichten von Marktforschern und anderen Unternehmen zu versorgen, die den Konzern in einem guten Licht dastehen lassen. So wurden unter anderem Ergebnisse einer Studie verschickt, die voraussagen, dass Apple im Unternehmensbereich bis 2014 so akzeptiert sein wird wie Microsoft heute. Apple – und fast die gesamte Konkurrenz – versorgen Journalisten von Zeit zu Zeit mit Berichten, die dem eigenen Konzern wohlgesonnen sind. Doch die fünf Berichte, die der iPhone-Hersteller seit Jahresbeginn verschickt hat, sind deutlich mehr als das, was in der Vergangenheit über den Presseverteiler in Cupertino abgesetzt wurde.

Reuters

Apple-Chef Tim Cook

Apple war schon immer dafür bekannt, ein Loblied auf sich selbst zu singen, wenn es nötig war. Pressemitteilungen wurden gerne verschickt, wenn ein neuer Meilenstein erreicht war, wenn ein neues Produkt vorgestellt wurde oder wenn bei den Quartalszahlen neue Rekorde gefeiert werden konnten.

Die jüngsten Entwicklungen sind also kein großer Richtungswechsel. Sie sind vielmehr ein Symbol dafür, dass die Konkurrenz aufholt. Das behauptet zumindest eine Person, die mit den Vorgängen vertraut ist. International kann Apple auch viel größere Erfolge erzielen. In Ländern wie China ist das Wachstum enorm. Apple-Chef Tim Cook gab im vergangenen Jahr chinesischen Medien ein Interview, als er das Land besuchte.

Seit Cook das Unternehmen 2011 übernommen hatte, ist der Apple-Chef den Weg seines Vorgängers weitergegangen. Unter Steve Jobs war Apple für seine Geheimniskrämerei und eine Kein-Kommentar-Politik bekannt gewesen. Auch heute ist der Konzern im Vergleich zu anderen Technologie-Firmen noch relativ verschwiegen. Mit Ausnahme einiger Interviews hat sich Cook nur selten öffentlich geäußert. Apple erlaubt es anderen leitenden Mitarbeitern auch heute noch sehr selten, mit Journalisten zu sprechen – von den anderen Angestellten ganz zu schweigen.

Investoren haben Apple in den vergangenen Monaten abgestraft. Das Wachstum hat sich verlangsamt und die Gewinne stagnieren. Der Aktienkurs ist von einem Rekordhoch im September 2012 um 35 Prozent gefallen. Und Wettbewerber wie Samsung setzen zum Überholen an. Mit schicken Produkten und jeder Menge Marketing wollen sie Apple vom Thron stoßen.

Dennoch bleiben die Verkaufszahlen des wichtigsten Apple-Produktes stark. Das zeigt eine Studie, die das Unternehmen kürzlich weitergeleitet hat. Mit dem iPhone konnte der US-Konzern im vierten Quartal die Konkurrenz aus Südkorea überholen. Apple verkaufte in den USA laut Strategy Analytics nun zum ersten Mal die meisten Mobiltelefone aller Unternehmen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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