• The Wall Street Journal

Surface Pro: Microsofts Leichtgewicht ist für ein Tablet zu schwer

    Von WALTER S. MOSSBERG

Unlike the original Microsoft Surface, the new Surface Pro allows you to run the Windows 8 desktop and pro apps. But, as Walt Mossberg tells us, one should consider its downsides before trying it as a replacement for a laptop. (Photo: Microsoft)

Microsoft bringt einen zweiten Computer heraus. Genau wie beim Vorgänger handelt es sich dabei um ein 10,6 Zoll großes Tablet mit Multitouch-Unterstützung. Das Gerät hat vieles, das man eigentlich von einem Laptop kennt. Es verfügt zum Beispiel über einen USB-Anschluss und eine Tastatur, die sich über Magnete am Rahmen befestigen lässt. Einen großen Unterschied zum ersten Microsoft-Tablet gibt es dann aber doch: Auf dem Surface Pro läuft eine Vollversion von Windows 8. Das macht sich allerdings bemerkbar: Das zweite Tablet aus Redmond ist schwerer und teurer als der Vorgänger, und auch der Akku macht eher schlapp.

Beide Tablets tragen die Bezeichnung Surface. Und auf den ersten Blick ähneln sie sich vom Aussehen her deutlich. Allerdings gibt es doch ein paar große Unterschiede. Das erste Surface erschien im Oktober. Bei ihm setzte Microsoft auf eine abgespeckte Windows-Version, genannt RT. Die verbauten Prozessoren liegen in etwa auf einem Leistungsniveau wie die der Konkurrenz. Als Ergebnis bedeutet das, dass zwar der neue Startbildschirm und die zugehörigen Apps von Windows 8 ohne Probleme laufen. Allerdings können nur vier normale Desktop-Programme eingesetzt werden – nämlich Microsoft Word, Excel, Powerpoint und Onenote. Weitere Desktop-Programme lassen sich nicht installieren.

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Das Surface Pro ähnelt dem RT in vielen Dingen. Allerdings hat es eine höhere Bildschirmauflösung, einen Stift und einen leistungsfähigeren Prozessor.

Das neue Surface trägt den Namen Surface Windows 8 Pro. Es wurde mit einem Intel-Prozessor ausgestattet, den man normalerweise nur in Laptops findet. Außerdem kommt auf dem Tablet die Pro-Variante von Windows 8 zum Einsatz. Dadurch lässt sich eine große Zahl normaler Windows 7-Programme ausführen. Und das wiederum bedeutet: Man kann das Surface Pro theoretisch wie einen vollwertigen Notebook-Ersatz nutzen – wenn man denn eines der dünnen Tastatur-Cover von einsetzen will.

Microsoft versteht das Pro als eine neue Form von Computer – als eine Mischung aus Tablet und Laptop. Mit dem Surface soll man nie wieder zwei Geräte mit sich herumschleppen müssen. Verkaufsstart ist am Samstag.

Das Surface Pro wird in den USA 899 US-Dollar in der Standardversion kosten. Das sind 400 Dollar mehr als die Basisversion des neuesten und größten iPad von Apple, aber auch 400 Dollar mehr als das Grundmodell des Surface RT. In Deutschland ist das Surface RT ab 479 Euro erhältlich. Einen Veröffentlichungstermin für die Pro-Variante gibt es noch nicht.

Microsoft

Das Pro ist dicker und schwerer als das RT.

Eine Tastatur-Hülle schlägt zusätzlich mit mindestens 130 Euro zu Buche. Damit dürfte man auch in Deutschland beim neuen Microsoft-Tablet schnell bei über 1.000 Euro landen.

Genau wie das Original-Surface ist auch das Pro ordentlich verbaut. Es verfügt über den gleichen innovativen Ständer, mit dem das Gerät auf einem Tisch aufgestellt werden kann. Alle Programme, die ich dem Surface zum Fraß vorwarf, ließen sich ohne Probleme installieren und schnell ausführen. Dazu gehörten Windows-7-Programme wie Microsoft Outlook, Chrome von Google, iTunes von Apple, der Adobe Reader und Twitters Tweetdeck.

Die Bildschirmauflösung liegt beim Pro deutlich über der des RT. Außerdem wird das Pro mit einem Stift ausgeliefert, den es beim RT nicht gibt, und der dort auch nicht funktionieren würde. Damit lässt sich viel einfacher navigieren, und man kann zum Beispiel bei Dokumenten Notizen hinzufügen. Außerdem verfügt das Surface Pro über Sicherheitsfunktionen, die besonders für den Unternehmensbereich interessant sein dürften. Auch diese finden sich bei RT nicht.

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Das Surface RT

Und trotzdem hat das Pro einige Nachteile – besonders als ein Tablet. Das erste Surface gefiel mir sehr gut. In meinen Augen ist es ein Tablet mit Bonus. Und der Bonus ist, dass sich einige Office-Programme von Microsoft ausführen lassen. Mit dem neuen Surface konnte ich mich jedoch nicht richtig anfreunden. Es ist zu schwer, zu teuer und es schluckt zu viel Strom. Damit kann es mit dem Marktführer – dem iPad von Apple - nicht mithalten. Außerdem lässt es sich auf dem Schoß nicht wirklich vernünftig bedienen. Es ist eine Zwischenlösung – ein eingeschränktes Tablet und ein eingeschränkter Laptop.

Das Pro wiegt 900 Gramm. Damit ist es zwar leichter als die meisten Laptops. Im Vergleich zu anderen Tablets ist es jedoch deutlich schwerer. Das schwerste iPad ist zum Beispiel 40 Prozent leichter als das Surface Pro und auch noch 40 Prozent dünner. Wegen dieses zusätzlichen Gewichts hatte ich große Probleme, das Pro mit Tastatur auf meinem Schoß zu verwenden. Da half auch die eingebaute Stütze wenig.

Surface Pro hält gerade einmal vier Stunden durch

Bei meinem Akku-Test versagte das Surface Pro. Wie immer hatte ich die Bildschirmhelligkeit auf 75 Prozent gestellt, alle Stromsparfunktionen deaktiviert, WLAN eingeschaltet und Videos abgespielt, die ich zuvor auf dem Gerät abgespeichert hatte. Das Resultat: Das neue Tablet hielt gerade einmal vier Stunden durch. Das waren weniger als die Hälfte der iPad-Laufzeit und drei Stunden weniger als beim Surface RT. Bei normalem Gebrauch würde man vermutlich auf fünfeinhalb Stunden kommen. Doch auch das ist noch ziemlich wenig für ein Tablet.

Wie beim RT benötigt Windows 8 auch auf dem Pro eine Menge Speicherplatz. Beim Basismodell mit 64 Gigabyte lassen sich laut Microsoft gerade einmal 30 Gigabyte verwenden. Bei der teureren Variante waren von 128 Gigabyte 90 Gigabyte tatsächlich für den Nutzer verfügbar. Microsoft verweist darauf, dass sich zusätzlicher Speicher per Speicherkarte hinzufügen lässt.

Im Gegensatz zum RT wird die Pro-Version nicht mit Microsoft Office ausgeliefert. Das kostet noch einmal extra – wie es bei den meisten Laptops der Fall ist. Und während die iPads und auch einige Android-Tablets per SIM-Karte mit dem Mobilfunknetz verbunden werden können, fehlt diese Funktion bei beiden Surface-Modellen. Allerdings lässt sich diese Funktion über einen Adapter nachrüsten. Der kostet jedoch noch einmal extra. Und wie die Modelle der Konkurrenz lässt sich auch das Surface drahtlos mit einem Mobiltelefon verbinden – und kann dieses dann als Modem nutzen.

Wenn man das Pro mit Tastatur und Halter auf einem Tisch verwendet, dann kommt das Gerät einem Laptop schon ziemlich nahe. Das liegt vor allem daran, dass es im Gegensatz zu iPads und Android-Tablets mit richtigen Desktop-Anwendungen zurechtkommt.

Doch wie bereits geschrieben ist das Surface nicht nur ein eingeschränktes Tablet, sondern auch ein eingeschränkter Laptop. Es gibt weniger Anschlussmöglichkeiten als bei einem Notebook, der Speicherplatz ist geringer und die Tastatur kann längst nicht mit den festverbauten mithalten, die man bei Laptops findet.

Vermutlich wird es ein paar Nutzer geben, denen Preis und Gewicht nicht so viel ausmachen. Sie werden anbringen, dass sie nun schließlich nur noch ein Gerät mit sich herumschleppen müssen. Aber so wie es bei vielen Produkten der Fall ist, die zwei Dinge auf einmal sein wollen, funktioniert das Surface Pro in jeder Kategorie längst nicht so gut, wie die Geräte, die speziell für eine davon entwickelt wurden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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