• The Wall Street Journal

Deutsche Bank suspendiert weitere Händler wegen Zinsmanipulationen

    Von MADELEINE NISSEN

Die Deutsche Bank kommt bei ihren internen Untersuchungen im Skandal um die Manipulation der Zinssätze Euribor und Libor voran. Nachdem bislang zwei Händler im Zusammenhang mit Libor-Manipulationen suspendiert worden sind, wurden nun fünf weitere Mitarbeiter freigestellt. Das sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Wall Street Journal Deutschland. Diese waren im Geldhandel auch für die Festsetzung des Euribor zuständig und auf niedrigen bis mittleren Hierarchiestufen angesiedelt, wie die Person sagte.

Die Deutsche Bank verwies auf die bisherige Stellungnahme, wonach sie Mitarbeiter mit einem „unangemessenen Verhalten" suspendiert oder entlassen hat. Die Führung der Bank wusste nichts von den Verfehlungen, hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner betont.

Die Aufsichtsbehörden in Deutschland, Großbritannien und den USA ermitteln mit Hochdruck, inwieweit Bankenmitarbeiter tatsächlich die Zinsen manipuliert haben. Auf den Euribor und Libor basieren Finanztransaktionen in Billionenhöhe. Bei den Ermittlungen gerät der Euribor zunehmend in den Fokus. Die Untersuchungen laufen in Deutschland seit Sommer vergangenen Jahres. Nachdem sich die RBS an diesem Mittwoch auf eine Strafzahlung von 613 Millionen US-Dollar geeinigt hat, wird als nächstes ein Ergebnis bei der Deutschen Bank erwartet.

Bei der RBS waren wohl 21 Mitarbeiter involviert. Der Chef des RBS-Investmentbanking, John Hourican, wird als Konsequenz seinen Hut nehmen. Die RBS hob hervor, dass Hourican an der mutmaßlichen Zinsmanipulation nicht beteiligt war. Bei der Deutschen Bank fallen die Verfehlungen unter den damaligen Bereich des jetzigen Co-Vorstandschefs Anshu Jain: das Investmentbanking.

Die schweizerische Großbank UBS hatte in dem Zusammenhang bereits 1,4 Milliarden Franken zahlen müssen, um sich freizukaufen. Die britische Bank Barclays war mit der Zahlung von rund 450 Millionen US-Dollar deutlich glimpflicher davongekommen.

Offiziell gibt es kaum Aussagen der Bank zu den Manipulationen. Sowohl bei der Pressekonferenz Ende Januar als auch bei der Anhörung vor dem Ausschuss des Bundestages waren die Aussagen des zuständigen Vorstands, Stephan Leithner, äußerst knapp. Das ist verständlich: Jede Aussage kann gegen die Bank verwendet werden. Auch wenn sie sich mit den Behörden auf Strafzahlungen einigt, ist das noch lange nicht das Ende vom Lied. Vor allem in den USA scharen klagefreudige Investoren, die sich durch die Manipulationen geschädigt sehen, schon mit den Füßen.

In Deutschland sorgte eine Klage von Metzler Investment bereits im Herbst 2011 für Schlagzeilen. Das Investmenthaus hatte sich einer Sammelklage mit anderen Kapitalanlagegesellschaften angeschlossen, die sich gegen mehr als zwanzig Institute in den USA richtet. Zu den beklagten Instituten gehört auch die Deutsche Bank. Der Fall läuft noch.

Indes versucht die Deutsche Bank wenigstens an anderer Stelle Geld zu sparen. Sie will im Libor-Skandal Bonuszahlungen in Millionenhöhe so lange einfrieren, bis Klarheit herrscht. So hat die Bank einen der verdächtigen Händler nicht nur entlassen, sondern auch Bonuszahlungen an ihn von 40 Millionen Euro auf Eis gelegt. Das sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Eine Gruppe um den Händler Christian Bittar war bei der Deutschen Bank nach Angaben eines Insiders für Geschäfte zuständig, die sich auf wichtige Zinssätze wie Libor oder Euribor bezogen. Bittar soll auch versucht haben, sich mit Händlern anderer Banken zusammenzutun, um diese Zinssätze zu beeinflussen.

Händler wie er wurden prozentual an den Gewinnen beteiligt, die sie der Bank einbringen. Die Entlohnung wurde üblicherweise zeitlich gestreckt: Der Bonus bestand aus einem Baranteil und Aktienanteilen, die über drei Jahre ausbezahlt wurden. Die Deutsche Bank schloss den Bereich des Eigenhandels, in dem Bittar arbeitete, Ende 2008. Er war einer von zwei Händlern, die 2011 schon in Verbindung mit den versuchten Manipulationen entlassen wurden.

—Mitarbeit: Laura Stevens

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Fußball-WM

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen