• The Wall Street Journal

Pensionsfonds verabschieden sich von Rohstoff-Indizes

    Von IANTHE JEANNE DUGAN

Pensionsfonds und andere Institutionen ziehen sich aus populären, mit Rohstoffen verknüpften Investments zurück, nachdem sie gemerkt haben, dass diese nur wenig dabei helfen, ihre Portfolios gegen Inflationsrisiken und schwankende Aktienmärkte abzusichern.

Investoren haben in den vergangenen zwei Jahren fast zehn Milliarden US-Dollar aus handelbaren Indizes herausgezogen, die mit Energie, Nahrungsmitteln, Metallen oder anderen Rohstoffen verknüpft sind. Jetzt steckten darin noch rund 133 Milliarden Dollar, sagt Kevin Norrish, Managing Director bei Barclays .

Der Trend hat sich in diesem Jahr noch verstärkt, sagen Analysten und Anleger, angetrieben durch geringe Renditen und die drohende schärfere Regulierung in den USA, die diese Investments komplizierter und teurer macht. Diese Umkehr könnte die Art und Weise, wie heute Rohstoffe gehandelt werden, beeinflussen und die großen Preisschwünge vergangener Tage in nahezu allen Rohstoffsegmenten von Getreide über Benzin bis zu Gold dämpfen, sagen Volkswirte.

Reuters

Indizes auf alle möglichen Rohstoffe wie Öl, Gold, Sojabohnen (Foto) oder Kupfer waren lange Zeit bei großen Investoren beliebt. Aber sie hielten nicht, was sie versprachen. Jetzt ziehen sich große US-Pensionsfonds daraus zurück.

Zu denen, die einen Rückzieher machen, gehört auch Calpers, der Pensionsfonds für die Angestellten das Bundesstaates Kalifornien. Der größte Pensionsfonds der USA hat im Oktober 55 Prozent seiner Anlagen in Rohstoffindizes verkauft. Die Bilanz war nicht sehr erbaulich: In den fünf Jahren, in denen sie gehalten wurden, haben sie jährlich im Schnitt acht Prozent verloren, wie aus dem jüngsten Fondsbericht hervorgeht. Jetzt ist Calpers nur noch mit rund 1,5 Milliarden Dollar in Rohstoffindizes investiert, das sind 0,6 Prozent des Gesamtportfolios. Das erlöste Geld sei stattdessen in inflationsgeschützte Anleihen gesteckt worden, sagte ein Sprecher.

Calpers war früher einer der ersten Fonds, die in Indizes investierten, die die Preisentwicklung von Metallen, Weizen, Öl und anderen Rohstoffen nachvollziehen. Andere folgten ihm in einen Markt, von dem vor zehn Jahren noch kaum jemand sprach. Steckten darin laut Barclays 2008 noch lediglich 65 Milliarden Dollar, waren es Ende 2010 schon 155 Milliarden.

Das Geld kam vorwiegend von großen institutionellen Anlegern wie Pensions- und Universitätsfonds, die Rohstoffe als Mittel zur Diversifikation sowie als Absicherung gegen Inflationsrisiken nutzen wollten. Rohstoffe hatten traditionell eher geringe Renditen abgeworfen. Meist entsprachen diese der allgemeinen Teuerungsrate, ließen sich aber auch nicht von den großen Schwankungen an den Aktien- und Anleihemärkten anstecken.

Auch Rohstoffindizes spielten verrückt

Aber das neue Geld stellte den Markt auf den Kopf. Viele Rohstoffpreise bewegten sich nun jenseits der traditionellen Muster von Angebot und Nachfrage. Manche Volkswirte machten dafür die neuen „Indexspekulanten" dafür verantwortlich, die an den zugrundeliegenden Rohstoffen überhaupt kein Interesse hatten.

Landwirte, Fluggesellschaften, Ölkonzerne sowie andere Produzenten und Käufer hatten immer mehr Probleme, Future-Kontrakte für ihren eigentlich Zweck zu nutzen: sich selbst vor Preisschwankungen zu schützen.

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Die US-Regierung hatte immer wieder mal versucht, die Rohstoff-Investments von reinen Spekulanten zu erschweren. Erfolge könnte jetzt das neue Finanzmarktreform-Gesetz bringen, denn es erhöht die Kosten und verkompliziert das Handeln, weil Wall Street Händler jetzt ihre Derivate-Transaktionen über eine Clearingstelle abwickeln müssen, und nicht mehr allein unter sich abmachen dürfen. Das betrifft auch Derivate auf Rohstoffindizes.

Die Indizes selbst werfen unterdessen noch geringere Renditen als früher ab und erlebten plötzlich genau die Berg- und Talfahrten, die die Investoren eigentlich vermeiden wollten. Im Mai hat der Lehrer-Pensionsfonds des Bundestaates Illinois die "Volatilität von Rohstoffinvestments" als Begründung dafür angeführt, warum er 800 Millionen Dollar aus dem 3,5 Milliarden Dollar schweren Gesamtportfolio umgeschichtet hat, um "Strategien zu verfolgen, die den Fonds besser vor Inflation schützen".

Die Performance-Probleme zeigen sich vor allem im S&P-GSCI, der früher unter dem Namen Goldman Sachs Commodity Index bekannt war. Dieser Benchmark-Index stützte sich auf einen Korb von Rohstoffen aus den Bereichen Energie, Edel- und Industriemetalle sowie landwirtschaftliche Produkte. Er sank in den vergangenen fünf Jahren um rund ein Drittel, während die Inflation bei über als sechs Prozent lag. Diejenigen, die in einen anderen beliebten Index investiert hatten, den Dow Jones-UBS Commodity Index, verloren im gleichen Zeitraum ungefähr ein Viertel.

Hoher Anteil von Spekulanten im Rohstoffmarkt

Die Verluste sind teilweise auch auf die Funktionsweise von Rohstoffkontrakten zurückzuführen. Anders als Aktien laufen diese regelmäßig aus, zumeist monatlich oder vierteljährlich. Dann müssen sie in einen später auslaufenden Kontrakt ‚übergerollt' werden. Dabei fallen zumeist so genannte Rollverluste an, weil die neuen Kontrakte oftmals teurer sind als ihre Vorgänger.

Der Anteil der Spekulanten macht in einigen Rohstoffen mehr als die Hälfte aller Future-Kontrakte aus, berichtet die Commodity Futures Trading Commission. Aber die Anzeichen für eine Abkühlung mehren sich. Im April 2012 zum Beispiel hielten Investoren 225.869 Kontrakte auf Weizen, der in Chicago gehandelt wird, ein Rekord. Jetzt ist die Zahl auf 144.487 „Chicago- Weizen"-Kontrakte gesunken, der tiefste Stand seit mehreren Jahren.

„Die Wende von Calpers und dessen Ausstieg senden ein Signal an andere Institutionen", sagt David Frenk, Forschungsleiter bei Better Markets aus Washington, die sich für eine Reform der Finanzmärkte stark macht. „Da beginnt ein großer Wandel." Die Gruppe gehört schon lange zu den Kritikern von Indexinvestments. Ihrer Ansicht nach riskieren Pensionsfonds damit Verluste und beeinflussen die Preise der zugrundeliegenden Rohstoffe.

Frenk flog im November 2010 nach Kalifornien, um den Staatlichen Lehrerpensionsfonds davon abzuhalten, wie geplant rund 2,5 Milliarden Dollar in Rohstoffe zu investieren, darunter auch den DJ-UBS, wie ein Protokoll des Treffens zeigt. Letztlich teilte der Fonds der Anlageklasse nur 150 Millionen Dollar zu, investierte das Geld aber nicht. Da der Index seit dem Treffen um 13 Prozent gefallen ist, schätzt Frenk, dass der Fonds rund 300 Millionen Dollar gespart hat.

Auch der Feuerwehr-und Polizeipensionsfonds Los Angeles, der fünf Prozent seines 15,2 Milliarden Dollar schweren Portfolios für Rohstoffe avisiert hat, hält sich zurück. Bisher hat er lediglich in börsengehandelte Rohstoffunternehmen investiert. „Wir sind nicht in Indizes gegangen", sagt Investmentchef Tom Lopez, „aber wir planen den Einstieg".

Die Investments in Indizes gehen in diesem Jahr weiter zurück, glaubt auch Michael Lewis, Analyst bei der Deutschen Bank. „Die Rolle von Rohstoffen als Diversifikationsstrategie steht wegen der extremen Marktanspannungen in Frage."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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