• The Wall Street Journal

Die Mammutaufgabe für Irlands Bad Bank

    Von SARAH KROUSE

Als Irland im Jahr 2009 eine Bad Bank für in Not geratene Immobilienwerte einrichtete, war das Urteil der Kritiker harsch. Sie hatten kaum Hoffnung, dass die Immobilien und Kredite mit einem Bilanzwert von 74 Milliarden über den langen Zeitraum von zehn Jahren gewinnbringend abgestoßen werden konnten.

Reuters

Die Battersea Power Station in London wurden an malaysische Investoren verkauft

Drei Jahre später fühlen sie sich immer noch im Recht: Denn die Immobilienpreise in Irland sind seitdem weiter gesunken. Gleichzeitig werden die Verkaufsbemühungen oft von der Bürokratie ausgebremst, und die Betriebskosten der Bad Bank betrugen im Jahr 2012 stolze 120 Millionen Euro. „Das ist das schlimmste Szenario", sagt Constantin Gurdgiev, Volkswirt aus Dublin. Er fordert, den Verkaufsprozess deutlich zu beschleunigen. „Die Qualität der Vermögenswerte, die von der Nama gehalten werden, verschlechtert sich zusehends."

Aber die umstrittene nationale Vermögensverwaltungsagentur Nama hat auch Fürsprecher in der Immobilienbranche. Sie glauben, dass die Bad Bank das Beste aus einer schwierigen Situation gemacht hat, und sehen Zeichen dafür, dass die Arbeit der Agentur den Markt schon wieder so weit stabilisiert hat, dass die Zahl der Transaktionen von Privatunternehmen wieder ansteigt.

Die Nama will 2013 Vermögenswerte über bis zu 3,5 Milliarden loswerden. „Wir haben es jetzt mit Leuten zu tun, die wirklich Ahnung von dem haben, was sie tun", sagt Richard Stanley vom Immobiliendienstleister Jones Lang Lasalle. „Wir sehen definitiv Belege dafür, dass die Probleme angepackt werden."

Eine gewaltige Aufgabe

Die Führung der Nama war nicht zu einem Interview bereit. Aber im Januar hat die Bad Bank erklärt, dass sie bisher mit Verkäufen 6,9 Milliarden Euro erlöst hat und sich damit im Plan befindet. Bis 2020 sollen die Kosten für die Immobilienwerte und die Betriebskosten wieder herausgeholt werden. Ein Sprecher der Nama erklärte per E-Mail, dass die durchschnittliche Zeit, bis eine Kreditentscheidung gefällt werde, weniger als fünf Tage betrage. Geschäftsabschlüsse benötigten sechs Monate, was im Markt üblich sei. „Der Vorwurf, dass die Nama zu bürokratisch ist, hält einer ernsthaften Überprüfung nicht stand", schreibt er.

Selbst die Kritiker gestehen ein, dass die Aufgabe der Bad Bank gewaltig ist. Sie wurde auf Empfehlung des irischen Finanzministers 2009 eingerichtet, noch vor dem Rettungspaket von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds im folgenden Jahr. Zu Beginn erwarb die Nama Vermögenswerte von fünf Banken: Allied Irish Banks, Anglo Irish Bank, Bank of Ireland, Irish Nationwide Building Society und der EBS Building Society.

Für die Immobilien und Kredite mit einem Bilanzwert von 74 Milliarden Euro zahlte die Nama nur 32 Milliarden – und das mit Staatsanleihen. Aber selbst dieser Rabatt war nicht genug. Kurz nach der Einrichtung der Behörde beschwerte sich ihr Chef Frank Daly, man habe ihm weisgemacht, dass 40 Prozent der übernommenen Kredite Einkommen produzierten. Tatsächlich waren es nur etwa 25 Prozent.

Die Beamten der Nama seien zudem erstaunt gewesen, dass die Banken nicht alle juristischen Möglichkeiten genutzt hatten, um aus den faulen Krediten Geld zu holen. „Die Banken haben eine erstaunliche Großzügigkeit gegenüber den Schuldnern gezeigt", sagte Daly.

Als erstes verkaufte die Nama Filetstücke wie die Battersea Power Station in London. Eine Gruppe Investoren aus Malaysia erwarb das markante frühere Kraftwerk im vergangenen Sommer für 400 Millionen Pfund, etwa 460 Millionen Euro. Von allen Verkäufen im Jahr 2012 betrafen zwei Drittel Immobilien in London, dem stärksten Markt in Europa.

„Eine sehr lange und teure Strategie für den irischen Steuerzahler"

Aber das meiste Vermögen der Nama steckt in Irland, und dieser Markt schwächelt weiter. Der Index zu irischen Immobilienpreisen, den Jones Lang Lasalle erstellt, lag Ende 2012 bei 5.651 Punkten. Im Dezember 2009 waren es noch 5.702 Punkte. Dazu machen Gerichtsverfahren der Nama des Leben schwer.

Einige Anleger und Broker, die mit der Nama zusammengearbeitet haben, beschweren sich über die Bürokratie dort. „Uns gegenüber waren sie ehrlich und fair", sagt Marc Mogull von der britischen Private-Equity-Firma Benson Elliot, die der Nama ein Grundstück in London abkaufte. „Der Nachteil ist, dass die langsam und schwerfällig sein können. Ihre internen Strukturen machen es ihnen manchmal schwer, sich flexibel zu zeigen."

Kritiker sagen auch, dass die Nama mit ihrer Langsamkeit den gesamten irischen Immobilienmarkt ausbremst. „Man kann auf den Vermögenswerten sitzen bleiben und warten, wie sich die Welt dreht. Aber das ist eine sehr lange und teure Strategie für den irischen Steuerzahler. Oder man nimmt die Dinge, wie sie sind, und nimmt Kapital von jemand anderem an Bord", sagt Volkswirt Peter Bacon, der die irische Regierung bei der Einrichtung der Nama beraten hat.

Aber die Verteidiger der Bad Bank führen an, dass der Schaden am Markt noch größer wäre, wenn die Nama ihre Immobilien zu schnell verkauft. Bei solch einer Taktik könnte ein weiteres Rettungspaket durch die Steuerzahler fällig sein und Privatanleger aus dem Markt vertreiben.

Diese finden allmählich den Weg zurück nach Irland. „Der Markt ist neu gestartet", sagt Mark Bailie, der die Bemühungen der Royal Bank of Scotland leitet, ihr Immobilienportfolio abzubauen. „Alle glauben jetzt daran, dass Irland ein disziplinierter Markt ist."

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