• The Wall Street Journal

Daimler bleibt hinter BMW und Audi zurück

    Von NICO SCHMIDT und ILKA KOPPLIN

Der Automobilkonzern Daimler hat das selbsternannte Übergangsjahr 2012 mit gemischtem Erfolg hinter sich gebracht. Zwar verkaufte der Traditionskonzern im vergangenen Jahr so viele Fahrzeuge wie nie zuvor und steigerte den Umsatz, der operative Gewinn konnte jedoch nicht Schritt halten und gab nach. In diesem Jahr treten die Stuttgarter wohl auf der Stelle und rechnen mit einem konzernweit stagnierenden Ertrag, weil bei der Luxusauto-Tochter Mercedes-Benz wohl weniger hängenbleiben wird. Erst 2014 wird es dann voraussichtlich wieder aufwärts gehen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigte sich entsprechend nur bedingt zufrieden: "Das abgelaufene Geschäftsjahr war für Daimler insgesamt ein starkes Jahr mit vielen Erfolgen, aber auch mit erkennbarem Verbesserungspotenzial", sagte er in Stuttgart. Das Unternehmen sei dem eigenen Anspruch bei Ergebnis und Rentabilität nicht gerecht geworden.

Insgesamt erwirtschaftete der im Dax notierte Konzern 2012 dank um 4 Prozent gestiegener Verkäufe einen Umsatz von 114,3 Milliarden Euro - ein Plus von 7 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel um 2 Prozent auf gut 8,6 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis legte hingegen um 8 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Das lag vor allem an einem positiven Sondereffekt: der Trennung von einem Teil der Beteiligung am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS . Der kurz vor dem Jahreswechsel nach langem Hin und Her festgezurrte Verkauf spülte einen Sonderertrag von 709 Millionen Euro in die Kassen der Schwaben. Das reine operative Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft sank auf rund 8,1 Milliarden von zuvor knapp 9 Milliarden Euro.

dapd

Eine C-Klasse wird im Mercedes-Werk in Sindelfingen an einem der Produktionsbänder transportiert.

Wie die ganze Branche hat auch Daimler mit hohen Investitionen in Produkte, Werke und Technologien zu kämpfen. Deshalb, und weil der zunehmend härtere Wettbewerb auf dem Gewinn lastet, hatten sich die Stuttgarter im Herbst von ihrer Ertragsprognose verabschiedet und peilten seither nur noch ein rein operatives Ergebnis von rund 8 Milliarden Euro an. Mit den nun vorgelegten Jahreszahlen schnitt Daimler etwas besser ab als von Analysten erwartet.

Schwach lief es vor allem in der Pkw-Sparte: Mercedes-Benz verkaufte mit 1,42 Millionen Autos 4,5 Prozent mehr als im Jahr davor und so viele wie nie, blieb damit aber deutlich hinter der Konkurrenz zurück. BMW und Audi verbuchten zweistellige Zuwachsraten. Die Umsatzrendite sank wegen der hohen Investitionen und des schärferen Wettbewerbs auf 7,1 Prozent von 9 Prozent im Vorjahr. Auch damit hinkt Daimler wohl hinter den Rivalen her, die in den kommenden Wochen ihre Jahreszahlen veröffentlichen werden.

Der Grund dafür, dass die Schwaben momentan nur die Rücklichter von BMW und Audi sehen, ist vor allem die Schwäche von Mercedes-Benz auf dem immens wichtigen chinesischen Markt. Wegen Lieferschwierigkeiten und ineffizienten Vertriebsstrukturen steigerte der Konzern den Absatz im Reich der Mitte nur leicht, während die Konkurrenten deutlich zweistellige Zuwächse verbuchten. In den vergangenen Wochen unternahm Daimler aber Einiges, um der Probleme auf dem mittlerweile wichtigsten Markt der Welt Herr zu werden: Im Vorstand wurde ein China-Ressort geschaffen, die Vertriebsstruktur wurde vereinheitlicht und man kaufte sich beim chinesischen Joint-Venture-Partner BAIC ein. Zetsche zeigte sich zuversichtlich, dass die Änderungen greifen werden - auch wenn das wohl noch etwas dauern wird.

Im Branchenvergleich sind das aber eher Luxusprobleme. Denn auch wenn Daimler wohl hinter den Konkurrenten zurückbleiben wird, hebt sich das gesamte Premiumsegment deutlich von vielen im Massensegment tätigen Autobauern ab. Vor allem vorrangig in Europa aktive Hersteller wie Peugeot und Opel schreiben tiefrote Zahlen. Stellenstreichungen und sogar Werksschließungen sind geplant. Der europäische Markt steckt mittlerweile seit vielen Jahren in einer tiefen Krise, die sich durch die überbordende Schuldenlast einiger Staaten zuletzt zusätzlich verschärfte. In diesem Jahr dürften die Neuzulassungen auf das niedrigste Niveau seit Anfang der 1990er Jahre zurückfallen.

Etwas besser lief es für Daimler 2012 dagegen in der Nutzfahrzeugsparte: Bereits im November wurde der Vorjahresabsatz eingefahren. Auf Gesamtjahressicht legten die Verkäufe um 9 Prozent auf 462.000 Fahrzeuge zu und mit ihnen der Umsatz in gleicher Höhe. Die starke Nachfrage aus Nordamerika hatte das schwache Geschäft in Europa und den Absatzeinbruch auf dem wichtigen brasilianischen Markt, wo Subventionen gestrichen worden waren, kompensiert. Weil Daimler jedoch auch hier massiv in neue Produkte investiert hat und wegen der schwachen Entwicklung auf einigen wichtigen Märkten fiel die Umsatzrendite auf 5,5 von 6,5 Prozent im Vorjahr.

Auch bei den Konkurrenten Scania und Volvo war 2012 von jedem erlösten Euro deutlich weniger übrig geblieben. Der deutsche Nutzfahrzeugrivale MAN wird sich am Freitag in die Jahresbilanz schauen lassen.

Die Daimler-Aktionäre sollen das schwache operative Geschäft aber nicht zu spüren bekommen: Die Dividende soll wie auch im Vorjahr bei 2,20 Euro je Anteilsschein liegen. Die Kontinuität unterstreiche die Attraktivität der Aktie, sagte Finanzchef Bodo Uebber. Das kommt an der Börse gut an: Die Aktie gehört mit einem Plus von 2,7 Prozent zu den stärksten Werten im Dax.

Nach Spekulationen über eine Senkung der Dividende in den vergangenen Wochen war die Bestätigung für Michael Punzet von der DZ-Bank eine leicht positive Überraschung. Der Ausblick auf das laufende Jahr, der auf einer zuversichtlicheren Einschätzung der weltweiten Automobilabsätze basiere, könnte sich aber als zu optimistisch erweisen.

Der Automobilkonzern Daimler hat das selbsternannte Übergangsjahr 2012 mit gemischtem Erfolg hinter sich gebracht.

Analysten der National-Bank beurteilen die Ziele für das laufende Jahr als realistisch, aber nicht sehr ambitioniert. Neue Mercedes-Fahrzeuge der E- und S-Klasse dürften die diesjährigen Margen stützen.

Für dieses und das nächste Jahr erwartet Daimler einen kontinuierlich zunehmenden Absatz und Umsatz. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll sich ab der zweiten Jahreshälfte erholen und am Jahresende in etwa auf dem Niveau von 2012 liegen. Im Pkw-Geschäft wird der Gewinn dagegen etwas schmaler ausfallen, da die hohen Investitionen belasten. Vor allem das erste Quartal werde wohl schwach ausfallen, sagte Uebber.

2014 und in den Jahren danach soll der Gewinn dank der eingeleiteten Sparmaßnahmen, effizienterer Strukturen und der gestarteten Produktoffensive bei Mercedes-Benz dann wieder zulegen. Alleine bis 2020 will Mercedes-Benz 13 neue Modelle auf den Markt bringen, um die Krone im Luxussegment zurückzuerobern. Ab dem kommenden Jahr erhofft sich Zetsche, den Rückstand auf BMW und Audi verkürzen zu können.

Kontakt zu den Autoren: nico.schmidt@dowjones.com und ilka.kopplin@dowjones.com

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