• The Wall Street Journal

Hochtief will Teile des Europa-Geschäfts loswerden

    Von NATALI SCHWAB

Die neue Hochtief -Führung denkt anscheinend über Teilverkäufe im schwächelnden Europageschäft nach. Nach Informationen der Zeitungen der WAZ-Mediengruppe aus dem Umfeld des Baukonzerns erwägt der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes den Verkauf von Geschäftsbereichen mit 6.200 Mitarbeitern.

Betroffen wären danach die Servicesparte innerhalb des Konzernbereichs Hochtief Solutions mit 6.000 Beschäftigten und das Geschäft mit der Projektentwicklung mit 200 Angestellten. Der Markt nimmt die Möglichkeit positiv auf: Der Kurs steigt am Vormittag um 1,8 Prozent auf 48,32 Euro.

Ein Hochtief-Sprecher sagte zu dem Bericht, die Strategieprüfung sei „noch nicht abgeschlossen", eine Entscheidung daher noch nicht gefallen.

Derzeit werden alle Bereiche durchleuchtet. Fernandez Verdes, der vom spanischen Großaktionär ACS kommt, will den Essener Baukonzern stärker auf Rendite trimmen. Die hat in den vergangenen zwei Jahren empfindlich gelitten. Details der neuen Strategie sollen zur Bilanzpressekonferenz am 28. Februar vorgestellt werden.

dapd

Ein Schild der Abteilung Projektentwicklung der Hochtief auf einer Baustelle in Essen - das Geschäft könnte wie die Servicesparte bald verkauft werden.

Die von vielen befürchtete Zerschlagung von Hochtief hatte er allerdings ausgeschlossen. Hochtief solle ein deutsches, börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Essen bleiben, hatte der Manager wiederholt erklärt.

Hochtief Solutions kämpft bereits seit längerem mit Ertragsproblemen. Sinkende Auftragseingänge, Projektverzögerungen, der teure Flop der Hamburger Elbphilharmonie sowie die Hängepartie um den Verkauf der Immobilientochter Aurelis belasten das Geschäft. Seit längerem wird über einen Stellenabbau spekuliert.

In der Sparte sind seit 2011 das europäische Baugeschäft sowie die Bereiche Real Estate und Services gebündelt. Die Bereiche sollten dadurch stärker integriert und verzahnt werden.

Die Analysten von Keppler Research erwarten, dass sich Fernandez Verdes auf die beiden strategischen Felder Bau und Infrastruktur in den Regionen USA, Asien-Pazifik und Europa konzentrieren wird und den Rest als Randgeschäfte zum Verkauf stellt. Dies wären neben den genannten Bereichen Service und Projektentwicklung auch die Flughafenbeteiligungen und die Immobiliensparte Aurelis. Diese standen ebenso wie das Projektgeschäft mit Partnern der öffentlichen Hand bereits schon einmal zum Verkauf, fanden aber keine Abnehmer. Auch hier rechnen Analysten mit einer Wiederaufnahme der Verkaufsverhandlungen.

Vor zwei Tagen hatte der Arbeitsdirektor und Sprecher von Hochtief Solutions, Bernd Romanski, das Unternehmen verlassen - "unterschiedliche Auffassungen" waren der Grund dafür. Er war zuständig für das Dienstleistungsgeschäft sowie für die Projekte mit der öffentlichen Hand.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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