• The Wall Street Journal

Carney enttäuscht Hoffnungen auf neue BoE-Politik

    Von HANS BENTZIEN

Der designierte Gouverneur der Bank of England (BoE), Mark Carney, hat Hoffnungen auf einen radikalen Politikwechsel der Notenbank gedämpft, zugleich aber eine größere Flexibilität bei der Verfolgung des Inflationsziels befürwortet. Bei seiner Anhörung im Finanzausschuss des Unterhauses forderte Carney eine rasche Überprüfung des geldpolitischen Handlungsrahmens, erteilte aber einem Wachstumsziel für die BoE eine Absage. Das Pfund legte spürbar zu.

Reuters

Mark Carney soll neuer Chef der Bank of England werden.

Bei einer Anhörung sagte Carney, er sei wie auch Schatzkanzler George Osborne der Ansicht, dass die Hürden für die Änderung des geldpolitischen Handlungsrahmens zu Recht hoch lägen. Im Vorfeld war spekuliert worden, dass Carney eine Ausrichtung der Geldpolitik an einem Wachstumsziel anstreben könnte. Doch der derzeit noch als Gouverneur der Bank of Canada (BoC) fungierende Carney sagte, das flexible Ansteuern von Inflationszielen stelle den wirksamsten geldpolitischen Handlungsrahmen dar.

Carney, der Amtsinhaber Mervyn King im Sommer beerben wird, wird nachgesagt, mit seiner Politik Kanada gut durch die Finanzkrise gebracht zu haben. Nach seiner überraschenden Nominierung durch die britische Regierung hatte er Sympathien für eine Geldpolitik geäußert, die sich nicht an einem Inflations-, sondern einem Wachstumsziel orientiert.

An den Finanzmärkten hatte das Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik genährt, da Großbritanniens gesamtwirtschaftlicher Ausstoß immer noch um drei Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegt. Seit sie ihre Staatsanleihekäufe im Oktober 2012 beendete, hat die BoE auf eine zusätzliche Stimulation der Wirtschaft verzichtet.

Auf Nachfrage erklärte Carney im Finanzausschuss, zwar habe die Ansteuerung eines bestimmten Wirtschaftswachstums Vorteile, doch funktioniere diese Methode nur, wenn die Menschen sie verstünden. Das nominale Bruttoinlandsprodukt sei schwer erklärbar, fügte er hinzu.

Carney machte in der Anhörung klar, dass er weitere geldpolitische Maßnahmen für notwendig hält. Allerdings wird die BoE dabei von einer hartnäckig hohen Inflation behindert. Die BoE verfolgt derzeit ein Inflationsziel von zwei Prozent, das aber ungeachtet der schwachen Wirtschaft seit Jahren verfehlt wird. Zuletzt stiegen die britischen Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 2,7 Prozent.

Würde die BoE mehr Zeit beim Erreichen des Inflationsziels eingeräumt, könnte sie ihre Geldpolitik weiter lockern. Carney sagte, der geldpolitische Handlungsrahmen sollte so schnell wie möglich überprüft werden, weil das die Unsicherheit verringere. Die Konditionierung der Geldpolitik, wie die US-Notenbank sie betreibe, verdiene Beachtung, sagte er.

Das Pfund legte zu Beginn der Anhörung um knapp einen US-Cent zu. Später allerdings gab es die Hälfte seiner Gewinne wieder ab.

—Mitarbeit: Alex Brittain und Jason Douglas

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australisches Luxus-Farmhaus mit italienischem Flair

    Blick auf den Pazifischen Ozean, eigene Nussplantage und Paradiesvögel im Garten bietet dieses australische Luxus-Farmhaus in Nähe der Byron-Bucht. Für echt italienisches Lebensgefühl sorgt der eigene Pizzaofen im Hof.

  • [image]

    Tiere – Die Geheimwaffe der Tech-Konzerne

    Viele Produkte von Tech-Firmen sind schwer verständlich für Laien. Die Unternehmen haben es darum oft nicht leicht, für sich zu werben. Etliche setzen auf Tiere, um ihre Marke bekannt zu machen. Wir stellen 30 von ihnen vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 31. Juli

    Wasser marsch: in Frankreich spielten Kinder am Donnerstag an Springbrunnen, in Deutschland strömten Urlauber ins Freibad und in Indien trotzten Anwohner einem Wolkenbruch. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: Im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städten die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.