• The Wall Street Journal

Idaho will Wolken besteuern

    Von STEVEN D. JONES

Immer mehr Unternehmen setzen auf Softwaredienste in der Cloud. Sie haben herausgefunden, dass sich damit Kosten sparen lassen. Was die Firmen jedoch nicht wussten: Zumindest im US-Bundesstaat Idaho könnten dadurch jetzt höhere Steuerabgaben für sie anstehen.

Zahlreiche Unternehmen stehen in Idaho im Mittelpunkt neuer Überprüfungen. Grund ist eine kürzlich getroffene Entscheidung der Steuerverwaltung des Bundesstaates. Auf Software-Abonnements, die online vertrieben werden, fallen neuerdings Steuern an. Diese Entscheidung war eine Überraschung. Bisher verlangt Idaho für Dienstleistungen nämlich keine Steuern - vom professionellen Handwerker über den Steuerberater bis zum Taxifahrer waren sie alle von den sechs Prozent Umsatzsteuer befreit.

[image] Lake County Museum/Getty Images

Idaho ist nicht der erste US-Bundesstaat, der Steuern auf Cloud-Dienste eingeführt hat.

Idaho ist nicht der erste US-Bundesstaat, der Steuern auf Cloud-Dienste eingeführt hat. Seit Ende 2009 haben Arizona, Indiana, New York, Texas und Washington ähnliche Versuche gestartet, vom lukrativen Geschäft mit diesen Angeboten zu profitieren. Im Gegensatz dazu haben Kansas und Nebraska entschieden, dass Cloud-Services auch weiterhin steuerbefreit bleiben, so lange keine Software heruntergeladen wird. Rhode Island, Tennessee, Virginia und Wisconsin sind zu einem ähnlichen Schluss gekommen.

„Zwar haben bisher nur wenige in mehr als zwei Jahren darauf reagiert", sagt Steueranwalt Daniel Dixon von Reed Smith in Philadelphia. „Für Bundesstaaten ist das jedoch rasend schnell." Das Besondere am Idaho-Fall sei, dass ein Absatz im Steuergesetz Software als materielles Gut bezeichnet, "ganz egal, wie es zum Kunden transportiert wird."

Schnell wachsender Markt

Software, die als Abo verkauft und online vertrieben wird, ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte des Informationszeitalters. Laut Gartner soll der weltweite Umsatz in diesem Jahr bei 17 Milliarden US-Dollar liegen. Die Verwendung von Software, die lizensiert und auf Unternehmensrechnern von Hand installiert wird, nimmt immer weiter ab.

Matt Rissell ist Eigentümer von Tsheets. Sein Unternehmen bietet einen Cloud-basierten Zeitüberwachungsdienst an. Rissell erfuhr im August 2012 von dem neuen Steuergesetz in Idaho, als ein Kunde seines Unternehmens eine steuerliche Betriebsprüfung über sich ergehen lassen musste. Damals hieß es, dass der Kunde Steuern auf die Cloud-Dienste zahlen müsse, die er von Tsheets bezog. Als Rissell daraufhin bei der Steuerverwaltung in Idaho nachhakte, begann der Bundesstaat auch mit der Überprüfung seines Unternehmens.

Frage nach dem zusätzlichen Steueraufkommen

Bisher kann Rissell noch nicht abschätzen, wie hoch das Steueraufkommen sein wird, das auf Tsheet zukommt. Allerdings hat er von anderen Unternehmen erfahren, dass diese mit zusätzlichen Aufwendungen für Steuern und Strafzahlungen im Bereich von „mehreren hundert Tausend" Dollar rechneten. „Der Staat führt nicht nur eine neue Steuer ein, er holt sie sich sogar rückwirkend", sagt Rissell.

Unternehmen wie Tsheets, Micron Technology, Supervalu und IdaCorp bemühen sich nun, die Steuerbehörde von Idaho zu einem Umdenken zu bewegen. Sollten sie keinen Erfolg haben, soll ein Gesetzentwurf ausgearbeitet werden, der Cloud-Dienste als Serviceleistungen kennzeichnet. Dann würden sie nicht mehr unter die neue Steuer fallen.

„Hier werden nicht nur Unternehmen benachteiligt, die Cloud-Angebote führen, sondern auch solche, die sie nutzen", sagt Jay Larsen, Chef des Idaho Technology Council, der die Bemühungen der verschiedenen Firmen gegen die Steuer koordiniert. Vergangenen Monat trafen sich Mitglieder des Councils, um gemeinsam mit Idahos Gouverneur C.L. Otter über die neue Abgabe zu sprechen.

Steuern werden zunächst aufgefangen

Die meisten Unternehmen werden die Steuer zunächst auffangen. Früher oder später dürften die zusätzlichen Kosten jedoch an die Kunden weitergegeben werden, sagt Larsen. In welchem Umfang die neue Steuer auf den Firmen in Idaho lasten wird, wollte er nicht abschätzen.

Eine Sprecherin von IdaCorp verwies bei allen Fragen im Zusammenhang mit den unternommenen Anstrengungen gegen die Steuer auf den Technology Council. Eine Sprecherin von SuparValu erklärte, ihr Unternehmen werde den Fall nicht kommentieren. Micron antwortete nicht auf eine Anfrage.

Das Umsatzsteuergesetz in Idaho stammt aus dem Jahr 1965. 1993 wurde es überarbeitet. Software gilt demnach als steuerpflichtiges Eigentum, „unabhängig" von der Zustellweise. Saul Cohen ist Spezialist für Steuerpolitik und Mitglied in der Steuerkommission in Idaho. Er sagt, dass die Kommission in ihrer Mitteilung vom 22. Oktober erklären wollte, wie man „einen bestehenden Paragraphen bei einer neuen Technologie interpretieren könne". Mit Software als Dienstleistung stehe „ein Teil davon dem Käufer zur Verfügung". Und laut dem Gesetz in Idaho müssten auf solch „mittelbaren Besitz" Steuern gezahlt werden, erklärt Cohen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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