• The Wall Street Journal

Das Doppel-Comeback bei der Credit Suisse

    Von MAARTEN VAN TARTWIJK und ANDREW MORSE

Die schweizerische Großbank Credit Suisse hat im Schlussquartal 2012 gleich ein doppeltes Comeback gefeiert: Das der schwarzen Zahlen und das des neu ausgerichteten Investmentbanking, das viel zur Rückkehr in die Gewinnzone beigetragen hat.

Die zweitgrößte Schweizer Bank hat dabei einen komplett anderen Weg eingeschlagen als ihre Kontrahentin UBS : Denn während die UBS ihr Investmentbanking zusammenstreicht und sich stattdessen auf ihre alten Stärken - das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung - besinnt, tritt die Credit Suisse weiterhin als Universalbank auf.

Reuters

Die Credit Suisse überzeugte mit ihrem Quartalsausweis. Anders als die UBS kann sie sich an schwarzen Zahlen erfreuen.

Offenbar mit Erfolg: Von Oktober bis Dezember hat die Investmentbank der Credit Suisse mit 2,66 Milliarden Schweizer Franken fast doppelt so hohe Einnahmen eingefahren wie im Jahr zuvor. Insbesondere der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren zog spürbar an. Doch auch das Geschäft mit Übernahmen und Akquisitionen sowie das Begleiten von Anleiheemissionen spülte Geld in die Kassen.

Die UBS hingegen gliedert ihren Anleihehandel aus. Durch den Kahlschlag im Investmentbanking sollen bis 2015 jährlich 5,4 Milliarden Franken eingespart und 10.000 Stellen gestrichen werden - ein Großteil davon in London und den USA. Neben den damit einhergehenden Restrukturierungskosten lasten aber auch Strafen für Zinsmanipulationen und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf der Bilanz der größten Schweizer Bank.

Für all das bezahlt die UBS zunächst mit tiefroten Zahlen: Auf 1,9 Milliarden Franken summierte sich der Konzernverlust im vierten Quartal. Bereits im dritten Quartal war die Bank in die Verlustzone gerutscht. Ihre Gegenspielerin Credit Suisse hingegen konnte im Schlussquartal 2012 unterm Strich mit einem Gewinn von 397 Millionen Franken glänzen, nachdem sie im Vorjahr noch einen Verlust von 637 Millionen zu verkraften hatte.

Hohe Margen im fokussierten Investmentbanking

Laut Credit-Suisse-Chef Brady Dougan kommt die Entwicklung nicht von ungefähr. Die Investmentbank habe sich vor allem auf die Bereiche konzentriert, in denen die Bank gemessen am Marktanteil zu den drei größten Marktteilnehmern gehört - also Bereiche, die für die Credit Suisse besonders hohe Margen abwerfen, erklärte Dougan den Erfolg seines Investmentbanking. Als Beispiele führte er festverzinsliche Wertpapiere und Finanzdienstleistungen für Hedgefonds (Prime Brokerage) an.

Es habe ganz den Anschein, dass die Credit Suisse weiterhin erfolgreich einen Großteil der Fallen vermeide, in die andere Banken getappt seien, meint Helvea-Analyst Tom Hawson. Die UBS, die zwei Jahrzehnte lang am Aufbau ihrer Investmentbank gefeilt hat, musste während der Finanzkrise miterleben, wie das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren massive Verluste einfuhr.

Bei allen Unterschieden haben die beiden Schweizer Bankriesen aber auch Gemeinsamkeiten: Die Schweizer Bankenaufseher verlangen, dass die heimischen Banken zehn Prozent ihres harten Kernkapitals als Puffer zur Abfederung eventueller Verluste hinterlegen müssen. Dies wiederum nagt an der Profitabilität. Damit machen die Schweizer Aufseher ihren Banken strengere Vorgaben für das Kapitalpolster, als es das internationale Regelwerk Basel III tut.

Der Credit-Suisse-Chef spricht denn auch gleich für die Rivalin UBS mit, wenn er sagt, die beiden Banken seien gegenüber ihren Konkurrenten deswegen im Nachteil. Das seien ungleiche Voraussetzungen, beklagt sich Dougan.

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