• The Wall Street Journal

Afrikas Truppen sind in Mali überfordert

    Von ELLEN KNICKMEYER

Westafrikanische Truppen marschieren in Mali auf. Sie versuchen, die Gebiete im Norden des Landes zu verteidigen, die Frankreichs Militär den islamistischen Rebellen abgejagt haben. Das sagten französische und afrikanische Regierungsvertreter.

Die kleinen Gruppen von Spezialkräften sind Teil einer Militäraktion unter Frankreichs Führung gegen die Islamisten mit Verbindungen zu Al-Quaida. Es handelt sich laut französischen Regierungsvertretern um Boden- und Lufttruppen. Das wichtigste Ziel sind Extremisten in einer abgelegenen Gegend namens Adrar des Ifoghas, sagten französische Regierungsvertreter.

Es sind rund 8.000 Soldaten aus westafrikanischen Ländern, die in rund zehn Tagen in Mali landen sollen – auch von einem kleinen Staat wie Togo, dessen Truppen in der Maschine des Präsidenten ankamen, weil keine Militärflieger übrig waren. So hoffen Frankreichs Militärchefs, schon bald eigene Truppen aus dem Land abziehen zu können. „Wenn es läuft wie geplant, fällt die Zahl unserer Soldaten in Mali von März an", sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Mittwoch auf einer Kabinettssitzung. Frankreich hat jetzt mehr als 4.000 Soldaten in Mali und an anderen unterstützenden Positionen in Westafrika stationiert.

Aber viele der afrikanischen Soldaten kommen ohne Training, Ausrüstung und Erfahrung nach Mali – Dinge, die dringend brauchen in dem Land, das mehr als dreimal so groß wie Deutschland ist. Die Truppen vom schwarzen Kontinent hoffen auf die Unterstützung der USA und anderer westlicher Staaten.

Das sagte Hauptmann Yao Adjoumani - Sprecher der Koalition der über 15 teilnehmenden afrikanischen Staaten - in einer Villa in der Hauptstadt Bamako, die als einer der Stützpunkte des Einsatzes dient. Während er spricht, läuft draußen ein Huhn umher. Die Soldaten sitzen an der Straße aus roten Schotter, an den Stümpfen von Palmen, die für behelfsmäßige Straßenblockaden gefällt wurden. Im Zentrum der Hauptstadt wirbt der Staat unterdessen mit Plakaten für Militärspenden. Die Bürger sollten der Armee Geld geben, damit die „den Norden zurückerobern" könne.

Trotz eines Antiterrorprogramms für westafrikanische Länder, geleitet von der USA und anderen westlichen Staaten, sind die Truppen auf dem Kontinent vor allem in Bürgerkriegen, Staatsstreichen und anderen politischen Querelen erfahren. Nigerianische Truppen etwa – das Land hat ein vergleichsweise gut ausgestattetes Militär – sind im vergangenen Monat ohne Fahrzeuge angekommen, und saßen erstmal am Flughafen fest.

Mali - ein Staat scheitert

Die westafrikanischen Truppen „sind nicht bereit", sagt etwa Yves Trotignon. Er hat früher für den französischen Geheimdienst gearbeitet und ist jetzt privater Antiterror-Berater in Frankreich. „Sie sind nicht darauf vorbereitet, diesen Krieg die nächsten Monate auszufechten."

Am elften Januar hatte Frankreich die ersten Soldaten nach Mali entsandt. Zusammen mit einer schwachen malischen Armee haben sie Timbuktu und den Großteil der Nordhälfte des Landes zurückerobert, die seit Frühling 2012 unter der Herrschaft der Islamisten war. Zwar verstecken sich deren Truppen seitdem. Aber besonders in Gegenden um Städte herum stoßen die französischen Truppen auf den Widerstand der Extremisten, sagt Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. „Am Dienstag etwa haben sie in der Nähe von Gao raketenbetriebene Granaten abgeschossen", so Le Drian zu einem französischen Radiosender.

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