• The Wall Street Journal

Iranische Banken umgehen Sanktionen

    Von LEILA HATOUM und NICOLAS PARASIE

DUBAI – Iranischen Banken ist es gelungen, die seit dem vergangenen Jahr gegen sie bestehenden Sanktionen zu umgehen. Eigentlich hatte der Westen den Instituten den Zugang zu globalen Finanztransaktionen durch das führende elektronische Bezahlsystem Swift abgeschnitten. Aber wie Swift-Manager dem Wall Street Journal berichten, haben sich die iranischen Banken auf konventionellere Methoden zurückbesannt: Sie verschicken ihre Zahlungsanweisungen mit internationalen Partnern per Telefon oder E-Mail.

Associated Press

Zurück zu den Wurzeln: Weil sie vom internationalen Geldfluss abgeschnitten sind, greifen iranische Banken auf rustikalere Methoden zurück.

„Es ist eindeutig, dass die Iraner andere Möglichkeiten haben, ihr Geld zu bewegen und Transaktionen in Auftrag zu geben", sagte Alain Raes von der Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication, kurz Swift, am Rande einer Pressekonferenz in Dubai. Diese Wege seien „nicht so sicher wie Swift und weniger benutzerfreundlich", fügte der Chef des Unternehmens, Gottfried Leibbrandt, hinzu. „Aber ja, es gibt zahlreiche Alternativen zu Swift".

Die Sperre war erhoben worden, weil der US-Kongress festgestellt hatte, dass iranische Unternehmen, die auf der schwarzen Liste der USA und EU stehen, mit Hilfe von Swift Sanktionen umgingen. Im vergangenen März kappte Swift daher etwa 30 Banken, darunter auch der iranischen Notenbank, den Zugang.

Die USA und Europa haben ihre Sanktionen gegenüber dem Iran schrittweise immer mehr verstärkt, um so das Land zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen. Teheran beharrt darauf, dass sein Nuklearprogramm nur zivilen Zwecken dient.

Die Post der Finanzbranche

Am Mittwoch weitete das US-Finanzministerium die Sanktionen erneut aus. Dadurch soll es Teheran erschwert werden, auf sein Ölgeld zuzugreifen. Die neuen Finanzhürden gelten aber nicht für den Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Lebensmitteln oder Medizin in den Iran. Zudem werden Einzelpersonen und Unternehmen wegen Menschenrechtsverstößen ins Visier genommen, unter anderem der staatliche Rundfunk und sein Leiter. Ihnen wird vorgeworfen, Kritik unterdrückt und Propaganda verbreitet zu haben.

„Unsere Politik ist klar: So lange der Iran die Bedenken der internationalen Gemeinschaft über das Nuklearprogramm nicht adressiert, werden die USA strengere Sanktionen verhängen und den wirtschaftlichen Druck auf das Regime erhöhen", sagte der für Terrorismus und Finanzspionage zuständige Staatssekretär David Cohen.

Swift wird von den Zentralbanken der zehn führenden Industrieländer und Belgien überwacht. Aufgabe ist es, den Fluss der elektronischen Transaktionen aufrecht zu halten. Fast alle wichtigen Banken und Finanzunternehmen versenden darüber Daten und Nachrichten. Es ist so etwas wie die weltweit akzeptierte Post der Finanzbranche.

Laut Leibbrandt gibt es Gespräche zwischen Swift und den europäischen Aufsichtsbehörden darüber, ob Swift Sanktionen gegen Länder wie den Iran umsetzen muss. „Es findet ein Dialog über das Dilemma statt, dass wir einerseits als Werkzeug für Sanktionen benutzt werden, was unsere Rolle als globaler Infrastrukturanbieter einschränkt", sagte Leibbrandt. „Es hat auch bereits Rücknahmen gegeben wie in Myanmar, wo die Banken wieder handeln können. Es gibt immer eine Chance für eine Wende, wenn die Gründe für die Sanktionen beseitigt sind."

Der Iran hat den Rückgang der Ölexporte und die Trennung vom internationalen Finanzsystem empfindlich zu spüren bekommen. Die Landeswährung Rial ist abgestürzt. Dadurch kann sich das Land weniger Import leisten. Im August wurde die Einfuhr von 2.000 Luxusartikeln verboten, darunter Handys, Laptops und Autos, um die Währung zu stützen.

Leibbrandt bezeichnete die Auswirkungen der Iran-Sanktionen auf Swift als gering. Bereits zuvor hätten Transaktionen aus dem Iran weniger als ein Prozent des weltweiten Volumens ausgemacht. Im vergangenen Jahr erzielte Swift einen Umsatz von etwa 600 Millionen Euro. „Die meisten betroffenen Banken waren international nicht sehr aktiv. Iran ist kein großer Teil unseres Geschäfts", sagte Leibbrandt.

Kontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.