• The Wall Street Journal

Düsterer MAN-Ausblick sorgt für Rätselraten

    Von NICO SCHMIDT

MAN hat mit seinem düsteren Ausblick für 2013 am Markt für Rätselraten gesorgt. Der Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller rechnet damit, dass sich die Talfahrt des ohnehin schwachen Jahres 2012 bei Umsatz und Gewinn fortsetzt. Das kam überraschend. Das Gros der Branchenexperten wurde auf dem falschen Fuß erwischt und fragt sich nun, warum die Volkswagen -Tochter die Aussichten pessimistischer beurteilt als es einige der Konkurrenten.

In diesem Jahr sei nicht mit einer raschen konjunkturellen Erholung zu rechnen, sagte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen auf der Bilanzpressekonferenz in München. Vielmehr müsse man in den meisten Regionen mit wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen zurechtkommen. Deshalb werde der Umsatz seines Unternehmens leicht sinken, der operative Gewinn sogar stärker schrumpfen, rechnete der Österreicher vor.

In der Konsequenz wird die Rendite des Konzerns aus Bayern weiter abrutschen. Schon 2012 war die Marge von 9 auf nur noch gut 6 Prozent zusammengeschmolzen und lag damit ein ganzes Stück unter dem eigentlichen Zielwert von 8,5 Prozent.

Analysten können sich keinen Reim darauf machen

Läuft es bei MAN wirklich so schlecht? Er sei „sehr verwundert", sagte dazu stellvertretend Commerzbank -Analyst Sascha Gommel. „Die Prognose ist überraschend konservativ". Schließlich habe MAN im Schlussquartal ein ganzes Stück besser abgeschnitten als erwartet. Ein Kollege, der namentlich nicht genannt werden will, hält den Ausblick für „erklärungsbedürftig".

Kein Wunder, schließlich sind die Wettbewerber - wenngleich auch sie ein schwieriges Jahr mit Gewinn- und Margeneinbußen hinter sich haben - nicht ganz so pessimistisch. So will Daimler, weltweit die Nummer eins in der Branche, in diesem Jahr in der Truck-Sparte Absatz, Umsatz und Gewinn steigern, wie Vorstandschef Dieter Zetsche erst am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz erklärte.

Und Volvo -Chef Olof Persson sprach vor wenigen Tagen von einer zumindest graduellen Verbesserung der Marktbedingungen. Die Schweden rechnen sogar für den schwächelnden europäischen Markt mit einem Plus. MAN sieht das anders: Vor allem im ersten Halbjahr werde das Geschäft schlechter laufen, prognostizierte Pachta-Reyhofen. Aber auch auf Jahressicht seien rückläufige Zahlen unvermeidbar.

Die Nutzfahrzeugbranche gilt als extrem konjunktursensibel. Ist die Lage unsicher, schieben Logistikunternehmen Anschaffungen gerne auf die lange Bank. Alte Lkw bleiben länger im Einsatz als eigentlich geplant. Die Schuldenkrise in Europa hatte 2012 nach dieser Logik immense Folgewirkungen auf die Hersteller: Die Lkw-Verkäufe brachen um mehr als ein Zehntel ein.

Doch damit nicht genug, auch auf dem wichtigen brasilianischen Markt sanken die Absatzzahlen, nachdem die Regierung Subventionen kürzte. Anders als beispielsweise Daimler konnte MAN die Schwierigkeiten auf seinen Kernmärkten im vergangenen Jahr nicht mit einer guten Entwicklung in den USA wettmachen. Dort sind die Münchener nämlich faktisch nicht existent. Entsprechend schwach fiel auch der Geschäftsverlauf aus.

Händler glauben an gezielte Tiefstapelei

Allerdings hatten Analysten für das neue Jahr eine deutliche Erholung erwartet. „Für 2013 wurden im Konsens bislang ein leicht steigender Umsatz und ein deutlich steigendes operatives Ergebnis erwartet", weiß Sascha Gommel von der Commerzbank zu berichten. Schließlich laufe es in Brasilien wieder besser, und die in Europa ergriffenen Sparmaßnahmen müssten sichtbare Früchte tragen.

Bei MAN verteidigt der Chef die unerwartete Sicht: „Ich halte die Prognose für absolut realistisch", begegnete Pachta-Reyhofen dem allgemeinen Unverständnis.

Der Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN hat für 2013 ein düsteres Bild gezeichnet. An den Finanzmärkten sorgt dies für große Verwunderung.

Auch Aktienhändler sind vom düsteren Ausblick von MAN überrascht, finden dafür aber eine ganz andere Erklärung: „MAN macht sich hässlich, damit VW der MAN-Aktienkurs für die Komplettübernahme und den Squeeze-Out nicht nach oben davonläuft", ist einer der Marktspezialisten überzeugt.

Derzeit machen nämlich Spekulationen die Runde, der VW-Konzern wolle sich MAN komplett einverleiben und von der Börse nehmen.

Volkswagen hatte im vergangenen Jahr die Mehrheit an MAN übernommen und hält mittlerweile gut drei Viertel der Stimmrechte. Im Januar hieß es aus Wolfsburg, man werde mit dem Tochterkonzern aus München einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag abschließen, um die volle Kontrolle und Zugriff auf deren Kasse zu bekommen. Das große Ziel ist der Niedersachsen ist eine Lkw-Allianz der Konzerntöchter MAN und Scania, die Branchenprimus Daimler das Leben schwer machen soll.

Momentan sind Gutachter dabei, MAN zu bewerten. Nicht zuletzt die Entwicklung der MAN-Aktie in den vergangenen Monaten wird die Höhe der Abfindung mitbestimmen, die Volkswagen den Besitzern von MAN-Aktien zahlen wird, die sich jetzt noch im Streubesitz befinden.

Der schwache Ausblick könnte helfen, den MAN-Kurs unten zu halten, glaub der Aktienhändler. Nach Anfänglich leichtem Minus notiert die MAN-Aktie am Nachmittag mit 0,4 Prozent im Plus bei 88,99 Euro. Ob allerdings tatsächlich Kalkül aus Wolfsburg hinter der pessimistischen MAN-Prognose steckt, wird wohl ein Geheimnis bleiben: „Es ist schwierig, von außen zu beurteilen, wieviel Politik da eine Rolle spielen könnte", schätzt auch Analyst Gommel.

—Benjamin Krieger und Ilka Kopplin haben zu diesem Bericht beigetragen.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com

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