• The Wall Street Journal

Mongolei legt Rio Tinto bei Goldmine Steine in den Weg

    Von ALEX FRANGOS

Der australisch-britische Minenbetreiber Rio Tinto beißt mit einem milliardenschweren Rohstoffprojekt in der mongolischen Wüste zunehmend auf Granit. Die mongolische Regierung fühlt sich von den Bergbaumanagern übervorteilt und legt Rio Tinto inzwischen bei der Kupfer- und Goldmine Steine in den Weg.

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Ein Kamel grast in der Nähe der Oyu-Tolgoi-Mine in der Mongolei.

An dem Projekt ist der mongolische Staat als Minderheitsaktionär beteiligt. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel: Die Regierung in Ulan Bator will in großem Stil am Erfolg der Mine mitverdienen und den Lebensstandard der vielfach verarmten Bevölkerung heben. Rio Tinto erhofft sich von der Kupfer- und Goldmine Oyu-Tolgoi in der Wüste Gobi einen Ausweg aus der Konzentration auf das stark schwankende Eisenerzgeschäft.

Die mongolische Regierung verweigert Rio Tinto ihre Unterstützung, um Kredite über bis zu sechs Milliarden US-Dollar einzusammeln. "Die Regierung unterstützt die Phase zwei in der Projektfinanzierung von Rio Tinto wegen der laufenden Auseinandersetzungen unter den Aktionären nicht", sagte ein Sprecher der Regierung. Sollten deren Bedenken ausgeräumt werden, sei eine Unterstützung aber wieder denkbar.

Das 13 Milliarden Dollar teure Projekt, das bereits seit fast zwei Jahrzehnten entwickelt wird und an einem der harschesten und abgelegensten Orte der Welt liegt, bietet ein gigantisches Reservoir an Kupfer. Bei voller Förderauslastung könnte Rio Tinto seinen Ruf unter Investoren loswerden, zu sehr von Eisenerz abhängig zu sein. Denn die Eisenerzpreise hängen weitgehend am Gängelband der zyklischen Hochs und Tiefs auf den weltweiten Stahlmärkten.

Mit der ersten Phase des Oyu-Tolgoi-Projektes, dem Tagebau, liegt Rio Tinto Monate vor dem eigenen Zeitplan. Erst kürzlich machte der Minenbetreiber Dampf bei der Errichtung eines Werks, in dem Kupfergestein in schwarzen Kupferstaub zerstampft und in pures Kupfer verhüttet wird. Rio Tinto hat sich die Kooperation mit mehreren chinesischen Hüttenwerken gesichert, die in den kommenden drei Jahren einen Großteil des Kupfers abnehmen sollen. Der Konzern hat extra eine Straße durch die Wüste planiert, um die Bodenschätze über die chinesische Grenze zu transportieren. Die nächste Phase in der Minenentwicklung wird gerade vorbereitet: Ein großes Rohstoffreservoir soll rund eineinhalb Kilometer unter Tage angezapft werden. Allein das wird laut informierten Personen rund 7,1 Milliarden Dollar kosten.

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Für Rio Tinto und den mongolischen Staat steht bei der Gold- und Kupfermine viel auf dem Spiel.

Doch an der Oberfläche nehmen die Spannungen zwischen Rio Tinto und der mongolischen Regierung immer mehr zu. Der Mongolei gehören 34 Prozent an dem Projekt und der Staat hofft, an Steuern und Rohstoffabsätzen kräftig mitzuverdienen. Präsident Tsakhia Elbegdorj kritisierte Rio Tinto jüngst in einer Rede scharf wegen des "unverantwortlichen Managements", das Kostenüberschreitungen ausgelöst habe. "Oyu Tolgoi sollte die Mongolei erblühen lassen und keine Narben hinterlassen", sagte der Spitzenpolitiker.

Analysten erwarten Showdown mit der Regierung

Aus London flogen diese Woche Rio-Tinto-Manager für Verhandlungen nach Ulan Bator. Die Mongolei nutzt dabei die potenziellen sechs Milliarden Dollar an Projektfinanzierung als Faustpfand, indem sie ihre Unterstützung zurückzog. Rio Tinto verhandelt über das Geld mit einem Konsortium, zu dem die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), die International Finance Corp (IFC) der Weltbank und private Geschäftsbanken zählen.

Rio Tinto habe immer vollkommen transparent gegenüber allen Aktionären agiert, sagte der Chef der mongolischen Konzernsparte, Cameron McRae, in Reaktion auf die Kritik. Dies gelte für die Projektfinanzen, die Kosten und den Betrieb. "Wir werden weiter völlig offen mit der mongolischen Regierung sprechen und deren Probleme klären", fügte er an.

"An einem bestimmten Punkt wird es einen Showdown mit der Regierung geben", erwartet dagegen Analyst Hayden Bairstow vom Wertpapierhaus CLSA Asia-Pacific Markets.

Die Spannungen entluden sich zuletzt im Oktober, als die neugewählte mongolische Regierung Rio Tinto bat, das Investitionsabkommen aus dem Jahr 2009 neu zu verhandeln, das eigentlich für die kommenden 50 Jahre gelten sollte. Die Regierung will selbstredend den eigenen Anteil an den Gewinnen der Mine maximieren, deren Spitzenproduktion ausreichen soll, um 840.000 Freiheitsstatuen zu gießen.

Der inzwischen zurückgetretene CEO von Rio Tinto, Tom Albanese, hatte der mongolischen Regierung aber keinen Fußbreit Spielraum für neue Verhandlungen eingeräumt.

Für die Mongolei könnte die Mine kaum wichtiger sein. Die Ausgaben dafür machen rund ein Drittel des jährlichen Bruttoinlandsprodukts von zehn Milliarden Dollar aus. Für die Staatsschatullen könnte sich das Projekt als Geldmaschine erweisen. Aber viele Mongolesen fühlen sich übervorteilt: Bei der Mine werde ein ausländisches Unternehmen Mehrheitseigner und die Bedingungen seien für das mongolische Volk nicht großzügig genug. Viele fühlen zudem, dass der Rohstoffboom an ihnen vorbeigegangen ist. Nach Angaben der Regierung lebt rund ein Drittel der Bevölkerung in Armut.

"Die Erwartung ist: Wir bekommen nicht sehr viel von dem Projekt", sagt Dorjdari Namkhaijantsan von der Denkfabrik Open Society Forum Mongolia, die der Milliardär und Investor George Soros finanziert. Dorjdari kritisiert die Bedingungen des Abkommens. Die Klauseln noch einmal beträchtlich abzuwandeln, dürfte für die Regierung aber wegen der Bedeutung der Deals zu schwer sein. "Das Projekt ist 'too big to fail' für die Mongolei", fügt er an. Die Regierung werde durch Gebühren, Steuern und Dividenden prächtig mitverdienen, nachdem ein Kredit von Rio Tinto an den mongolischen Staat zurückgezahlt ist.

Das Parlament änderte das einst für ausländische Anleger freundliche Investitionsgesetz

Die Regierung in Ulan Bator hat seitdem zurückgerudert und beteuert, nun innerhalb der Grenzen des Abkommens von 2009 neu verhandeln zu wollen. Die Beamten beschweren sich, Rio Tinto habe das Projekt so strukturiert, dass der Konzern auf Kosten seines Minderheitsaktionärs verdiene. "Es ist das Recht eines Anteilseigners, Themen zu klären, die er nicht versteht", sagte ein Regierungsvertreter. Unklar bleibt, was die Regierung genau erreichen will und wie sich potenzielle Änderungen auf die Gewinne von Rio Tinto auswirken.

Unter den Bemühungen, die Geschäftsbeziehung mit Rio Tinto zu ändern, leidet allerdings schon das Geschäftsklima in der Mongolei. Zudem änderte das Parlament im April das einst für ausländische Anleger freundliche Investitionsgesetz ab. In diesem Frühjahr dürfte die Regierung auch einen Vorschlag zur Änderung des Gesetzes für Mineninvestitionen prüfen, der bereits auf erbitterten Widerstand der in- und ausländischen Geschäftsleute gestoßen ist. Die Änderungen würden die Regierungsbeteiligung an Minenprojekten steigern und die Gewinne der Rohstoffkonzerne schmälern. Potenzielle Investoren könnten durch einen solchen Schritt abgeschreckt werden, befürchtet der hohe Diplomat David Wyche von der US-Botschaft in Ulan Bator.

Rio Tinto setzt mit der mongolischen Mine auf künftige Kupfererträge. Dies sei neben Eisenerz die einzige Alternative, mit der Rio Tinto wirklich Gewinne erwirtschaften könne, sagt Bairstow von CLSA. Noch aber macht Eisenerz rund 70 Prozent des weltweiten operativen Konzerngewinns aus.

Der Aufbau der Mine erwies sich aber bislang als Herausforderung. Für das Projekt gaben die Investoren bereits 6,6 Milliarden Dollar in der ersten Phase aus. Neben dem Tagebau wurden rund 60 Kilometer lange Wasser- und 160 Kilometer lange Stromleitungen gebaut, und das alles bei brennendheißen Temperaturen im Sommer und beißend kalter Witterung im Winter. Mit den chinesischen Elektrizitätsexperten musste monatelang über die elektrischen Leitungen verhandelt werden, die das Reich der Mitte mit der Mongolei verbinden.

Sollte die Mine voll betrieben werden, könnte sie sich als Goldesel für Rio Tinto erweisen. Durchschnittlich sollen jährlich 425.000 Tonnen Kupfer und 460.000 Unzen Gold abgebaut werden. Zusätzlich enthält die Mine Silber und Molybdenum, ein Element, das für Stahllegierungen verwandt wird.

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