• The Wall Street Journal

Nicaragua will sich in ein Paradies verwandeln

    Von ANDREA PETERSEN

RIVAS, Nicaragua--Drei der einflussreichsten Reiseberater der USA wanderten kürzlich an einer Klippe entlang, die einen freien Blick über den Pazifischen Ozean gewährt, und bewunderten die unberührten Sandstrände, während unter ihnen eine Gruppe Brüllaffen zu hören war. Die Reise unternahmen sie auf Kosten des Luxushotels Mukul, wo sie drei Tage lang verwöhnt werden sollten. Anschließend sollten sie nach ihrer Rückreise ihren wohlhabenden Kunden einen Aufenthalt in dem neuen, 40 Millionen Dollar teuren Hotel empfehlen würden.

Nicaragua sucht den Luxus

Andrew Kaufman for The Wall Street Journal

Den Hotelgästen soll 24 Stunden am Tag ein Butler zur Verfügung stehen, außerdem ein Wellness-Zentrum und ein Golfplatz, der von dem berühmten schottischen Designer David McLay Kidd entworfen wurde. Es sollte nicht schwer sein, die Reiseberater zu begeistern. Doch es gibt ein Problem: Das Mukul liegt in Nicaragua, dem zweitärmsten Land der südlichen Halbkugel, das vom Krieg gezeichnet ist. Keiner der Reiseberater hat je einen Kunden hierher geschickt, und alle waren selbst gerade zum ersten Mal hier.

„Ich denke immer noch darüber nach, welchen Kunden ich das anbieten kann", sagt Rina Anoussi, Vorsitzende der Reiseagentur Travel Business in New York, zu deren Kunden Stars aus der Kunst- und Unterhaltungswelt zählen. „Vielleicht Leuten mit heimlichen Affären? Dort entdeckt sie keiner."

Video auf WSJ.com

Nicaragua's richest man, Don Carlos Pelas, is opening Nicaragua's first luxury hotel next month, courting the Four Seasons and Ritz-Carlton crowd. WSJ's Andrea Petersen and McCabe World Travel president Anne Morgan Scully join Lunch Break with details. Photo: Andrew Kaufman.

Wie kann sich ein von Touristen geschmähtes Land in ein beliebtes Ziel für wohlhabende Reisende verwandeln? Grundvoraussetzung ist ein luxuriöses Hotel. Die Kolonialstadt Granada, die aktiven Vulkane und die verlässlichen pazifischen Wellen locken schon lange Rucksacktouristen und Surfer an. Auch unter Reiseschriftstellern ist das Land beliebt. Doch das Mukul will die Touristen anlocken, die sonst im Vier-Jahreszeiten oder im Ritz-Carlton absteigen würden, für einen Zimmerpreis ab 500 Dollar pro Nacht.

Jedes Hotelzimmer ist in einem eigenen kleinen Gebäude untergebracht, jeweils mit Terrasse, Hängematte und Pool. Diese Häuschen stehen auf einem Hang verstreut, der zu einem Strand führt, wo oft Schildkröten ihre Eier legen.

Das Mukul liegt 2,5 Stunden Autofahrt oder 20 Minuten im Helikopter vom nächsten internationalen Flughafen in Manague entfernt. Das Hotel ist Teil eines größeren Projekts namens Guacalito de la Isla, das eines Tages 600 Unterkünfte und ein größeres Hotel umfangen soll. Damit die Anreise leichter wird, will der Besitzer eine eigene Landepiste zu bauen.

Andrew Kaufman for The Wall Street Journal

Mukul-Mitarbeiter machen mit Reiseberatern eine Wanderung.

Der Ferienort solle Nicaragua zum festen Touristenziel machen, sagt Carlos Pellas, einer der reichsten Menschen des Landes und Besitzer des Mukul, bei einem Treffen mit den drei amerikanischen Reiseberatern. In der einen Hand hält er eine Padron-Zigarre, in der anderen ein Glas Rum. „Nicaragua ist wunderschön, aber ohne einen Ankerpunkt kann man keine Luxustouristen anlocken", sagt er. Pellas ist als Unternehmer und Investor auch in den Bereichen Banken, Zucker, Autohandel, Immobilien und alkoholische Getränke aktiv.

Nicaragua will wie andere Länder mit einer schwierigen Geschichte – darunter Vietnam, Kolumbien und Kroatien – diese Vergangenheit hinter sich lassen und zu einem Hotspot für Touristen werden. Seine Nachbarländer Costa Rica und Panama locken schon länger Investoren an, die dort Luxushotels bauen. Vor kurzem eröffnete Trump Hotel Collection ein Hotel nahe Panama City, 2014 will Ritz-Carlton dort ein Hotel und Wohnhaus eröffnen.

„Wir brauchen Menschen, die hierher kommen und Geld ausgeben. Wir können keine 20 Jahre mehr warten", sagt Mario Salinas, Tourismusminister von Nicaragua. Etwa 1,2 Millionen Touristen kamen 2012, etwa ein Viertel davon aus Nordamerika, immerhin 51 Prozent mehr als noch 2008. In Costa Rica gaben Touristen 2011 durchschnittlich 118 Dollar am Tag aus, in Nicaragua jedoch nur 43 Dollar.

Andrew Kaufman for The Wall Street Journal

In den Gästezimmern gehören Rumfässer zum Dekor.

Die Regierung will 2013 6,6 Millionen Dollar für Tourismusmarketing ausgeben, nach 1,8 Millionen Dollar im Jahr 2009.

Im Herbst heuerte Mukul die Agentur Kurtz-Ahlers & Associates an, die in der Tourismusbranche für Luxusreiseziele Werbung macht. Die Firma kontaktierte Reiseagenturen auf der ganzen Welt und präsentierte das Mukul in ihrem Newsletter, der an 50.000 Reiseberater und Touristen geht.

Es ist nicht leicht, in einem Entwicklungsland ein Luxushotel zu eröffnen. „Ich musste einen ganzen Tag beim Zoll verbringen und dort erklären, was eine Vichy-Dusche ist", sagt Jorge Campos, Direktor von Guacalito de la Isla. Er musste sich über 40 Mal mit verschiedenen Regierungsvertretern treffen, bis er alle Genehmigungen hatte, um die Einrichtung für den Wellness-Bereich importieren zu können. Obst und Gemüse bekommt das Mukul aus Costa Rica, da die Lieferanten in Nicaragua nicht zuverlässig genug sind.

Um seine Angestellten richtig auszubilden, eröffnete das Mukul eine eigene Hotelfachschule. Viele der Lehrlinge waren zuvor arbeitslos oder arbeiteten als Bauern in den verarmten umliegenden Dörfern. „Sie wussten erst nicht, wie man einen Kaffee macht oder wie man ein Tablett hält", sagt Claudia Silva, Direktorin für Sales und Marketing. Guacalito de la Isla baut außerdem ein eigenes Recycling-Zentrum, teils, um in den verschmutzten Dörfern aufzuräumen, an denen Touristen auf dem Weg zum Hotel Mukul vorbeifahren. (Oft wird gewitzelt, dass die Nationalblume von Nicaragua eine Plastiktüte ist.)

Andrew Kaufman for The Wall Street Journal

Blick aus einem Spa-Gebäude des Mukul.

Andrew Kaufman for The Wall Street Journal

Mukul-Eigentümer Carlos Pellas mit Reiseberater Rina Anoussi.

Die drei Reiseberater hielten mit ihren Verbesserungsvorschlägen nicht hinterm Berg. „Wir fanden das Brot scheußlich", sagt Anne Morgan Scully von McCabe World Travel in McLean (Virginia). Außerdem empfahl sie eine Speisekarte mit mehr Auswahl. Seitdem hat das Mukul einen neuen Bäcker eingestellt und die Speisekarte vergrößert.

Als sie wieder zu Hause waren, planten die Reiseberater ihre Strategie dafür, wie sie das Mukul positionieren und welche Kunden sich dafür interessieren könnten. Es sei vor allem interessant für Abenteuerlustige, sagt Morgan Scully. Der Zimmerpreis schließt zudem Frühstück, Mittagessen, den Transfer vom Flughafen und die meisten Getränke bis 17 Uhr ein. „Das ist ein Schnäppchen", sagt sie. Anoussi sagt, sie könnte sich vorstellen, das Hotel als Zusatzaufenthalt zu einer Reise nach Costa Rica zu empfehlen.

Felix Brambilla von Overseas Travel International in Miami will kurze Aufenthalte von vier bis fünf Nächten empfehlen und dabei besonders betonen, was das Hotel zu bieten hat. „Das Mukul ist eine perfekte Umgebung, doch der Rest des Landes ist ziemlich roh", sagt er. Er werde also erst einmal nicht in den Vordergrund stellen, dass sich das Hotel in Nicaragua befindet. „Damit würde man es sich nur noch schwerer machen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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