• The Wall Street Journal

Schavan tritt als Bildungsministerin zurück

    Von SUSANN KREUTZMANN und STEFAN LANGE

BERLIN--Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat die Konsequenzen aus dem Entzug des Doktortitels gezogen und ist von ihrem Amt zurückgetreten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Samstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin: "Ich habe den Rücktritt schweren Herzens angenommen." Schavan habe sich zu diesem Schritt entschieden, um Schaden vom Amt fernzuhalten. Nachfolgerin soll die niedersächsische Kultusministerin Johanna Wanka (CDU) werden.

[image] dapd

Wird Nachfolgerin von Annette Schavan: Johanna Wanka.

Die 61-jährige Wanka soll am Montag die Ernennungsurkunde aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck erhalten. Schavan beteuerte in einem Statement zusammen mit Merkel im Kanzleramt, dass sie gegen die Entscheidung der Universität Düsseldorf auf Aberkennung des Doktortitels klagen werde. "Ich habe nicht abgeschrieben", sagte die CDU-Politikerin. "Die Vorwürfe treffen mich tief." Jedoch dürfe das Amt dadurch nicht beschädigt werden.

Merkel würdigte die jahrelangen Verdienste von Schavan im Kabinett. Sie sei "die anerkannteste und profilierteste" Bildungspolitikerin Deutschlands. "Sie hat Bildungs- und Forschungspolitik gelebt", fügte Merkel hinzu. Mit dem Rücktritt habe Schavan ihr eigenes Wohl hinter das Gemeinwohl gestellt. Schavan bedankte sich bei der Bundesregierung und Abgeordneten "für viel Fairness, Zuspruch und Solidarität". Sie fügte hinzu: "Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, zumal das durch die Fraktionen geht." Sie dankte Merkel für die jahrelange Freundschaft. "Freundschaft hängt nicht an Amtszeiten und wirkt über Jahre hinaus", sagte Schavan.

Merkel sagte, sie habe Johanna Wanka den Posten der Bildungsministerin angeboten und fügte hinzu: "Ich habe mich gefreut, dass sie mir für diese Aufgabe zugesagt hat." Die promovierte Mathematikerin Wanka war von 2000 bis 2009 Kultusministerin in Brandenburg. Danach ging sie in gleicher Funktion nach Niedersachsen und war dort die erste ostdeutsche Ministerin in einem westdeutschen Kabinett. In der Universitätslandschaft genießt sie aufgrund ihrer Fachkompetenz einen exzellenten Ruf.

Am Dienstag hatte der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf Schavan den Doktortitel wegen "vorsätzlicher Täuschung durch Plagiat" aberkannt. Zwölf Mitglieder stimmten für die Aberkennung, nur zwei dagegen, eines enthielt sich. Seitdem wurde darüber spekuliert, ob sich die 57-Jährige im Amt halten kann.

Schon früh in der Politik aktiv

Schavan, die am 10. Juni 1955 in Jüchen geboren wurde, ging schon früh in die Politik. Sie engagierte sich bereits 1975, ein Jahr nach ihrem Abitur, in der Kommunalpolitik ihres Wohnortes Neuss. Ab 1995 war sie zehn Jahre lang Ministerin für Kultur, Jugend und Sport in Baden-Württemberg, von 2001 bis 2005 auch Mitglied des Landtages und im Jahr 2001 Präsidentin der Kultusministerkonferenz. 1998 wurde Schavan eine der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU in Deutschland, auf dem letzten Bundesparteitag Anfang Dezember in Hannover verzichtete sie auf eine erneute Kandidatur. Schavan zog 2005 in den Bundestag ein, damals wurde sie von Kanzlerin Merkel als Bildungsministerin ins Kabinett geholt.

Schavan hatte von 1974 bis 1980 in Bonn und Düsseldorf Erziehungswissenschaften, Philosophie und katholische Theologie studiert, ihre Promotion legte sie 1980 mit einer Arbeit über Gewissensbildung ab und war fortan Doktor der Philosophie. Anschließend arbeitete sie bis 1984 als wissenschaftliche Referentin in der bischöflichen Studienförderung des Cusanuswerks in Bonn und danach bis 1987 als Abteilungsleiterin des Generalvikariats in Aachen, bevor sie für zwei Jahre Bundesgeschäftsführerin der Frauenunion wurde. 1988 kehrte sie als Geschäftsführerin zum Cusanuswerk zurück und übernahm von 1991 bis 1995 dessen Leitung.

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