• The Wall Street Journal

Frankreich droht Syrien mit Militäreingriff

    Von AFP

DAMASKUS – Angesichts der neuen Vorwürfe zu einem Chemiewaffeneinsatz durch die syrische Armee wächst der internationale Druck auf die Führung in Damaskus. Der französische Außenminister Laurent Fabius drohte am Donnerstag mit einem militärischen Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg, sollte sich der Vorwurf bestätigen. Auch sein türkischer Kollege Ahmet Davutoglu schlug einen scharfen Ton an. Zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat Aufklärung über die Anschuldigung verlangt.

Sollte sich der Vorwurf eines Chemiewaffeneinsatzes nahe der Hauptstadt Damaskus als wahr erweisen, wäre eine „Reaktion der Stärke" notwendig, die über eine „internationale Verurteilung" hinausgehe, sagte Fabius den Sendern RMC und BFMTV. „Ich will nicht präziser sein", fügte er hinzu. Auf eine Frage nach möglichen Luftangriffen antwortete er nicht, schloss aber den Einsatz von Bodentruppen aus.

Agence France-Presse/Getty Images

Der französische Außenminister Laurent Fabius hat dem Assad-Regime indirekt mit einem militärischen Eingriff gedroht.

Die syrische Opposition beschuldigt die Regierungstruppen, bei einem Großangriff mit Chemiewaffen am Mittwoch ein Massaker mit 1.300 Toten verübt zu haben. Die Armee weist dies zurück. Ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte bekräftigte am Donnerstag, ein Giftgaseinsatz während des Einsatzes von UN-Inspektoren im Land wäre „politischer Selbstmord". Ziel der Bericht sei es, „die Arbeit der Experten zu unterlaufen".

Der syrischen Opposition zufolge ereignete sich der Chemiewaffenangriff in der Rebellenregion Ghuta. In Videos, deren Echtheit nicht überprüft werden konnte, waren dutzende Leichen zu sehen. Experten schätzten die Beweiskraft der Videos zurückhaltend ein. Sie sei nicht ganz überzeugt, weil die Helfer keine Schutzkleidung trügen, sagte Paula Vanninen vom Finnischen Institut für die Überprüfung der Chemiewaffenkonvention.

Der UN-Sicherheitsrat hatte am späten Mittwoch in einer Sondersitzung „Klarheit" über den Vorfall gefordert. Die 15 Mitgliedstaaten äußerten zudem „starke Bedenken" wegen der Berichte. Eine förmliche Erklärung des Gremiums wurde aber nach Diplomatenangaben durch Russland und China verhindert. Beide Länder hatten schon wiederholt mit ihrem Veto Resolutionen des Sicherheitsrats zu Syrien verhindert.

Mehrere europäische Länder und die USA forderten ein Einschalten der UN-Experten, die in Syrien früheren Berichten über Chemiewaffeneinsätze nachgehen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, über einen Einsatz am Ort des von der Opposition vermeldeten Giftgaseinsatzes der Armee werde mit Assad verhandelt. Aktivisten berichteten allerdings, die Region sei am Donnerstag von der Armee erneut bombardiert worden.

Davutoglu kritisierte nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin, es gebe in Syrien „zahlreiche rote Linien, die schon überschritten worden sind". Der UN-Sicherheitsrat sei aber trotz früherer Gewalt „immer noch zögerlich, einen entschiedenen Beschluss zu fassen". Westerwelle sagte, die UN-Experten in Syrien müssten „umgehend Zugang erhalten, um diese Vorwürfe zu prüfen".

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Giftgas vor einem Jahr als „rote Linie" für ein mögliches militärisches Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg bezeichnet. Die US-Regierung lehnte eine neue Debatte hierüber jedoch ab. „Ich spreche nicht über rote Linien, ich ziehe keine roten Linien", sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki am Mittwoch in Washington.

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Fußball-WM

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.