• The Wall Street Journal

Kim Dotcom startet neues Megaupload

    Von LUCY CRAYMER

AUCKLAND, Neuseeland—Megaupload-Gründer Kim Dotcom hat am Samstag eine neue Version seines mittlerweile abgeschalteten Online-Speicherdienstes Megaupload gestartet. Genau zwölf Monate, nachdem am Morgen des 20. Januars 2012 der erste Polizeihubschrauber auf seinem Grundstück in Neuseeland gelandet war, ging am Samstag um 6.48 Uhr deutscher Zeit Mega ans Netz. Vor einem Jahr hatten Behörden in einer weltweit koordinierten Aktion das Gelände des Multimillionärs gestürmt und den 39-Jährigen verhaftet. Der Vorwurf von US-Justiz und Medienindustrie lautete damals: Dotcom betreibe mit Megaupload Internetpiraterie und bereichere sich auf kriminelle Weise am geistigen Eigentum anderer.

Brendon O'Hagan for The Wall Street Journal

Kim Dotcom am Samstag in seinem Haus in Neuseeland.

Der Start des neuen Angebots kommt zu einem Zeitpunkt, da Dotcom und drei Mitangeklagte sich in Neuseeland weiterhin gegen eine Auslieferung in die USA wehren, wo sie sich vor Gericht verantworten sollen. Die US-Behörde FBI hatte Megaupload schließen lassen und erklärt, die Seite sei für die illegale Verbreitung von Unterhaltungsinhalten im Wert von 500 Millionen US-Dollar verantwortlich.

Dotcom erklärte, seine Anwälte hätten das neue Angebot überprüft. Er sei zuversichtlich, dass es im Einklang mit dem Gesetz stehe. Mega verspricht seinen Nutzern mehr Sicherheit, da jede Datei, die auf die Server hochgeladen wird, verschlüsselt wird.

Die neue Website wurde von Dotcom und den Mitangeklagten Finn Batato, Mathias Ortmann und Bram van der Kolk entwickelt. Alle vier warten momentan noch auf eine Entscheidung darüber, ob sie in die USA ausgeliefert werden oder nicht. Bislang haben sie die erhobenen Vorwürfe stets von sich gewiesen. Kurz nach dem Start des neuen Angebots brach die Seite am Wochenende unter dem großen Ansturm zusammen. Nur sporadisch war Mega.co.nz zu erreichen. Kim Dotcom twitterte, dass man bereits eine Stunde nach dem Start über 100.000 registrierte Nutzer verzeichnen konnte.

Dotcom sprach im Interview mit dem Wall Street Journal über sein neues Projekt.

WSJ: Haben Sie Angst vor einer Gerichtsverhandlung?

Dotcom: Wenn es dazu kommen sollte, werde ich es überleben. Denn ich weiß, dass ich unschuldig bin. Es gibt nichts, was ich fürchten müsste. Das ist doch alles Quatsch. Wir werden zeigen, auf was für schwachem Untergrund die Anklage aufgebaut ist. Aber wenn sie das Spiel spielen wollen, bin ich bereit. [Die Anklage wirft Dotcom und seinen Mitstreitern vor, Megaupload und die zugehörigen Websites hätten Erlöse aus kriminellen Tätigkeiten im Wert von 175 Millionen Dollar angesammelt und durch den Rechteinhabern einen Schaden im Umfang von 500 Millionen Dollar zugefügt.]

Was können Sie uns über Mega sagen?

Die größte Neuerung ist die sofortige Verschlüsselung der Dateien. Ohne dass man irgendein Programm installieren muss, werden im Hintergrund die über den Browser hochgeladenen Inhalte verschlüsselt. Dadurch wird die Privatsphäre geschützt. Das bedeutet: Wenn man Daten versendet, dann sind diese so gut gesichert, dass niemand, der vielleicht mitliest, sie entschlüsseln kann. Denn dafür braucht man den passenden Schlüssel. Wir machen Datenverschlüsselung alltagstauglich.

Wir haben Server in Neuseeland und Europa. Außerdem haben wir weitere Hosting-Partner eingeladen, sich uns anzuschließen. Es ist ganz einfach: Wer will, kann einen Server mit dem Internet verbinden, uns Zugriff darauf gewähren, und wir machen daraus dann einen Megaserver. Jede Datei die zu Mega hochgeladen wird, liegt nicht nur auf einem Server. Das bedeutet: Geht ein Anbieter pleite, dann befindet sich die Datei mindestens noch auf zwei anderen Servern in der Welt und in zwei unterschiedlichen Gerichtsbarkeiten.

Glauben Sie, dass Mega so groß oder vielleicht sogar größer als Megaupload werden könnte?

Ich glaube, dass es am Anfang viele geben wird, die Mega ausprobieren wollen. Und weil es so gut ist, wird es sich herumsprechen. Innerhalb eines Jahres wird es dann hoffentlich abheben und eine wichtige Rolle auf dem Internetmarkt spielen. Wegen des einzigartigen Geschäftsmodells und der einzigartigen Funktionen werden wir sicherlich ein deutliches Wachstum verzeichnen können.

Ihnen droht wegen ihrer Rolle um Megaupload eine Gefängnisstrafe. Warum starten Sie jetzt eine neue Website?

Wir haben uns gesagt, dass wir nicht einfach Däumchen drehen können. Wir konnten nicht herumsitzen und zusehen, wie all unsere Gelder eingefroren werden und wir uns am Ende keine Anwälte mehr leisten können. Wir wollten nicht, dass sie diese ganzen gemeinen taktischen Züge machen und wir gar nichts tun. Wir wollten unser Talent und unsere Zeit nicht weiter verschwenden. Also entschlossen wir uns im September 2012, etwas zu tun. Wir dachten uns, dass wir all das Know-How, das wir in sieben Jahren angesammelt haben, dazu nutzen sollten, den besten Cloud-Datenspeicherdienst zu entwickeln, den es je gegeben hat.

Das ist vermutlich die am besten abgesicherte Internetseite aller Zeiten. Jeder Pixel wurde von Anwälten überprüft und natürlich halten wir uns an das Gesetz.

Aber wie können Sie mit der Verschlüsselung verhindern, dass problematische Inhalte hochgeladen werden?

Kinderpornographie ist ein Problem, aber wie bei Megaupload können die Leute Inhalte auch löschen lassen. Wenn jemand etwas entdeckt, was nicht in Ordnung ist, dann kann er uns kontaktieren und darum bitten, es herunterzunehmen, und wir werden es tun. Wir werden streng nach Gesetz agieren und die Behörden unterstützen.

Wie ist Ihre Meinung zu Internet-Piraterie?

Ich denke, Piraterie ist falsch, wenn es zum Beispiel um Musik geht. Wenn man jetzt ein Lied für 99 Cents findet und einen Ausschnitt davon umsonst anhören kann, um zu entscheiden, ob man es kaufen will, und ich lade es dann illegal herunter, dann halte ich das ethisch für problematisch. Aber bei Filmen muss ich sagen, dass Hollywood mit seinem Geschäftsmodell die Leute zur Piraterie zwingt. Die Leute sagen, wenn du es mir nicht [sofort] gibst, dann ist das bescheuert und ich gehe woanders hin. Also was Film-Piraterie angeht, liegt der Fehler, der korrigiert werden muss, bei den Rechteeigentümern und nicht bei den Internetnutzern.

Könnte die Piraterie mit einem neuen Modell bekämpft werden?

Stellen sie sich vor, was Hollywood tun könnte, wenn es ein Internetgeschäft hätte, das all seine Inhalte für jeden in der Welt zu einem fairen Preis verfügbar machen würde. Von der Bewertung her wäre es dann sogar größer als Google . Das kann man entweder mit einer Suchmaschine schaffen oder mit einer wirklich schönen Website im iTunes-Stil, auf der man alles finden kann. Man klickt drauf für eine Dollar oder man registriert sich für eine monatliche Flatrate. In dem Moment wo man das tut – selbst wenn der Preis gesenkt wird – bekommt man plötzlich Geld von all den Leuten, die derzeit umsonst runterladen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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