• The Wall Street Journal

Die Märkte warten auf Apple und Google

    Von CARLA MOZEE

LOS ANGELES – Mit Spannung warten die Investoren auf die Quartalsergebnisse der US-Technologiegiganten, die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehen. Da die Erwartungen für die Ergebnisse in dem Sektor düster sind, werden die Anleger vor allem die Prognosen von Apple, Google, IBM und Microsoft genauer unter die Lupe nehmen.

In dieser Woche trete der Markt in "die heiße Phase der Berichtssaison" ein, sagt Robert Pavlik, Chefmarktstratege bei Banyan Partners. Neben den Technologieschwergewichten werden auch die Zahlen von 3M und Johnson & Johnson das verstärkte Interesse der Investoren auf sich ziehen, meint er.

dapd

Die Berichtssaison in den USA geht in die nächste Runde und in dieser Woche stehen vor allem die Quartalsergebnisse der großen Technologieunternehmen an. Da die Erwartungen eher gering sind, werden sich Analysten die Ergebnisse von Google, Apple und Microsoft umso genauer anschauen.

Wegen dem Martin-Luther-King-Feiertag bleiben die US-Börsen am Montag geschlossen. Die Marktteilnehmer können daher eine kurze Verschnaufpause einlegen, um sich auf die Lawine an Quartalsberichten vorzubereiten, die am Dienstag über sie hereinbrechen wird. Dann gewähren unter anderem Google, IBM und Texas Instruments einen Einblick in ihre Bücher.

Das wichtigste Ereignis der gesamten Börsenwoche dürfte allerdings am Mittwoch steigen. Dann legt nämlich Apple seine jüngsten Zahlen vor. "Das ist die wichtigste Aktie im Markt. Jeder will wissen, wie ihre Ergebnisse ausgefallen sind und welchen Ausblick sie geben", sagt Phil Orlando, Aktienmarktstratege von Federated Investors.

Apple kann auf dem gesamten US-Aktienmarkt für beträchtliche Bewegung sorgen. Die Gewichtung der Aktien des Unternehmens im S&P-500-Index liegt bei 3,8 Prozent und beim Nasdaq-Composite-Index gar bei zehn Prozent. Schon in der vergangenen Woche hatte sich ihr Einfluss auf den Rest des Markts bemerkbar gemacht, allerdings auf negative Weise. Vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse hatten die Titel des Silicon-Valley-Granden um rund vier Prozent nachgegeben.

Sollte Apple mit den jüngsten Zahlen eine positive Überraschung gelingen, dürften nicht nur die Aktien des Unternehmens anziehen. Dann könnte sich auch die Stimmung im gesamten Technologiesektor aufhellen. Anders als in den vergangenen neun Quartalen gehen die Analysten dieses Mal nicht davon aus, dass von Apple der größte Beitrag zum Gewinnzuwachs des Sektors auf Unternehmensebene ausgeht, schreibt der Research- und Datenanbieter FactSet. Seit dem zweiten Quartal 2003 hatte das kalifornische Unternehmen keinen Gewinnrückgang binnen Jahresfrist mehr gemeldet.

Von FactSet befragte Analysten gehen derzeit davon aus, dass Apple für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahrs einen Gewinn je Aktie von 13,45 Dollar melden wird. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte der Profit noch bei 13,87 Dollar je Aktie gelegen. Die Einnahmen dürften jedoch auf 54,92 Milliarden Dollar steigen gegenüber 46,33 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Für das iPhone 5, das im September auf den Markt kam, werden zum ersten Mal die Absatzzahlen für ein vollständiges Quartal ausgewiesen. Die gesamten Auslieferungen für das neueste Apple-Modell dürften bei etwa 48 Millionen Geräten liegen. Allerdings waren die Apple-Titel jüngst auch wegen Bedenken unter Druck geraten, die Nachfrage nach dem Smartphone habe sich abgeschwächt. In den Medien und seitens verschiedener Analysten war berichtet worden, Apple habe die Aufträge für bestimme Komponenten für das iPhone 5 reduziert. "Wir sind kurz davor, vom größten iPhone-Absatz der Geschichte zu hören. Aber die Leute denken nur darüber nach, was als Nächstes kommt", fasst Walter Piecyk von BTIG gegenüber MarketWatch die Stimmung zusammen.

Auch Microsoft und Windows 8 im Fokus

Neben Apple werden sich die Investoren auch brennend dafür interessieren, was Microsoft zu den Verkaufszahlen des Betriebssystems Windows 8 zu melden hat. Das jüngste Produkt des Unternehmens war im Oktober eingeführt worden.

Windows 8 war nicht recht aus den Startblöcken gekommen. Nach Meinung von Rick Sherlund, Software-Analyst von Nomura, sei dies allerdings weitgehend auf die Tatsache zurückzuführen, dass es "sich dabei nicht nur um eine einfache Aktualisierung handelt. Man muss schon eine gewisse Zeit investieren, um das Produkt neu zu erlernen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Benutzeroberfläche des Betriebssystems durch einen Tablet-ähnlichen Teil ergänzt wurde, um die haptische Erfahrung zu optimieren", schrieb er am Freitag in einem Memo.

Im Moment sei nichts in Sicht, was die Microsoft-Aktie in nächster Zukunft antreiben könnte, stellt Sherlund fest. Im Verlauf des Jahres sollte der Wert allerdings "an Zugkraft gewinnen, denn es steht dann mehr neue Hardware zur Verfügung, und die Preise sinken. Die Chancen für die Aktie dürften sich im zweiten Halbjahr verbessern". Seit Jahresanfang haben Microsoft-Titel bisher um zwei Prozent zugelegt.

Im Bereich der Informationstechnologie dürften sich die Ergebnisse im Berichtsquartal insgesamt um 2,9 Prozent abschwächen, schätzen Branchenbeobachter. Die größten Einbrüche werden nach Angaben von FactSet allerdings im Industriesektor erwartet. Dort werden die Unternehmensresultate voraussichtlich um 4,8 Prozent fallen.

Alles in allem gehen die Analysten für US-Unternehmen von einem Ergebniszuwachs für das vierte Quartal von 1,9 Prozent aus, der von den Erwartungen für die Bereiche Technologie, Industrie und Gesundheitswesen eingebremst werde.

Richtig enttäuscht hätten die amerikanischen Firmen mit ihren Resultaten allerdings auch noch nicht. "Sie haben sich mehr oder weniger so präsentiert, wie wir das erwartet hatten, vielleicht sogar ein wenig besser", fasst Orlando von Federated die bisherige Bilanzsaison zusammen.

Bis jetzt haben 54 Unternehmen aus dem S&P-500-Index ihre jüngsten Zahlen offen gelegt. Unter ihnen hätten 65 Prozent Ergebnisse verbucht, die das Mittel der Prognosen übertroffen hätten, berichtet FactSet. Und 69 Prozent sei dies bei den Umsätzen gelungen.

Auch außerhalb des Technologiesektors schlägt in dieser Woche für eine ganze Reihe großer US-Firmen die Stunde der Wahrheit. Erwartet werden die Resultate von Starbucks, Procter & Gamble, Union Pacific und McDonald's.

Kaum neue Konjunkturdaten

Die Unternehmensberichte dürften die Handelswoche dominieren, denn es stehen nur wenige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Für Dienstag ist die Bekanntgabe der Dezember-Zahlen für die Verkäufe bestehender Eigenheime angesetzt. Und wie viele neue Häuser im Dezember einen Besitzer fanden, soll am Freitag veröffentlicht werden. Orlando geht davon aus, dass sich in diesem Bereich eine fortgesetzte Verbesserung ablesen lassen wird.

Sollten die Daten zum Immobilienmarkt in dieser Woche hinter den Erwartungen zurückbleiben, dürfte der Markt angesichts der Jahreszeit spielend damit fertig werden. "Wir sind mitten im Winter. Keiner wundert sich, wenn die Zahlen im Winter nicht so toll ausfallen", sagt er. Die Leute zögen es vor, sich ein Haus erst später im Jahr anzuschaffen. "Wenn wir tatsächlich nicht so gut abgeschnitten haben sollten, denke ich, dass der Markt das ignorieren wird."

Druck auf die Aktien könnte allerdings der wöchentliche Arbeitsmarktbericht der Regierung ausüben, schätzt Pavlik von Banyan. Die Zahlen zu den Erstanträgen auf US-Arbeitslosenunterstützung werden am Donnerstag bekannt gegeben. Die jüngsten Zahlen "waren von Bereinigungen beeinflusst, die in dieser Woche entzerrt werden könnten. Deshalb könnten die Erstanträge leicht steigen", fügt er hinzu. "Die Wall Street könnte ein bisschen negativ reagieren, wenn die Anleger nur die erste Zeile lesen und nicht den eigentlichen Bericht."

Höhenflug an den US-Börsen am Freitag

Die US-Aktien werden am Dienstag auf einem Niveau in die feiertagsbedingt verkürzte Handelswoche gehen, das schon seit mehreren Jahren nicht mehr erreicht worden war. Am Freitag war der Höhenflug an den US-Börsen durch einen starken Quartalsbericht von General Electric gestützt worden. Zudem war Bewegung in den Streit um die Schuldenobergrenze zwischen Demokraten und Republikanern in Washington gekommen, die die Börsianer auf eine Beilegung des Disputs hoffen ließ.

Der S&P-500-Index kletterte am Freitag auf 1.485,98 Punkte und schloss damit auf dem höchsten Stand seit Dezember 2007. Im Verlauf der Handelswoche hatte das Leitbarometer damit ein Prozent zugelegt. Der Dow-Jones-Industrial-Average zog in der vergangenen Woche um insgesamt 1,2 Prozent an und der Nasdaq-Composite-Index legte um 0,3 Prozent zu.

Es sei "ermutigend und beeindruckend", wie sich die Aktienmärkte in jüngster Zeit präsentierten, freut sich Pavlik. Viele Investoren hätten am Ende des vergangenen Jahres Gewinne mitgenommen und sich darauf vorbereitet, sich vom Markt fernzuhalten. Sie seien nervös darüber gewesen, was bei den Etatverhandlungen in Washington herauskommen würde.

Investoren haben US-Schatzpapiere aufgegeben

Da ein Aspekt der Budgetkrise Anfang 2013 allerdings beigelegt worden sei, hätten die Aktien "sich stabil gezeigt und nach oben bewegt". Dazu habe auch beigetragen, dass die Investoren US-Schatzpapiere und andere festverzinsliche Anlageklassen zugunsten der Aktie aufgegeben hätten.

Die Anleger sollten jedoch weiter Vorsicht walten lassen, warnte er. Denn die Verantwortlichen auf dem Capitol Hill seien drauf und dran, tief greifende Gespräche über die Erhöhung der Schuldenobergrenze "auf die lange Bank zu schieben".

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