• The Wall Street Journal

Buffett: 16 Billionen Dollar Schulden sind kein Problem

    Von KATE GIBSON

Der amerikanische Star-Investor Warren Buffett hält die Debatte über die hohen Schulden der Vereinigten Staaten für übertrieben. "Es ist nicht gut, wenn die Schulden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt steigen, das sollte man stabilisieren. Aber die Schulden an sich sind kein Problem", sagte der Vorstandschef von Berkshire Hathaway in einem Interview, das der Fernsehsender CBS ausgestrahlt hat.

Die USA schieben derzeit einen Schuldenberg von 16,4 Billionen Dollar vor sich her. Zum Jahreswechsel haben sie die gesetzlich vorgeschriebene Obergrenze für die Schulden erreicht, ab der die Regierung ohne Zustimmung des Kongresses keine zusätzlichen Kredite mehr aufnehmen kann. Derzeit verhandeln die Parteien in Washington über eine Anhebung des Schuldenlimits. Eine Einigung, die am Wochenende näher rückte, ist von zentraler Bedeutung für die US-Wirtschaft. Gelingt sie nicht, müssten die USA ihre Staatsausgaben drastisch zurückfahren – mit schwerwiegenden Folgen für die Konjunktur.

Associated Press

Warren Buffett: "535 Menschen in Washington werden auf Dauer nicht 315 Millionen Amerikaner verderben können."

Milliardär Buffett sieht die staatliche Billionenlast vergleichsweise gelassen. Der Schuldenstand der USA entspreche heute einem "niedrigeren prozentualen Anteil am Bruttoinlandsprodukt als damals, als wir aus dem Zweiten Weltkrieg kamen. Über dieses Verhältnis der Schulden zum BIP müssen Sie nachdenken", sagte Buffett, der sich öffentlich für höhere Steuern für die reichsten Amerikaner eingesetzt hatte – ein Standpunkt, den er im Interview untermauerte. "Ich würde sagen, dass in einem Land mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 50.000 Dollar niemand hungern sollte, niemandem eine gute Ausbildung fehlen sollte und sich keiner Sorgen über die Gesundheitsfürsorge machen sollte. Niemand sollte Angst vor dem Alter haben müssen."

"Ungleichheit ist wichtig, aber niemand soll hungern"

Der 82-jährige Buffett stellte aber klar, dass er nicht für eine Einkommensverteilung werbe, die Innovateuren die Motivation nehme; er fordere keine „gleichen Einkommen".

Am Beispiel der Co-Gründer von Apple, Hewlett Packard und Microsoft, erklärte Buffett seinen Standpunkt: "Sie wollen Ungleichheit; sie wollen, dass die Steve Jobs in ihren Garagen arbeiten, oder die Dave Packards oder die Bill Gates. Sie wollen aber nicht, dass irgendjemand abends hungrig ins Bett gehen muss oder medizinische Behandlungen versagt bekommt."

Optimistisch zeigte sich Buffett mit Blick auf die große Enttäuschung, die viele Amerikaner angesichts des politischen Gezänks und des anhaltenden Stillstands in Washington empfinden: "Was in den USA gut läuft, wird das, was in Washington schief läuft, komplett in den Schatten stellen. 535 Menschen werden auf Dauer nicht 315 Millionen Menschen verderben können. Das weiß ich."

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