• The Wall Street Journal

Bei europäischen Jachtbauern ist Luxus Trumpf

    Von PETER EVANS

Mehrere Schlafzimmer galten einst für rund 30 Meter lange Luxusjachten als Maß aller Dinge - doch die Jachtbauer müssen sich inzwischen für die exklusive Kundschaft aus China und anderen Wachstumsländern mehr einfallen lassen. Zur maßgeschneiderten Ausstattung der bis zu 16 Millionen US-Dollar teuren Boote zählen Karaokestudios, Mahjong-Salons und mit neuester Elektronik vollgestopfte Sitzungssäle. Für mehrere Schlafzimmer bleibt da häufig weder Zeit noch Platz. Es sind hochlukrativen Nischenaufträge wie diese, die europäische Luxusbootbranche derzeit über Wasser halten.

Denn vordergründig betrachtet sind die Goldgräberzeiten für die Luxusbootbranche erst einmal vorbei. Die globalen Jachtumsätze dürften im vergangenen Jahr nur noch um 2 Prozent auf rund 7 Milliarden Euro gestiegen sein. Damit ist dieses Segment beim Wachstum Schlusslicht innerhalb der Luxusbranche, die im vergangenen Jahr insgesamt 212 Milliarden Euro erwirtschaftwsjete, wie Zahlen der US-Beratungsgesellschaft Bain & Company belegen.

Zu kämpfen haben innerhalb des Segments allerdings die Hersteller etwas preiswerterer Luxusjachten. Bei luxuriösen Power-Jachten, die zwischen 6 und 30 Meter lang sind, ging es beim Absatz laut dem Platzhirschen Princess Yachts seit 2008 um 30 Prozent abwärts.

Spielzeug der Milliardäre - die größten Jachten der Welt

Agence France-Presse/Getty Images

Am obersten Ende des Marktes wittern die Hersteller dagegen weiter Morgenluft. Die Megareichen geben immer noch astronomische Summen aus, um sich eine Jacht als ultimatives Aushängeschild ihrer Opulenz zu leisten. In solchen Kreisen zählen wirtschaftliche Erwägungen wenig und der besondere Service ist alles. "Auf dem Niveau, in dem wir uns bewegen, ist es nicht wichtig, ob das chinesische Wirtschaftswachstum ein paar Prozentpunkte abbröckelt oder Großbritannien eine schwere Rezession erleidet", sagt Stewart McIntyre, Direktor beim britischen Jachtbauer Sunseeker. "Es wirkt sich auf die Zahlungsfähigkeit unserer Kunden einfach nicht aus."

Sunseeker bedient das absolute Top-Segment bei Luxusjachten. Die "115 Sport Yacht", die vergangene Woche auf der London Boat Show vorgestellt wurde, trägt ein Preisschild von rund 14,5 Millionen Dollar. An Betriebskosten kommen auf die Bootseigner monatlich 16.000 Dollar zu. Der Jachtbauer steigerte den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 5 Prozent und erwartet 2013 ein ähnlich gutes Jahr. Die Belegschaft soll wachsen, genau wie beim Hauptrivalen Princess Yachts aus dem südwestenglischen Plymouth. Großbritannien gibt den Ton in der globalen Fertigung von Luxusjachten an, während andere traditionelle europäische Schiffshersteller in Griechenland und Italien die Eurokrise schmerzlich zu spüren bekommen.

Es sind vor allem ultrareiche Einzelkäufer aus China, Mexiko, Brasilien und Russland, die den Markt beflügeln. Dazu kämen noch gelegentliche Käufe aus Ägypten, dem Libanon und anderen Teilen des Nahen Osten, wie Vertreter der Jachthersteller erklärten. Die Superreichen pendeln zwischen den Hauptstädten der Welt und gönnen sich für ihre Freizeitaktivitäten maßgeschneiderte Privathubschrauber und exklusive Autos.

Doch auch bei ihnen gab es durch die Finanzkrise von 2008 Einschnitte. "Die Kunden sind bei ihren Ausgaben zurückhaltender," sagt Direktor Chris Gates von Princess Yachts, die zum Luxuskonzern LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton gehört. "Aber wenn sie Geld in die Hände nehmen, fließen die Dollar schnell und reichlich." Die Zeit von der Bestellung bis zur Übergabe habe sich von 18 Monaten auf weniger als ein Jahr verkürzt, da die Kunden mit ihrer Jacht möglichst bald durch die Meere kreuzen wollten.

Obwohl der Bootsrumpf und der Überbau der meisten Luxusboote vorgefertigt sind, lässt sich das gesamte Interieur einzelanfertigen. Diese Flexibilität gefällt den gutbetuchten Kunden. Zu den Wünschen zählen dabei nicht nur Sitzungssäle und Karaokekabinen. Auch ein Weinkeller, Prunkgemach mit Panoramablick und Suite-Schlafzimmer darf mitunter nicht fehlen.

In der mittleren Preiskategorie - bei Schiffen mit einer Länge von 12 bis 18 Metern, die bis zu 800.000 Dollar kosten - sackt derweil die Nachfrage ab. Kunden bestellen hier inzwischen häufig kleinere Modelle oder bedienen sich gleich auf dem Gebrauchtmarkt. "Der Markt ist am oberen Ende robust und im mittleren Segment geschrumpft", sagt Alistair Schofield, CEO von Fairline Boats.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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