• The Wall Street Journal

Obama für zweite Amtszeit vereidigt

    Von LAURA MECKLER
Reuters

Barack Obama während seiner Rede am Montag.

WASHINGTON – US-Präsident Barack Obama hat vor hunderttausenden Amerikanern öffentlich den Eid für seine zweite Amtszeit geleistet. Auf den Stufen des Kapitols schwor er auf Verfassung und Bibel. In seiner Rede zur Amtseinführung versprach Obama, sich für die einfachen Leute einzusetzen. „Die Wahrheiten der Gründerväter sind selbstverständlich. Aber sie sind nicht selbsterfüllend", rief Obama den Zuhörern zu.

Einen Großteil seiner gut 19-minütigen Rede widmete er demokratischen Herzensthemen: Dem Schutz des Sozialstaats und des Gesundheitssystems, der Integration von Zuwanderern, gleichen Rechten für Homosexuelle und der fairen Bezahlung von Frauen. „Unser Land kann keinen Erfolg haben, wenn es einigen Wenigen sehr gut geht, eine wachsende Zahl aber kaum über die Runden kommt", sagte Obama. „Wir glauben, dass der Wohlstand Amerikas auf den breiten Schultern einer aufstrebenden Mittelschicht ruhen muss."

Bilder: Die Obama-Show in Washington

Agence France-Presse/Getty Images

Der Präsident griff den politischen Gegner nicht direkt an. Er verteidigte das Gesundheitssystem und Sozialleistungen damit, dass diese Programme die Amerikaner nicht automatisch „zu einer Nation der Empfänger" machten. Sein Herausforderer Mitt Romney hatte das im Wahlkampf vor reichen Spendern gesagt und war dabei heimlich gefilmt worden. Die unbedachte Äußerung schadete seiner Kampagne ungemein.

Obama wandte sich eindringlich gegen die wirtschaftliche Ungleichheit, vergaß aber auch nicht, an den Individualismus zu appellieren. Die einzelnen Bürger „repräsentieren unsere größten Hoffnungen und können den Kurs des Landes wirklich verändern".

Er bereitete die Amerikaner auch auf harte Einschnitte vor. Die Ausgaben für das Gesundheitssystem und das Haushaltsdefizit müssten gesenkt werden. Damit die Ziele erreicht werden können, rief Obama zur Einheit der Nation auf: „Wir müssen diese Dinge gemeinsam erledigen. Als eine Nation und ein Volk."

Der neue und alte Präsident forderte energisch gleiche Rechte für Homosexuelle. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis unsere homosexuellen Brüder und Schwestern rechtlich wie alle anderen behandelt werden", sagte er.

Ehrgeizige Ziele

In seiner Rede streifte der 44. Präsident der USA die Außenpolitik lediglich. Der 51-Jährige bekannte sich aber zu weltweiten Bündnissen und zur Zusammenarbeit. „Amerika wird der Anker von starken Bündnissen in jeder Ecke der Welt bleiben", sagte der Präsident.

Seine Amtseinführung wurde eingerahmt von Auftritten bekannter US-Stars. Die Sängerinnen Kelly Clarkson und Beyoncé schmetterten patriotische Lieder und die Nationalhymne, ein Dichter verlas sein für diesen Anlass eigens geschriebenes Gedicht. Bei Temperaturen um null Grad Celsius strömten rund 800.000 Zuschauer auf die National Mall, weit weniger als vor vier Jahren.

Video auf WSJ.com

From Kelly Clarkson and Beyonce singing to Myrlie Evers-Williams speaking on civil rights, watch some of highlights from President Barack Obama's second Presidential Inauguration. Photo: Getty Images.

Bereits am Sonntag hatte Obama in kleinem Kreis, umgeben von seiner Familie, seine zweite Amtszeit eingeläutet. Auch Vize-Präsident Joe Biden leistete am Montag seinen öffentlichen Schwur.

Der Präsident hat ehrgeizige Zeile für seine zweite Amtszeit: Abbau der Schulden, eine Steuerreform, Änderungen bei Einwanderung und im Waffenrecht. Dazu kommen die atomaren Bedrohungen im Iran und Nordkorea sowie unerwartete Krisen wie etwa die Geiselnahme in Algerien.

Obamas Bemühungen um ein parteiübergreifendes Einvernehmen, das er noch bei seiner ersten Amtseinführung stark betont hatte, sind jedoch gescheitert, wie nicht erst das nicht enden wollende Gezerre um die Fiskalklippe Ende vergangenen Jahres gezeigt hat. In den zweieinhalb Monaten nach seinem Wahlsieg hat Obama den Republikanern gegenüber einen deutlich aggressiveren Ton angeschlagen.

Kandidaten für Kabinett nominiert

Es gibt aber auch Lichtblicke zu Beginn der zweiten Amtszeit des Präsidenten. Die Wirtschaft befindet sich nicht mehr im Abwärtstaumel. Der Krieg im Irak ist beendet, der elfjährige Einsatz in Afghanistan neigt sich dem Ende entgegen. Zahlreiche wichtige Gesetzesvorhaben zum Gesundheitssystem und zur Finanzaufsicht sind in Kraft, und seiner Regierung bleibt nun mehr Zeit, diese umzusetzen.

Unmittelbar nach der Zeremonie nominierte Obama offiziell vier Kandidaten für vakante Kabinettsposten: John Brennan soll den Geheimdienst CIA leiten, John Kerry wird Außenminister, Chuck agel Verteidigungsminister und Jacob Lew Finanzminister.

Nach seiner Rede führten die Obamas die traditionelle Parade vom Kapitol über die Pennsylvania Avenue zurück zum Weißen Haus an. Der Tag endet dann mit zwei glamourösen Bällen.

Obamas Amtseid war bereits sein vierter – damit hat er den Rekord von Franklin D. Roosevelt eingestellt. 2009 musste er den Eid hinter verschlossenen Türen wiederholen, weil sowohl er als auch Verfassungsrichter John Roberts bei der öffentlichen Zeremonie undeutlich gesprochen hatten.

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