• The Wall Street Journal

Boeing-Panne: Fahnder durchleuchten japanischen Batteriehersteller

    Von ANDY PASZTOR, YOSHIO TAKAHASHI und YOREE KOH

Die Suche nach der Ursache für zwei verkohlte Flugzeugbatterien an Bord von Prestigeflugzeugen des US-Herstellers Boeing konzentriert sich nun auf einen Batterieproduzenten in Japan. Am Montag gingen japanische Ermittler neuen Hinweisen nach, dass es beim Unternehmen GS Yuasa Probleme bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von Lithium-Ionen-Batterien gab. Die Batterien bilden einen wichtigen Bestandteil in Boeings 787 Dreamlinern.

Associated Press

Verkohlte Lithium-Ionen-Batterie an Bord eines Boeing 787-Dreamliners: Fahnder verfolgen unterschiedliche Fährten.

Zeitgleich untersuchen amerikanische Experten, ob es möglicherweise Probleme gibt im Zusammenspiel der Batterie mit dem neuartigen Elektroniksystem der Flugzeuge. Die Lage ist angespannt, verraten gut unterrichtete Personen aus dem Umfeld der US-Untersuchung. So machten die US-Fahnder Druck auf ihre japanischen Kollegen, mehr Zugang zu den bisher ermittelten Daten zu gewähren. Gleichzeitig drängen Boeing und dessen Fluglinien-Kunden die Ermittlerteams auf beiden Seiten des Pazifiks dazu, rasch Antworten vorzulegen.

Die Experten verfolgen fieberhaft neue und möglicherweise völlig unterschiedliche Fährten. Am Montag besichtigten Vertreter des japanischen Verkehrsministeriums und der US-Luftfahrtbehörde FAA den Hauptsitz des Batterieherstellers GS Yuasa in Kyoto. Sie wollen sich diese Woche auch noch die Fabrik von GS Yuasa ansehen, in der die Dreamliner-Batterien gefertigt werden.

Frisch verkabelt

Zuvor hatten die japanischen Ermittler angenommen, dass eine Überhitzung der Boeing-Batterie zu der Panne vom 16. Januar geführt hat, bei der Piloten einer Boeing 787 der Fluggesellschaft All Nippon Airways wegen Brandgeruchs notgelandet waren. Am Sonntag aber hatte die amerikanische Nationale Behörde für Transportsicherheit (NBTS) dem spektakulären Fall einen neuen Dreh gegeben mit der Meldung, dass eine zunächst ähnlich erscheinende Panne vom 7. Januar, bei der eine Batterie an Bord eines parkenden 787-Jets der Linie Japan Airlines in Brand geraten war, nicht überladen gewesen sei.

Sollten tatsächlich unterschiedliche Gründe zu den beiden Zwischenfällen geführt haben, könnte das die Ermittlungen verlängern und Boeings Hoffnungen zerschlagen, seine Dreamliner bald wieder in die Luft zu bekommen. Aus Sicherheitsgründen besteht seit sieben Tagen ein weltweites Flugverbot für Boeings 787-Flotte. Der Konzern kann auch keine neuen Jets an Kunden ausliefern, weil Testflüge von 787-Maschinen ebenfalls verboten sind.

Sicherheitsexperten von außen sagen, dass es zu früh sei, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Außerdem könnten zusätzliche Daten schnell jegliche Unterschiede in den beiden Untersuchungen ausräumen. Die FAA und die NBTS wollen sich selbst nicht weiter zum Stand der Ermittlungen äußern. Japanische Regierungsvertreter haben aber angedeutet, dass die Nachforschungen beim Batterieproduzenten GS Yuasa „ein paar Tage" dauern würden.

„Wir werden uns ansehen, ob ein angemessener Betrieb stattfand – vom Design bis zur Herstellung", sagte Shigeru Takano, Direktor der Abteilung für Luftverkehrssicherheit im japanischen Verkehrsministerium, nach dem Besuch der Konzernzentrale.

Bisher keine Probleme mit Batterien gehabt

GS Yuasa ist ein mehr als 100 Jahre altes japanisches Unternehmen mit starker Präsenz in der Automobilindustrie, das in der Luftfahrt bisher eher unbekannt war. Die Wurzeln des Konzerns reichen zurück bis ins Jahr 1895 – zum Hersteller des ersten japanischen Bleiakkus, Japan Storage Battery. Dieses Unternehmen fusionierte im Jahr 2004 mit dem einheimischen Rivalen Yuasa zum heute drittgrößten Produzenten von Bleibatterien für Autos. Der globale Marktanteil liegt bei 8 Prozent.

1990 begann das Unternehmen Lithium-Ionen-Batterien herzustellen - hochgradig leistungsfähige, aber auch entzündliche Akkuzellen, die in den modernen Dreamlinern eingebaut sind. GS Yuasa produziert solche Batterien auch für Satelliten und Schiffe und landete jüngst einen Prestigeauftrag, um die Internationale Raumstation zu bestücken. Das Unternehmen betreibt Joint Ventures mit den Autobauern Honda und Mitsubishi, um Batterien für Elektroautos herzustellen.

GS Yuasa selbst sagt, es habe bisher keine Vorfälle mit in Brand geratenen Lithium-Ionen-Batterien gehabt. Auf die laufende Untersuchung wollte es nicht eingehen.

Flugzeugbauer Boeing sagt, er arbeite eng mit den Ermittlern zusammen, um einen Ausgleichsplan aufzustellen, unter dem seine Jets wieder fliegen können.

—Mitarbeit: Jon Ostrower und Daniel Michaels

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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