• The Wall Street Journal

Energiekonzerne fürchten neue Übergriffe in Algerien

    Von SELINA WILLIAMS und BENOIT FAUCON

Nach dem Überfall islamistischer Extremisten auf ein Gasfeld in Algerien rechnen die in der Region tätigen Energiekonzerne mit einer langanhaltenden Bedrohung. Ihr Engagement zur Erschließung und Förderung der großen Öl- und Gasreserven wird das allerdings nicht schwächen. Stattdessen verstärken die Unternehmen ihre Bemühungen, die Mitarbeiter noch besser zu schützen.

In der vergangenen Woche hatten Extremisten eine Gasförderanlage in Amenas angegriffen und vier Tage lang mit Geiseln besetzt gehalten. Algerische Spezialeinheiten stürmten die Gasförderanlage und es gab zahlreiche Tote und Verletzte. Die mitten in der Wüste gelegene, vom Rest des Landes isolierte Gasförderanlage wird von der britischen BP, dem norwegischen Konzern Statoil sowie dem algerischen Energieunternehmen Sonatrach gemeinsam betrieben.

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Security at oil installations is likely to come under review after militants kidnapped workers at a remote natural-gas complex and after Algeria's military launched a raid to free the hostages. Dow Jones's James Herron looks at how this might change the oil industry. Photo: Getty Images

Algerian television broadcast footage of several freed foreign hostages getting onto a bus at the In Amenas natural-gas plant. Photo/Video: AP.

Vor dem Überfall, der in seiner Brutalität beispiellos sowohl für Algerien als auch die Energiebranche ist, konnten Ölkonzerne wie Total, GDF Suez, Cepsa oder Repsol in der von der algerischen Armee gut geschützten Südsahara ohne große Zwischenfälle Gas und Öl fördern. Dabei sahen die Firmen die Abgelegenheit der Orte bislang eher als Vorteil. Zudem ist das Bohren nach Öl in der Wüste im Vergleich zur Offshore-Förderung einfacher, sagte Claire Spencer, Politikexpertin für die Region Mittlerer Osten und Nordafrika beim Britischen Royal Institute of International Affairs.

Nach dem Überfall wird auch die Region mit den langen, durchlässigen Grenzen zu politisch instabilen Ländern wie Libyen und Mali zur Gefahrenzone für die Mitarbeiter. Nach dem Krieg im ölreichen Libyen nutzt das Terrornetzwerk Al-Qaida das hier entstandene Machtvakuum. Den Überfall auf das Gasfeld nehmen die algerischen und westlichen Ölfirmen zum Anlass, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. Jede Gas- oder Ölförderanlage werde jetzt von einer Armeeeinheit geschützt, die mindestens 500 Männer umfasst, sagte Derrouiche Messaoud, Gewerkschaftsführer bei der Förderanlage Hassi R'Mel und Mitarbeiter bei Sonatrach.

Westliche Firmen reagieren laut einem von der US-Regierung beauftragten Gutachter auf die Bedrohung, indem sie das Personal und die Geschäftsreisen in die Region so gering wie möglich halten. Mitarbeiter sollen Reisen mit dem Auto vermeiden, das Personal wird - soweit es räumlich geht - konzentriert. Denn so können die Mitarbeiter bei einem Überfall schnell evakuiert werden.

Die Tatsache, dass ein Industriekomplex angegriffen werden konnte, der bereits durch das algerische Militär und private Sicherheitsleute geschützt wurde, hat allerdings auch einige Investoren verschreckt, sagte Analyst Edward Bell von der Economist Intelligence Unit (EIU). Die EIU bietet aktualisierte Länderberichte zu allen Staaten der Erde mit Informationen über aktuelle und zukünftig zu erwartende wirtschaftliche und politische Entwicklungen an. "Algerien wird zur Wiederherstellung des Vertrauens in ein sicheres Arbeitsumfeld für Öl- und Gasarbeiter kämpfen müssen", fügte der Experte hinzu.

Cameron: Kampf gegen Terror wird Jahre dauern

Die Öl- und Gasproduktion in der Region ist nicht nur für die Verbraucher in Europa und den Vereinigten Staaten von Bedeutung. Länder wie Algerien brauchen die Fördereinnahmen auch selbst, um damit die Staatsausgaben zu finanzieren. Die angegriffene Gasförderanlage ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt. Der britische Premierminister David Cameron sagte am Wochenende, der Kampf gegen den Terror in Nordafrika werde nicht innerhalb weniger Monate zu Ergebnissen führen, sondern werde Jahre oder Jahrzehnte dauern. Er forderte eine engere Zusammenarbeit mit den Regierungen in der Region und stellte Hilfe zur Terrorbekämpfung in Aussicht.

Statoil-Chef Helge Lund forderte seine Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung am Montag zum Durchhalten auf. Die Investitionen im Ausland will Statoil aber auch nach dem blutigen Überfall nicht einstellen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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