• The Wall Street Journal

Opel schließt früheres Ende der Autoproduktion in Bochum nicht aus

    Von NICO SCHMIDT und ILKA KOPPLIN

Im Bochumer Opel-Werk könnten die Lichter früher ausgehen als bisher gedacht. Wie Aufsichtsratschef und GM-Vize Steve Girsky in einem Brief an die Mitarbeiter erklärte, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Autoproduktion schon mit Beginn des Jahres 2015 eingestellt wird.

"An allen deutschen Standorten ... müssen wir Lösungen finden, um flexibler zu werden, Bürokratie abzubauen und Kosten zu senken", schreibt Girsky. Deshalb habe er die Opel-Geschäftsführung und die Arbeitnehmerseite gebeten, noch im Februar zu einer Lösung zu kommen. Immerhin sei man seit vergangenem Juni in Gesprächen.

[image] dapd

Eigentlich sollte die Autoproduktion in Bochum erst Ende 2016 eingestellt werden. Wie Opel-Aufsichtsratschef und GM-Vize Steve Girsky jetzt jedoch in einem Brief an die Mitarbeiter erklärte, könnte es schon Anfang 2015 soweit sein. Verantwortlich dafür sei die Absatzkrise in Europa.

Der Manager erhöht damit den Druck auf die Gewerkschafter, die die Produktion in Bochum erhalten wollen. Die machen ihrerseits den Rüsselsheimer Traditionskonzern dafür verantwortlich, dass man bisher noch nicht vorangekommen sei. "Eine derart schlecht geführte und vorbereitete Verhandlung wie die, die das Management von Opel seit dem vergangenen Frühsommer bietet, habe ich in meiner langen Karriere noch nicht erlebt", sagte der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber. IG Metall sowie Konzern- und Gesamtbetriebsrat sagten, die Drohung, das Werk in Bochum bereits Ende 2015 zu schließen, sei "inakzeptabel". Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass Bochum als "Produktionsstandort bleiben muss".

In Girskys Brief heißt es weiter, dass sich GM an den bestehenden Standortsicherungsvertrag halte, auch wenn beide Parteien keine Einigung erzielten - der Vertrag läuft aber bereits Ende 2014 aus. Würde damit auch die Zafira-Produktion in Bochum enden, wäre das zwei Jahre früher als bisher geplant. Mitte Dezember hatten die krisengebeutelten Rüsselsheimer angekündigt, voraussichtlich nach dem Auslaufen der aktuellen Zafira-Generation Ende 2016 keine Autos mehr an dem nordrhein-westfälischen Standort bauen zu wollen. Davon sind rund 3.000 von europaweit 40.000 Mitarbeitern betroffen. Die Nachfolgegeneration soll in einem anderen Werk gefertigt werden.

Die Gespräche laufen

Eine Unternehmenssprecherin sagte, es sei nach wie vor das Ziel, die Produktion erst 2016 zu beenden. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es schon früher so weit sein könnte. Entsprechende Gespräche liefen. Zuvor hatten die Zeitungen der WAZ-Gruppe über den Mitarbeiterbrief von Girsky berichtet.

Laut Girsky ist für die mögliche vorgezogene Schließung des Bochumer Werks die Absatzkrise in Europa verantwortlich. "Es ist nicht nur unrealistisch, sondern auch illusorisch zu glauben, dass sich der Markt rasch erholt", erklärte der Opel-Aufsichtsratschef in seinem Brief. "Was wir brauchen, sind weitere beträchtliche Einsparungen."

Dabei soll auch die Kooperation mit dem französischen Autobauer PSA Peugeot Citroen in den Bereichen Logistik, Einkauf und bei der gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugarchitekturen helfen. Damit sollen die Kosten für die beiden Konzerne ab 2017 jährlich um 2 Milliarden US-Dollar sinken. Zudem prüfen die Partner zusätzliche gemeinsame Projekte in Lateinamerika und anderen Wachstumsmärkten wie Russland sowie die Entwicklung von kleinen, sparsamen Benzinmotoren.

Denn internen Planungen zufolge rechnet Opel nicht damit, dass sich der europäische Markt, der der wichtigste der Rüsselsheimer ist, in diesem und dem nächsten Jahr signifikant erholen wird. Für das laufende Jahr erwartet der Autohersteller einen Marktrückgang von rund vier Prozent in Europa. Der Marktanteil soll zwar leicht steigen, der immense Preisdruck jedoch anhalten. Erst 2015/16 dürfte die Nachfrage wieder spürbar anziehen, wobei das Vorkrisenniveau von 2007 den Projektionen zufolge selbst 15 Jahre später nicht erreicht werden wird.

Mit neuen Modellen wie dem Kompakt-SUV Mokka und dem Stadtflitzer Adam will die Marke trotz der schwierigen Rahmenbedingungen spätestens ab dem kommenden Jahr Marktanteile hinzugewinnen. Gleichzeitig sollen harte Sparmaßnahmen das seit Jahren defizitäre Unternehmen bis Mitte des Jahrzehnts wieder in die Gewinnzone führen.

Kontakt zu den Autoren: nico.schmidt@dowjones.com und ilka.kopplin@dowjones.com

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