• The Wall Street Journal

Wal-Mart verschärft Regeln für Zulieferer

    Von SHELLY BANJO

Der US-Einzelhandelskonzern Wal-Mart zieht Konsequenzen aus der Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch, bei der im November über 100 Menschen ums Leben gekommen waren. In der Fabrik hatte ein Subunternehmer Kleidung produziert, obwohl dies von dem US-Konzern so nicht vorgesehen war. Solche Verstöße gegen die Richtlinien will der weltgrößte Einzelhändler künftig hart und kompromisslos ahnden.

Bisher galt bei Wal-Mart die Regel: Erst nach drei Regelverstößen wird durchgegriffen. Solange bekamen die Subunternehmer Zeit, gravierende Probleme anzugehen. Diese Richtlinie ersetzt der Einzelhändler aus Arkansas nun durch eine "Null-Toleranz-Politik". Subunternehmen soll künftig sofort gekündigt werden, wenn sie Arbeiten an Fabriken vergeben, die Wal-Mart nicht kennt und genehmigt hat. Der Einzelhändler informierte seine Zulieferer in einem zehn Seiten langen Brief darüber.

dapd

Nachdem im November bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch über 100 Menschen ums Leben kamen, hat der US-Einzelhandelskonzern Wal-Mart Konsequenzen aus dem Unglück gezogen. Statt eines Durchgreifens erst nach drei Regelverstößen will man gegenüber Subunternehmen nun eine Null-Toleranz-Politik verfolgen.

"Offenbar ist unsere Strategie mit den drei Verwarnungen nicht aufgegangen", räumte Vize-Präsident Rajan Kamalanathan von Wal-Mart in einem Interview ein. "Unsere Null-Toleranz-Botschaft soll sich in den Köpfen festsetzen."

Gleichzeitig will Wal-Mart auf seiner Website künftig die Namen von Fabriken veröffentlichen, mit denen die Subunternehmer keine Geschäfte machen dürfen. Das Kalkül: Es soll mehr Rechenschaftspflicht und Transparenz geschaffen werden. "Keiner soll sagen können: Oh, das wussten wir nicht", erläutert Kamalanathan weiter. Zusätzlich will Wal-Mart die Zulieferer genau unter die Lupe nehmen, bevor die Subunternehmer Aufträge an sie vergeben dürfen. Außerdem will Wal-Mart weitergehende Sicherheitsmaßnahmen für die Fabriken in Bangladesch ergreifen.

Gewerkschafter reagierten verhalten auf die neuen Regeln von Wal-Mart. Diese gingen den Problemen nicht auf den Grund. Vielmehr müssten die Preise, die der Einzelhandelskonzern seinen Subunternehmern zahlt, deutlich steigen. Sie reichten bei weitem nicht aus, damit die Subunternehmer faire Löhne zahlen und sichere Arbeitsbedingungen schaffen können.

Die neuen Brandschutzanforderungen in Fabriken in Bangladesch seien nicht effektiv, kritisieren die Gewerkschafter weiter. Wal-Mart müsse die Namen aller Werke angeben, die von den Subunternehmern genutzt würden. Dann könnten die Arbeitsstätten unabhängig überprüft werden. Derzeit seien die Überwachungsprogramme alles andere als transparent, sagte Scott Nova vom gemeinnützigen Worker Rights Consortium. "Keiner von Wal-Marts Schritten ändert daran das Geringste."

Das Feuer in Bangladesch ereignete sich in einer Textilfabrik, die Waren für westliche Einzelhändler produzierte, darunter Wal-Mart und auch deutsche Handelsketten. Die Katastrophe hatte weltweit Bestürzung ausgelöst und Kritik an den schlechten Arbeitsbedingungen in Schwellenländern laut werden lassen. Besonders gravierend ist das Problem in Bangladesch, wo in den vergangenen Jahren eine ganze Serie von Bränden Betriebe heimgesucht hatte.

Wal-Mart hält dagegen und betont, der Subunternehmer hätte das von Tazreen Fashions betriebene Werk gar nicht nutzen dürfen. Der Konzern hatte nach eigenen Angaben keine Ahnung, dass seine Kleidungsstücke dort gefertigt wurden. Mit zwei der Zulieferer, die Aufträge an die betroffene Fabrik vergeben hatten, beendete Wal-Mart nun die Zusammenarbeit. Der US-Konzern verschweigt die Namen der beiden Zulieferer.

Immerhin räumt Wal-Mart ein, dass der Brand das Augenmerk auf Probleme in der eigenen Wertschöpfungskette gelenkt hat. Diese will der Einzelhändler nun durch striktere Standards angehen. Die Zulieferer treffen sich in zwei Tagen am Firmensitz in Arkansas mit Wal-Mart, um über die Sicherheitsbestimmungen auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Wal-Mart will die Sicherheitsanforderungen künftig besser überwachen. Jedoch müssten auch die Zulieferer, Behörden vor Ort und andere Institutionen mitmachen. Damit die Sicherheitsmaßnahmen in den Fabriken umgesetzt werden können, will Wal-Mart extra einen Fonds auflegen. Kredite sollen den Werken die Umstellung erleichtern.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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